2026 beginnt für Augsburg – wie für viele andere Kommunen auch – mit vielen offenen Fragen, Geldsorgen – und natürlich wirft die Wahl im März ihre Schatten voraus. Wir haben mit Oberbürgermeisterin Eva Weber nach vorne geschaut, nicht ohne den Blick zurück zu vergessen. 2025 hat unsere „Metropolregion“ schließlich ganz schön gefordert, wie die OB auch unumwunden zugibt. Doch trotz vieler Streitpunkte, Stockungen und Belastungen, die so ein Amt mit sich bringt, will sie unbedingt weitermachen. Hauptgrund: die Menschen in dieser Stadt, die ihr wichtig sind, weil sie an Augsburg glaubt. Ein Gespräch über Gegenwind, Verantwortung und den Wunsch, die nächsten Schritte gestalten zu dürfen. Das ganze Gespräch zum Nachhören findet ihr unten.
Wahljahr 2026
Ganz ehrlich – ich habe keine Zeit für Wahlkampfshow. Das machen andere. Wir sind einfach mittendrin in so vielen Themen, angefangen von der Baustelle am Staatstheater über den Tunnel unter dem Hauptbahnhof, den wir bis Ende 2026 – spätestens bis Mitte 2027 – fertigkriegen wollen. Dann die Sanierung unserer Schulen, dass wir bei der Verwaltungsdigitalisierung Vorreiter bleiben. Das sind alles Themen, die Führung bedeuten. Eine Stadt kennt keinen Wahlkampf, sondern möchte bearbeitet werden – und das ist meine oberste Priorität.
Erwartungen Bürgerschaft/OB – und umgekehrt
Von mir dürfen die Augsburger 1000-prozentigen Einsatz erwarten. Oberbürgermeisterin sein, das bedeutet, da sein an 365 Tagen im Jahr, sieben Tagen in der Woche, 24 Stunden am Tag. Sie dürfen erwarten, dass sie eine Oberbürgermeisterin haben, die sich mit voller Kraft und Lust auf Zukunft und auf Gestalten für die Stadt Augsburg und ihre Bürgerinnen und Bürger einsetzt. Das überträgt sich auch in die Stadtverwaltung, die ja auch ein großer Kosmos ist: fast 8000 Mitarbeitende, die auch gerade mitten in einem Kulturwandel drin sind, weil wir anders sein wollen, anders mit unseren Bürgerinnen und Bürgern umgehen wollen. Dieses Mindset ist mir sehr wichtig. Was ich mir von den Augsburgern wünsche, ist, dass sie sich einmischen und einbringen. Ich höre oft „die Stadt müsste mal“ – aber: Die Stadt, das sind wir alle. Insofern finde ich es immer super, wenn Menschen engagiert sind. Es geht nicht darum, dass sie meine Meinung teilen, sondern darum, dass eine aktive, lebendige Stadt von ihren Bürgerinnen und Bürgern lebt. Wenn alle ihr Scherflein dazu beitragen, bin ich fest überzeugt, bleibt Augsburg weiterhin eine super lebenswerte, liebenswerte Stadt – die glücklichste Stadt in Bayern eben!
Herausforderungen der Zukunft
Die Herausforderung für alle Kommunen wird in den nächsten Jahren vor allem das Thema Geld sein. Wir brauchen dringend Reformen auf allen Ebenen – von der Sozialstaatsreform bis zur berühmten Entbürokratisierung hier vor Ort. Augsburg hat kein Problem mit dem Selbstbewusstsein oder mangelndem Sexappeal – nur vielleicht ein Sichtbarkeitsproblem. Wir vergessen manchmal, dass Augsburg eine der sichersten Großstädte Deutschlands und die glücklichste Stadt Bayerns ist. Beim Digitalisierungsranking der Verwaltung sind wir Top eins, wir sind als Pilotkommune Vorbild für andere. Manchmal fehlt uns der Mut, die Stärken laut auszusprechen. Und diese Stärken kann ich fortspinnen. Das KI-Produktionsnetzwerk, die Hochschulen, die Universität – das alles hat sich in den letzten Jahren super entwickelt. Wir haben in den vergangenen Jahren über 320 Millionen Euro in unsere Schulen investiert und wollen das mit 50 Millionen Euro pro Jahr so fortführen. Die Innenstadt befindet sich in einer riesengroßen Transformation – wie überall. Zusammen mit den Stakeholdern haben wir ein Projekt aufgesetzt, um ein Bild und dann konkrete Umsetzungsschritte zu definieren, wie sich unsere Innenstadt entwickeln soll. Da brauchen wir ein großes Miteinander, Zuversicht und Lust auf Zukunft.
Jahresanfangszauber
Der Jahreswechsel ist ja immer eine Zeit der Rückschau und Vorausschau. Die Rückschau ist für mich vor allem geprägt von ganz viel Demut und Dankbarkeit. Und wenn ich ins Jahr 2026 schaue, dann schaue ich da mit sehr viel Zuversicht und einem „Let’s go“ hin.
Mit-OB-Bewerber
Grundsätzlich freue ich mich über jeden, der für sich entdeckt, dass so ein OB-Job spannend sein kann – und der sich auch politisch einbringen möchte. Aber es ist eben nicht so leicht, wie es von außen manchmal aussieht. Und da gibt es ganz spezielle Gruppierungen, die in Wahlkampfzeiten auftauchen. Da gibt es einmal die Fraktion „Einfach mal machen“, dann gibt es die Delegation „So schwer kann das doch nicht sein, oder?“ – und es gibt dann die dritte Gruppe, die „Man müsste doch nur“-Gruppe. Aber wer eine Stadt führt, weiß um die enorme Verantwortung, wenn man „im Maschinenraum“ sitzt. Manchmal ist die Realität auch ganz schön hart. Das versteht man aber wirklich erst, wenn man Verantwortung trägt.
