Start News G´schicht´n, wie sie nur die „Brez‘n“ schreibt

G´schicht´n, wie sie nur die „Brez‘n“ schreibt

Die Türen sind noch geschlossen, trotzdem steht schon der erste Stammgast vor der Tür von Augsburgs Kultkneipe „Zur Brez‘n“. „Ich muss mit‘m Chris sprechen“, sagt der Gast. Chris Korte ist seit vier Jahren der Inhaber der bekannten Bar, die bereits im Jahr 1959 – damals noch als Backstube – zum ersten Mal ihre Türen öffnete. Für seine Gäste ist der 57-Jährige aber viel mehr als das. Mal ist er einfach nur ein Gesprächspartner, mal Autoritätsperson, das ein oder andere Mal ist er sogar ein richtiger Kummerkasten und der Freund in der Not. Was er jedoch immer ist: gut gelaunt und herzlich zu jedem. Im Gespräch mit dem Augsburg Journal erzählt er von seinen Erfahrungen hinter und vor der Theke und erinnert sich an die bisher spannendsten Erlebnisse in der Nacht-Gastro zurück.

„Schön, dass du in der Brez‘n bist!“ – Diesen Willkommensgruß lesen Gäste bereits am Eingang der kultigen Bar.


„Ich als Menschenfreund bin hier einfach gut aufgehoben“, sagt Korte. Mit einem Glas Rotwein sitzt er an der Theke seiner Brez‘n und lässt den Blick über sein ganz persönliches Stück Augsburger Kulturgut schweifen. „Ich bin der Gastgeber hier, also begrüße ich auch jeden, der reinkommt persönlich“, fügt er noch hinzu. Vor allem schöne Geschichten freuen ihn. „Hier haben sich schon Leute kennengelernt, die danach ein Leben lang zusammengeblieben sind“. Aber nicht nur von herzlichen Gesprächen kann der bekannte Augsburger berichten. Auch die ein oder andere skurrile Situation begleitet seinen Arbeitsalltag. „Einmal habe ich eine Jeans inklusive Unterhose auf der Toilette gefunden“, verrät er lachend „Ich habe dann nach einem nackten Mann in meiner Kneipe gesucht, aber der war wohl schon weg“. Schnell wird bei dem Gespräch klar, dass Korte über eine große Portion Humor und Lebenslust verfügt. Vermutlich ist das essenziell, wenn man in der Nacht-Gastro arbeitet.


Manchmal sind verrückte Erlebnisse dabei auch von ihm selbst initiiert. „Wir hatten hier mal einen Life-Tätowierer, der bei laufendem Betrieb auf der Theke die Gäste tätowiert hat.“ Insgesamt drei Leute tragen mittlerweile das Brez‘n-Logo permanent auf ihrem Körper. Korte selbst wartet da lieber noch ein wenig ab. „Vielleicht kommt irgendwann mal nur der Brez‘n_Schriftzug, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher“, erklärt er. Nicht nur als Tattoos wandert das von seiner Ehefrau Simone gestaltete Logo durch die Welt. „In der Hamburger Ritze (bekannte Bar auf der Reeperbahn Anm.d.Red.) kleben Brez‘n-Aufkleber und in meiner Stammkneipe auf Teneriffa auch“, sagt Korte stolz.

Generell kann der Barbetreiber die Arbeit in der Gastro-Branche jedem ans Herz legen: „Du lernst fürs Leben, wenn du hinter der Theke arbeitest. Man hat alle Facetten. Deeskalation, wenn es mal Stress gibt, höflicher Umgang mit Kunden und Kontakt mit Menschen, man lernt so viel!“ Dass auch seine Gäste eine bunte Mischung aus verschiedensten Persönlichkeiten sind, freut ihn sichtlich. „Hier darf jeder rein, der sein Herz am rechten Fleck hat. Mir ist vollkommen egal, ob Promi oder Obdachloser“. Vielleicht ist es genau das, was die Brez‘n zu so einem besonderen Ort macht. Einfach ein Platz, an dem jeder sich willkommen fühlt. Wie lange Chris Korte seine Kneipe noch führen will? Das kann er ganz klar sagen: „Ich hab immer schon gesagt, wenn ich die Brez‘n einmal habe, geb ich sie nicht mehr her!“

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