Start Kunst & Szene „Europa braucht mehr Fuggerei!“

„Europa braucht mehr Fuggerei!“

Ursula von der Leyen will Patenschaft für Wiederaufbau der Ukraine

Europa kann von Augsburg lernen“, ist EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen sicher. Als Ehrengast hielt sie die Festrede bei der zweitägigen Eröffnungsveranstaltung zum 500-jährigen Jubiläum der Fuggerei in Augsburg, die am 23. August 1721 von „Handelsherr“ Jakob Fugger für arme Menschen gestiftet wurde, damit die älteste Sozialsiedlung der Welt ist und längst als Aushängeschild und Wahrzeichen Augsburgs gilt.
Mit dem jetzt gefeierten Zukunftsprojekt „Fuggerei Next 500“, dessen spektakulärer Holz-Pavillon schon seit Monaten auf dem Rathausplatz für neugierige Blicke sorgt, will die Fugger-Familie nicht nur stolz zurückschauen, sondern nach vorne schauen. Symbol und Spielort dafür ist der Bau aus Fichtenholz, der natürlich aus dem Fuggerwald stammt und dessen Konstruktion übrigens ganz ohne Nägel auskommt.
Entworfen hat ihn Architekt Jacob van Rijs und sein Team aus Rotterdam. Beim Festakt gab er einen Einblick in die Entstehungsgeschichte: „Es wurde ein Element aus der Siedlung herausgenommen und auf dem Rathausplatz sichtbar gemacht, hier kann in die Geschichte, aber auch in die Zukunft eingetaucht werden.“
Die kommenden fünf Wochen darf jeder kostenlos rein – täglich von 10 bis 22 Uhr. Es gibt viele Workshops und Events, aber auch eine Bar – inhaltlich dreht sich alles um ein halbes Jahrtausend Stiftertum und die Frage, wie dieses soziale Engagement in die Moderne geführt werden kann.
„Das, was Sie hier leben, in der Fuggerei, die soziale Komponente – das ist die Grundlage sozialer Marktwirtschaft. Nachhaltigkeit und Soziales wird hier im Kleinen großartig gelebt“, so Ursula von der Leyen, die auch den Krieg in der Ukraine zum Thema machte. Sie berichtete von schlimmen Erlebnissen in Kiew und mahnte, dass alles getan werden müsse, „um sich gegen diesen blind wütenden Aggressor zur Wehr zu setzen.“
Bereits jetzt sei sie regelmäßig mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kontakt, um mit ihm den Wiederaufbau des Landes in der Nachkriegszeit zu besprechen, auch und gerade während die Zerstörung noch andauere. Da könnten die Fugger mit ihrer über 500-jährigen Erfahrung helfen, meinte Ursula von der Leyen und wünschte sich spontan von Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen eine „Patenschaft“ der Fuggerei für den Wiederaufbau in der Ukraine. „Wenn ich am Sonntag (8.Mai) wieder mit Selenskyj telefoniere, würde ich ihm diesbezüglich gern eine positive Nachricht übermitteln“, so von der Leyen in einer abschließenden Talk-Runde, die von Moderator Roman Roell des Medienpartners BR moderiert wurde. „Wir brauchen Sie“, appellierte sie direkt an den Senioratsvorsitzenden, der versprach „sehr gerne zu unterstützen.“
Dazu passt die Idee, die über allem schwebt: Das Prinzip Lichtblick und Hoffnung der Fuggerei in die Welt zu tragen. Die ersten Fuggereien sollen in Litauen und Sierra Leone entstehen.

Von Marion Buk-Kluger &
Anja Marks-Schilffarth

 

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