Neuzugang Yannik Keitel spricht im Interview mit dem Augsburg Journal über seinen Wechsel zum FC Augsburg, seine Rolle in der Mannschaft und seine ungewöhnliche WG mit Michael Gregoritsch.
Augsburg Journal: Herr Keitel, herzlich willkommen in Augsburg. Wie kam der Wechsel zustande? Wussten Sie schon länger, dass Sie im Winter weg wollen?
Yannik Keitel: Es war eigentlich relativ früh klar. Schon im Sommer wurde mir in Stuttgart kommuniziert, dass ich in den Planungen keine große Rolle mehr spiele. Das war allerdings erst zwei Wochen vor Transferschluss, deshalb war es schwierig, so kurzfristig die passende Option zu finden. Also haben wir entschieden: Ich ziehe das halbe Jahr voll durch und wir schauen im Winter.
Yannik Keitel: „Vom ersten Moment an habe ich mich total wohlgefühlt“
AJ: Und dann kam der FCA. Wie waren Ihre ersten Eindrücke vom Club in den ersten Wochen? Wie wurden Sie aufgenommen?
Keitel: Super, wirklich super. Vom ersten Moment an habe ich mich total wohlgefühlt. Das fängt bei den Verantwortlichen an: Die Gespräche waren total offen und hatten eine tolle Atmosphäre. Und die Mannschaft hat mich auch super aufgenommen. Dass ich mit Michael Gregoritsch jemanden aus Freiburg kannte und auch ein paar andere Jungs, hat es natürlich vereinfacht. Es hat von Anfang an sehr viel Spaß gemacht.
AJ: Sie haben in Freiburg gespielt, dann in Stuttgart, jetzt Augsburg. Es geht für Sie immer weiter in den Süden…
Keitel: (lacht) Der Süden gefällt mir, das ist gar nicht so schlecht. Da muss man sich nicht groß akklimatisieren.
AJ: Haben Sie denn schon eine Bleibe gefunden?
Keitel: Ja, tatsächlich! Und das ist ziemlich witzig: Ich wohne jetzt im selben Haus wie Michael Gregoritsch. Er wohnt im dritten Stock, ich im ersten. Wir sind über die Jahre enge Freunde geworden, waren jetzt nach unseren Wechseln auch zusammen im Hotel und verbringen viel Zeit miteinander.
AJ: Vom Schwarzwald ins Schwabenland: Haben Sie sich kulinarisch schon angepasst? Haben Sie schon Zwetschgendatschi probiert?
Keitel: Datschi noch nicht, aber ich war schon viel essen. Da ich aktuell noch keine Küche habe, habe ich mich querbeet durchprobiert – von Asiatisch bis hin zu Burgern und Steaks.
AJ: Sie sagen, Sie haben noch keine Küche. Kochen Sie denn gerne selbst?
Keitel: Sehr gerne sogar. Ich mache gerne Currys oder Zucchini-Feta-Puffer. Zuhause esse ich oft vegetarisch, auch wenn ich kein Vegetarier bin.
Harte Phase in der Hinrunde in Stuttgart
AJ: Kommen wir zum Sportlichen. Sie haben beim VfB Stuttgart in der Hinrunde praktisch keine Rolle gespielt. Wie schwer war das für den Kopf?
Keitel: Das ist echt nicht ohne. Man muss sich Training für Training neu motivieren, obwohl man weiß: Am Wochenende bin ich wahrscheinlich wieder nicht dabei. Besonders am Anfang war es hart, Woche für Woche draußen zu sitzen. Meine Freundin und meine Familie haben mich da super unterstützt. Ich habe gelernt, das Ziel – den Wechsel im Winter – fest vor Augen zu haben. Umso schöner ist es jetzt, hier zu sein.
AJ: Sie sind als Leihspieler hier, der FCA besitzt eine Kaufoption. Können Sie sich vorstellen, länger zu bleiben?
Keitel: Sehr gut sogar. Die ersten Wochen haben extrem viel Spaß gemacht. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, wieder diese Wertschätzung zu bekommen, die mir zuletzt gefehlt hat. Von mir aus also sehr gerne.
