Der Terminkalender von Cheyenne „Pepper“ Hanson ist international geworden. Die Augsburger Profiboxerin hat ihren Job im Steakhouse gegen das harte Leben eines Vollprofis getauscht. Am 8. März will sie in Bosnien den nächsten Schritt Richtung WM-Titel gehen.
Es ist ruhig geworden um das Thema Verletzung, und das ist die beste Nachricht, die Cheyenne Hanson geben kann. „Die Hand hält, keine Schmerzen, alles gut“, sagt die 28-Jährige knapp. Das Kapitel „Mittelhandbruch“, das ihr Jahr 2025 so schwer gemacht hat, ist abgehakt. Der Blick geht jetzt nur noch nach vorne. Aktuell liegt der Fokus auf einer kleinen Wohnung in London.
Dort, in einem unspektakulären Airbnb, verbringt Hanson vor Kämpfen mittlerweile einen Großteil ihrer Zeit. Fernab von Familie und Freunden in Augsburg bereitet sie sich unter Star-Coach Xavier Miller auf ihre Kämpfe vor. Glamourös ist das Leben in der britischen Hauptstadt allerdings nicht. „Mein Tag besteht aus Aufstehen, Frühstücken, Training, Essen, Pause, wieder Training“, erzählt Hanson.
Cheyenne „Pepper“ Hanson: „Abends bin ich so gerädert, da passiert nichts mehr.“
„Abends bin ich so gerädert, da passiert nichts mehr.“ Doch genau dieser „Tunnelblick“ ist es, den sie sucht. In London, wo das Boxen einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland, holt sie sich den Feinschliff, der sie mal an die Weltspitze bringen soll. Für ihre eigenen Kämpfe hat sie dort aber auch über ihre Erlebnisse viel gelernt. „Man boxt jetzt mehr mit dem Kopf. Wenn du jung bist, gehst du einfach rein und drauf. Jetzt geht es mehr um Taktik und Erfahrung“, beschreibt sie ihre Entwicklung des sogenannten Ring IQ.
Das Ergebnis der harten Arbeit soll am 8. März in Brčko, Bosnien, zu sehen sein. Passend zum Weltfrauentag steigt Hanson dort in den Ring. Ihre Gegnerin ist die Kolumbianerin Flor Rodriguez. Der Kampf geht dieses Mal nicht über sechs, sondern acht Runden, auch wenn die Halb-Amerikanerin nichts dagegen hätte, ihn früher zu beenden.: „Wenn es ein K.o. wird, umso besser.“ Nach der langen Pause im Vorjahr geht es aber hauptsächlich darum, Ringpraxis zu sammeln, um für die ganz großen Aufgaben bereit zu sein.
Denn Hansons Ambitionen sind ungebrochen. In der Weltrangliste des großen Verbandes WBA wird sie aktuell bereits auf Platz 7 geführt. Die großen Titelkämpfe gegen Namen wie Amanda Serrano und Tiara Brown sind das auserkorene Ziel, doch im Boxen mahlen die Mühlen oft langsam. „Die großen Verbände sind voll, die Gürtel vergeben“, weiß Hanson realistisch. Umso wichtiger ist es, präsent zu bleiben und Siege zu liefern: „Wer nicht boxt, wird vergessen.“
Hanson ihr Leben komplett umgekrempelt
Um diese Ziele zu erreichen, hat Hanson ihr Leben komplett umgekrempelt. Die Zeiten, in denen sie zwischen Training und Schichtdienst im Restaurant pendeln musste, sind vorbei. Dank neuer Sponsoren, allen voran dem V.M.P. Vermögensmanagement, kann sie sich nun zu 100 Prozent auf den Sport konzentrieren. „Das ist ein riesiges Privileg, aber auch eine neue Verantwortung“, sagt sie. Nebenbei treibt sie diszipliniert ihr Studium der Fitnessökonomie voran – die Bachelorarbeit steht an.
Für Ablenkungen bleibt da kaum Raum. Während andere in ihrem Alter Dating-Apps nutzen oder das Wochenende planen, bleibt Hanson fokussiert. „Ich habe gar nicht die Zeit für ein klassisches Privatleben. Ich mal bin drei Wochen in England, dann wieder weg und trainiere mehrfach am Tag“, erklärt sie lachend. Ein Partner müsste viel Verständnis für diesen Rhythmus aufbringen. Doch das stört „Pepper“ aktuell wenig. Ihre große Liebe bleibt vorerst der Ring – und das nächste Date wartet am 8. März in Bosnien.
Lesen Sie auch: Cheyenne „Pepper“ Hanson: Comeback mit Ansage


