5 C
Augsburg
Samstag, 21. März 2026

Diese Augsburger Promis sind draußen – offenes Rennen um die Macht im Rathaus

Must read

Wahlabende werden meist in Prozenten erzählt. Parteien gewinnen oder verlieren, Mandate wandern von einer Fraktion zur anderen. Doch hinter diesen nüchternen Zahlen stehen Menschen, die monatelang gekämpft, Plakate aufgehängt und auf Stimmen gehofft haben – und die am Ende im großen Zahlenspiel der Kommunalwahl keinen Platz im Stadtrat finden.

Besonders deutlich zeigt sich das bei der CSU, die gegenüber der letzten Wahl mehrere Sitze verliert. Für fünf Kandidatinnen und Kandidaten bedeutet das konkret: Sie hätten bei einem Ergebnis wie 2020 noch ein Mandat erhalten – diesmal reicht es nicht mehr. Hella Gerber, Verena Hölzle, Prof. Elke Hertig, Wolfgang Hübschle und Philipp Huber bleiben trotz beachtlicher Stimmenzahlen ohne Stadtratssitz. Auch bei den Grünen, die Mandate einbüßen, bekommen die Verluste ein Gesicht. DAS Urgestein der Partei Claudia Roth, Josef Kirchmeir und Christine Kamm liegen in der internen Stimmenreihung nur knapp hinter den Gewählten – und wären bei einem stärkeren Ergebnis ihrer Partei ebenfalls noch in das Rathaus eingezogen.

Ratswahl: ins Abseits panaschiert

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der SPD. Dort verpasst Birgit Ritter den Einzug, weil die Partei einen Sitz weniger erhält als bei der letzten Wahl. Und auch bei der ÖDP schlägt der Verlust eines Mandats unmittelbar auf eine Person durch: Maria Brandenstein wäre bei zwei Sitzen erneut im Stadtrat vertreten gewesen.

Doch nicht nur Parteiverluste entscheiden über politische Karrieren. Die Kommunalwahl in Bayern erlaubt es den Wählern, Kandidaten gezielt nach vorne oder hinten zu wählen. Diese Dynamik des Panaschierens und Kumulierens hat in Augsburg mehrere Listen kräftig durcheinandergewirbelt – und weitere Hoffnungen zunichte gemacht. Bei der CSU traf es etwa Chico Pittman und Horst Hinterbrandner, die innerhalb der Liste von Kandidaten hinter ihnen überholt wurden. Auch Verena Hölzle, Wolfgang Hübschle und Prof. Elke Hertig rutschten im Stimmenranking weiter nach hinten, als es ihre ursprünglichen Listenplätze vermuten ließen.

Bei den Freien Wählern verloren Raluca Sandner und Ex-AZ-Vizechefredakteur und Vize-Regierungssprecher Jürgen Marks den Anschluss an die vorderen Plätze, nachdem andere Kandidaten stärker kumuliert wurden. Bei der AfD wurde Krassimir Krastev innerhalb der Liste nach hinten gedrängt. Auch die SPD blieb von solchen Verschiebungen nicht verschont: Robert Kratzsch, Christine Wilholm und Birgit Ritter wurden in der internen Reihenfolge überholt. Und bei Generation AUX traf es den bekannten Gastronom Christoph Steinle.

Viele Wege zur Mehrheit im neuen Stadtrat

Nach der nun vollständig ausgezählten Stadtratswahl wird die Mehrheitsbildung im Augsburger Rathaus anspruchsvoll. Für eine Mehrheit sind mindestens 31 der 60 Sitze nötig – und nachdem die in Teilen rechtsextreme AfD als Partner für keine Partei in Frage kommt, wird die Suche nach stabilen Bündnissen entsprechend komplex.

Die CSU bleibt mit 15 Sitzen stärkste Kraft. Dahinter folgen die Grünen mit 11 Sitzen, SPD und AfD mit jeweils 8 Sitzen, die Linke mit 5 Sitzen sowie die Freien Wähler mit 4 Sitzen. Drei Sitze gehen an Generation AUX. Je einen Vertreter, eine Vertreterin in den neuen Stadtrat entsenden zudem „Augsburg in Bürgerhand“, „Die Partei“, FDP/Pro Augsburg, ÖDP, V-3-Partei und Volt. Als einzige der 14 angetretenen Parteien und Gruppierungen nicht im neuen Augsburger Stadtrat vertreten sein wird „Wir sind Augsburg (WSA)“.

Als rechnerisch naheliegend gilt eine Kooperation aus CSU, Grünen und SPD, die gemeinsam auf 34 Sitze käme (plus die Stimme von OB Eva Weber oder Florian Freund). Ebenfalls möglich wäre ein Bündnis aus CSU, Grünen, Freien Wählern und Generation AUX, das zusammen 33 Sitze erreichen würde. Auch breitere Varianten mit mehreren kleineren Gruppierungen könnten eine Mehrheit bilden.

Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden stärksten Fraktionen auch im neuen Stadtrat eine Rolle spielen könnte

Gleichzeitig war im Wahlkampf zu beobachten, dass Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) und Martina Wild (Grüne) grundsätzlich Einigkeit demonstrierten und immer wieder betonten, wie gut man zusammenarbeite. Das nährt zumindest die Erwartung, dass eine Zusammenarbeit zwischen den beiden stärksten Fraktionen auch im neuen Stadtrat eine Rolle spielen könnte – in welcher Form auch immer.

Der SPD-OB-Kandidat Florian Freund sieht die Diskussion über feste Bündnisse dagegen zurückhaltend. Im Gespräch mit unserer Redaktion verwies er auf sein politisches Vorbild, den früheren Nürnberger Oberbürgermeister Uli Maly, der ohne klassische Koalitionsverträge arbeitete: Wichtige Personalentscheidungen und der Haushalt würden gemeinsam getragen, Sachfragen hingegen im Stadtrat ausgehandelt.
Fest steht damit vor allem eines: Der neue Stadtrat dürfte politisch bunter und fragmentierter sein als zuvor. Wie sich daraus am Ende stabile Mehrheiten ergeben, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Lesen Sie auch: „Schluss mit der Wagenburg-Mentalität“: Florian Freund fordert neuen Politikstil für Augsburg

- Advertisement -spot_img

More articles

- Advertisement -spot_img

Latest article