AJ: Auf dem Platz haben Sie im ersten Spiel direkt in der Innenverteidigung ausgeholfen, sind aber eigentlich ein „Sechser“. Wo fühlen Sie sich wohler?
Keitel: Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl. Ursprünglich bin ich Sechser, aber ich habe schon in Freiburg und Stuttgart ab und zu hinten drin gespielt. Man muss etwas umdenken: Als Sechser kann man eher mal defensiv herausstechen und auf Balleroberung gehen, als Innenverteidiger muss man die Tiefe sichern. Aber das macht mir beides Spaß. Ich bin zweikampfstark, scheue mich vor nichts und grätsche auch gerne mal rein.
AJ: Welche Stärken wollen Sie konkret auf dem Platz einbringen?
Keitel: Ich mag das weiträumige Spiel, auch über lange Bälle in die Tiefe. Aber ich bin auch zweikampfstark. Ich scheue mich vor keinem Duell, da werfe ich mich gerne rein und versuche einfach, der Mannschaft mit meiner Präsenz auf dem Platz zu helfen.
„Ich bin einer, der ruhig mal den Mund aufmacht“
AJ: Sie sind jetzt schon länger in der Bundesliga dabei. Haben Sie den Anspruch, voranzugehen und eine Führungsrolle zu übernehmen?
Keitel: Ja schon, gern. Ich bin auch einer, der ruhig mal den Mund aufmacht – auch im Training oder auf dem Platz. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir allgemein noch mehr miteinander reden. Wenn ich da eine Führungsrolle einnehmen kann, mache ich das sehr gerne.
AJ: Nach dem Spiel gegen die Bayern kommen nun die entscheidenden Wochen mit Gegnern wie St. Pauli, Heidenheim und Mainz. Worauf wird es ankommen?
Keitel: Wir müssen den Kampf annehmen. Diese Vereine werden Vollgas geben, und wir müssen versuchen, sie „aufzufressen“. Das muss unser Mantra sein. Kicken können wir, wir haben richtig gute Spieler. Aber die Basis ist, voll dagegenzuhalten. Wenn der Knoten mal platzt, kann auch ein Lauf entstehen.
AJ: Manuel Baum hat das Traineramt übernommen. Wie nehmen Sie ihn wahr?
Keitel: Er ist ein sehr ruhiger Mensch, der uns den oft komplexen Fußball sehr einfach erklärt. Er gibt uns ein Grundgerüst an die Hand, an dem wir uns festhalten können. Der Ansatz gefällt mir, er kommuniziert viel mit uns Spielern. Man merkt, dass sich da gerade ein echter Teamgeist entwickelt.
„Mein Ziel ist es, Stammspieler in der Bundesliga zu sein“
AJ: Wenn Sie mal fünf oder zehn Jahre in die Zukunft schauen: Welche Ziele haben Sie für Ihre Karriere? Gibt es Titel, die Sie unbedingt holen wollen?
Keitel: Ich habe mich irgendwann ein bisschen davon gelöst. Mein Ziel ist es einfach, Stammspieler in der Bundesliga zu sein. Ich bin keiner, der sagt: Ich muss unbedingt diesen Titel schaffen. Das ergibt sich eher daraus, wenn man Stammspieler ist, Wertschätzung bekommt und einen echten Teamspirit entwickelt. Das ist mir am wichtigsten: dass man zusammenhält. Denn daraus können große Dinge entstehen.
AJ: Zum Abschluss noch mal privat: Wenn Sie nicht auf dem Platz stehen oder mit „Gregerl“ im Hausflur quatschen, was machen Sie dann?
Keitel: Ich studiere nebenher Sportmanagement im Fernstudium. Ansonsten trinke ich gerne Kaffee oder lerne Italienisch. Meine Freundin ist Halb-Italienerin, da muss ich dranbleiben (lacht). Und ich habe zwei Katzen.
AJ: Die sind bestimmt froh, wenn die Küche endlich steht und der Umzug durch ist.
Keitel: Absolut. Aktuell sind sie noch bei meinen Eltern, aber sobald ich richtig eingezogen bin, hole ich sie nach.
Interview: Johannes Kaiser
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