Ärger
Natürlich ärgere ich mich über manche Dinge. Manche politischen Gegner stellen ja permanent Dinge ins Schaufenster, um die Stadt schlechtzureden und ihre Vorwürfe entsprechend groß wirken zu lassen. Das ist eben Wahlkampf, aber die Augsburgerinnen und Augsburger sind da meines Erachtens differenzierter und klüger, als so manche Politiker glauben. Vor Weihnachten hat mich die Diskussion um die Poller am Christkindlesmarkt geärgert. Für mich war die oberste Prämisse: Wir möchten einen Christkindlesmarkt haben. Nach den Attentaten in Berlin oder in Magdeburg, wo es 19 Tote und Hunderte Verletzte gab, oder auch bei der ver.di Kundgebung in München war einfach klar, dass wir uns vor solchen Überfahrttaten schützen müssen. Deswegen haben wir ein sehr umfassendes Sicherheitskonzept auf die Beine gestellt, das genau das möglich machte: einerseits mit der Straßenbahn zum Christkindlesmarkt fahren zu können und nicht das gesamte Straßenbahnnetz lahmzulegen, zum anderen aber auch maximale Sicherheit für die Menschen zu gewährleisten. Und Sicherheit muss sichtbar sein. Das ist wichtig, das erwarten die Menschen auch, und genau das ist meine Verantwortung. Augsburg gehört seit Jahren zu den sichersten Großstädten Deutschlands. Und wir wissen leider: Das ist kein Selbstläufer. Wer Verantwortung trägt, muss eben auch diese Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, auch wenn man dafür vielleicht nicht unbedingt Applaus bekommt. Insofern bin ich da Anhängerin der Fraktion „Haltung statt Hashtag“.
Gilt weiterhin: „keine Fehler bei Theaterbaustelle“?
Diese Aussage habe ich in Zusammenhang mit der Erhöhung des Kostenrahmens im Sommer 2024 getätigt, der aufgrund von Inflation und steigenden Baupreisen geschehen ist, nicht aufgrund einer fehlerhaften Planung. Deswegen hat diese Aussage Gültigkeit. Außerdem haben wir in Deutschland eine sehr besondere Beziehung zu Fehlern. Gerade in der Politik dreht es sich darum: Fehler zu suchen, zu markieren und zu beklagen. Aber Fehlervermeidung als Prinzip fixiert uns auf das Destruktive. Das hemmt uns. Führung heißt nicht, perfekt und fehlerfrei zu sein, es heißt Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Wenn es vielleicht nur die zweitbeste Lösung war, dann muss man daraus lernen und die nächste besser machen.
Wann wieder Opernball-Walzer?
Ich habe André Bücker schon gesagt, dass dieser Opernball für mich gesetzt ist – das war immer wunderschön. Ich hoffe sehr, dass wir das neue Haus Ende 2029 mit dem großen Haus übergeben können. Wir fahren also allmählich wirklich auf Sicht. Vor einigen Wochen hat mir André Bücker gesagt, dass das Theater jetzt im Wirtschaftsplan – da sind ja auch immer schon einige Folgejahre integriert – anfängt, den Umzug zu planen. Allein daran merkt man, wie sehr die Vorfreude wächst: bei der Theatercrew, aber auch bei allen, die mit dieser Baustelle beschäftigt sind. Und natürlich bei ganz vielen Augsburgerinnen und Augsburgern, die sich schon sehr auf dieses Staatstheater freuen.
Keinen „Plan B“, weil …
Herz, Haltung und Hightech sind meine Leitlinien. Beim Thema Hightech geht es mir darum, dass der Standort wirtschaftlich stark bleibt. Zum einen unser Produktionsnetzwerk, zu dem inzwischen 700 Unternehmen mit 400 Millionen Euro Förderung zählen. Zum anderen alle Entwicklungen rund ums Uniklinikum, wo wirtschaftliches Potenzial generieren können. Haltung heißt, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, Verantwortung übernehmen – gerade auch bei der Sicherheit oder großen Bauprojekten, wo bei unbequemen Entscheidungen nicht alle sofort sagen: Das hat sie jetzt aber super gemacht! Sondern wo erstmal Kritik kommt. Verantwortung heißt führen, nicht wegducken. Beim Thema Herz geht es mir vor allem um Politik für die Menschen: um sanierte Schulen, eine funktionierende Stadtfamilie, soziale Angebote in der Stadt, starke Quartiere – weil damit Augsburg in seiner Gemeinschaft auch stark wird. Das alles ist mein Plan A – und den verfolge ich mit großer Zuversicht und Freude. Und deswegen brauche ich auch keinen Plan B.
Signature Projekt – ohne Zeit- und Geldbudget?
Eindeutig: die Schulen fit zu machen. Jedes Kind hat nur einmal eine Schulzeit und jedes Kind verdient, dass diese Schulzeit gut verläuft und unter den besten Bedingungen. Unsere wichtigste Ressource ist Bildung und Wissen.
Was lockt Investoren 2026?
Eine Verwaltung, die offen ist und Strukturen aufgebaut hat, sodass Dinge schnell umgesetzt werden können. Angefangen von der voll digitalisierten Bauverwaltung im Bauordnungsamt, in dem derzeit auch eine Erprobungsphase zum Einsatz künstlicher Intelligenz läuft, um Genehmigungszeiten zu verringern; bis hin zur Ansprechbarkeit der OB – für Sorgen von Unternehmern, egal wie groß die Firma ist. Dazu ein super Wirtschaftsreferat und eine tolle, bestens vernetzte Wirtschaftsförderung.
Hier das ganze Gespräch hören
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