Damit hatte in dieser Deutlichkeit kaum jemand gerechnet: Florian Freund (SPD) entthront in der Stichwahl die amtierende Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) mit Damit hatte in dieser Deutlichkeit kaum jemand gerechnet: Florian Freund (SPD) entthront in der Stichwahl die amtierende Oberbürgermeisterin Eva Weberklaren 56,58 Prozent der Stimmen. Der Amtsbonus verpuffte, Augsburg steht vor einem spürbaren politischen Richtungswechsel.
Eine Wechselstimmung lag zwar in der Luft, doch dass das Votum der Augsburgerinnen und Augsburger derart eindeutig ausfallen würde, überraschte am Wahlabend selbst erfahrene Beobachter. Florian Freund verwies Amtsinhaberin Eva Weber auf die Plätze und fügte der CSU eine denkwürdige Niederlage zu. Seine erste Reaktion auf der städtischen Wahlparty im Moritzsaal war unmissverständlich: Er werde „Augsburg wieder in Ordnung bringen“.
CSU-interner Frust und offene Kritik
Während bei der SPD der Jubel grenzenlos war, herrschte bei der CSU Katerstimmung. Bezirksvorsitzender Volker Ullrich trat bereits vor die Kameras, als erst knapp mehr als die Hälfte der Wahlbezirke ausgezählt war, und fand deutliche Worte: „Letztlich hat Eva Weber diese Wahl verloren.“ Er bemängelte ein fehlendes Vertrauen der Wählerschaft in Webers Fähigkeit, stockende Projekte zu Ende zu bringen. Auch die schwarz-grüne Koalition habe geschadet – dafür habe man „die Quittung bekommen“.
Tatsächlich stieß das Bündnis mit den Grünen vielen an der CSU-Basis schon länger sauer auf. Großprojekte wie das immer teurer werdende Staatstheater mit seinem Architektenwechsel boten der SPD im Wahlkampf zudem ideale Angriffsflächen, um den Eindruck eines politischen Stillstands in Augsburg zu vermitteln.
Geringe Wahlbeteiligung und trügerische Sicherheit
Eva Weber zeigte sich am Abend äußerlich gefasst. Sie betonte die hohe Lebensqualität und die wirtschaftliche Stärke der Stadt, gestand aber ein, dass diese Erfolge bei der Wählerschaft offenbar nicht verfangen hätten. Einen maßgeblichen Grund für ihre Niederlage sah sie in der extrem niedrigen Wahlbeteiligung von lediglich 36,99 Prozent. Nach ihrem komfortablen Vorsprung von 14 Prozent im ersten Wahlgang hätten sich wohl viele ihrer Anhänger in trügerischer Sicherheit gewogen und den Gang zur Urne gescheut.
Florian Freund widersprach dieser Analyse nicht, sah aber tiefere Gründe für seinen Sieg: „Die Menschen haben gemerkt, dass die Stadt an vielen Stellen nicht mehr so gut funktioniert wie noch vor sechs Jahren.“ Das CSU-Narrativ vom „besten Augsburg aller Zeiten“ habe viele Bürgerinnen und Bürger eher verärgert.
Ein politisches „Experiment“ für Augsburg
Mit dem Machtwechsel im Rathaus steht die Stadtkultur vor einem Umbruch. Obwohl die CSU stärkste und die Grünen zweitstärkste Kraft im Stadtrat bleiben, stellt nun die SPD für die kommenden sechs Jahre den Rathauschef.
Freund kündigte an, keine feste Koalition mit „Wagenburgmentalität“ bilden zu wollen. Stattdessen plant er ein politisches „Experiment“: Zwar strebt er ein Kernbündnis an, um den Haushalt zu sichern und Referentenposten zu besetzen, ansonsten will er aber auf wechselnde Mehrheiten setzen und wieder mehr offene Diskussionen im Stadtrat zulassen.
Inhaltlich hat der Verwaltungsfachwirt klare Prioritäten gesetzt: Er will den Wohnungsmarkt entspannen, den Nahverkehr neu aufstellen, die Ansiedlung von Großunternehmen fördern und die Verwaltung motivieren. Auch das im Wahlkampf viel diskutierte Thema Uniklinik steht weit oben auf seiner Agenda. Augsburg darf sich auf spannende politische Zeiten einstellen.
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