Wenn irgendwo von Wintereinbruch oder gar Schneechaos die Rede ist, reagiert Mario Borrelli (HMS Borelli) gelassen. Er lacht kurz und winkt ab. „2006 und 2009, das waren richtige Winter“, sagt der Chef des bekannten Augsburger Hausmeisterservice mit einem Augenzwinkern. „Was wir heute erleben, ist dagegen harmlos.“ Die Aufregung könne er nicht verstehen, aber nach vielen milden Jahren seien die Menschen schlicht nichts mehr gewohnt.
Für ihn und sein Team bedeutet Schnee vor allem eines: Arbeit. Eine Arbeit, die beginnt, wenn die meisten Augsburger längst schlafen. Schneit es, klingelt bei Borrelli um 2 Uhr nachts der Wecker. Dann werden Touren vorbereitet, Einsatzpläne abgestimmt, Mitarbeiter informiert. Eine Stunde später treffen sich alle an der Lagerhalle. Um 3 Uhr rollen die Fahrzeuge los, manchmal mehr als zwei Dutzend gleichzeitig. Fünf Stunden lang sind sie unterwegs, räumen Straßen, Wege und Zufahrten. Wenn die Stadt am Morgen erwacht, ist ihre Arbeit oft schon getan.
„Das Schönste ist der Blick in den Rückspiegel“, sagt Borrelli. Frisch geräumte Straßen, eine saubere Spur durch die verschneite Nacht. „Da sieht man sofort, was man geleistet hat.“ Seit 26 Jahren ist er im Wintereinsatz aktiv, und noch immer spürt man, wie sehr ihn dieser Moment erfüllt. „Das macht mir nach all den Jahren immer noch wahnsinnig Spaß.“
Romantisch ist dieser Job trotzdem nicht. Borrelli spricht offen darüber, wie hart die Einsätze sind. Kälte, Nässe, Zeitdruck, dazu die körperliche Belastung. „Das ist ein echter Knochenjob“, sagt er ohne Umschweife.
„Die richtige Kleidung sei wichtig“, sagt Mario Borrelli.
Umso wichtiger sei die richtige Kleidung. „Mütze und Handschuhe sind Pflicht, aber am wichtigsten sind wasserdichte Schuhe. Sobald die Füße nass sind, ist es vorbei.“ Ein Rat, der nicht nur für seine Mitarbeiter gilt, sondern auch für alle, die zu Hause selbst zur Schneeschaufel greifen.
Sorgen bereitet ihm vor allem der Blick in die Zukunft. Immer weniger Menschen seien bereit, für die Gemeinschaft richtig anzupacken. Nachwuchs zu finden werde schwieriger. Dabei gehe es nicht nur um einen Auftrag oder um Geld. „Das ist Arbeit für unsere Mitmenschen“, betont Borelli. „Man merkt erst, wie wichtig sie ist, wenn sie nicht gemacht wird.“ Nach Stunden im Schnee kehren die Fahrzeuge schließlich zurück. Die Gesichter sind gerötet, die Kleidung durchgefroren.
Dann folgt ein fester Bestandteil jedes Einsatzes. Heißer Kaffee und ein deftiges Weißwurstfrühstück. Diesmal besonders gemütlich, am Lagerfeuer. Ein kurzer Moment der Ruhe, bevor der Tag weitergeht. Borelli nutzt diese Gelegenheit auch für klare Worte. „Was unsere Mitarbeiter leisten, geht weit über einen normalen Einsatz hinaus“, sagt er. Dafür wünsche er sich mehr Respekt aus der Bevölkerung. „Manchmal täte es gut, wenn der eine oder andere vom hohen Ross absteigt.“ Wenn sich das Räumen einmal verzögere, liege das nicht an Kaffeepausen oder Plaudereien. „Es ist die Witterung, die uns trotz aller Planung zurückwerfen kann. Und das Wetter können wir leider noch nicht beeinflussen.“
Nach dem Winterdienst ist für ihn und sein Team längst nicht Schluss. Dann beginnt der ganz normale Arbeitstag mit den Aufgaben, mit denen das Unternehmen gebucht wurde. Während andere ihren Morgenkaffee trinken, haben sie bereits eine lange Nacht hinter sich. Eine Nacht, die dafür sorgt, dass Augsburg einfach funktioniert, auch im Schnee.
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