Für die Augsburger Panther war es die erste Saison seit drei Jahren, die ohne Abstiegssorgen zu Ende gespielt werden konnte und mit 60 Punkten die beste Ausbeute seit vier Jahren. Ex-Keeper Markus Keller fand sich nach dem Ende seiner Profi-Karriere in neuer Rolle als Teammanager wieder, rückte für die letzten Partien aber noch einmal zurück in den Kader als Ersatzkeeper. Zum Ernstfall kam es nicht mehr, dennoch bot die Spielzeit genügend Gesprächsstoff. Im ausführlichen Interview mit dem Augsburg Journal spricht Keller darüber, wie er seine erste Saison in neuer Funktion erlebte, den frühen Klassenerhalt, das Karriereende von T.J. Trevelyan und vieles mehr.
Augsburg Journal: Herr Keller, die Saison ist für die Augsburger Panther gerade zu Ende gegangen. Normalerweise wäre das für Sie der Zeitpunkt, die Fanghandhandschuhe in die Ecke zu stellen und in den Urlaub zu fliegen. Wie sieht Ihr Alltag aktuell aus – herrscht jetzt erst einmal Ruhe?
Markus Keller: Ganz im Gegenteil. Für mich geht es eigentlich direkt nahtlos weiter. Während die Spieler in die Sommerpause verschwinden, beginnt für mich die intensivste Planungsphase. Wir müssen jetzt die Hotelblockungen für die kommende Saison festzurren, die Rückflüge für die Importspieler organisieren und uns bereits um Ausrüstungsbestellungen und die neue Fahrzeugflotte für das nächste Jahr kümmern. Von der Organisation der Auswärtsreisen über die Kabinenverpflegung bis hin zu sämtlichen Anmeldungen läuft momentan alles über meinen Schreibtisch. Das Telefon scheppert eigentlich durchgehend.
Viel gelernt von Duanne Moeser
AJ: Sie haben diesen Rollenwechsel vom Eis ins Management vollzogen. War diese Umstellung nach so vielen Jahren als Profi sehr schwierig für Sie?
Keller: Ich wusste ja schon seit längerem, dass dieser Weg für mich bereitsteht. Ich konnte die Abläufe bei meinem Vorgänger Duanne Moeser über die Jahre beobachten. Aber es ist dennoch etwas völlig anderes, wenn man die Verantwortung dann selbst trägt. Man sieht erst jetzt wirklich, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt. Inzwischen läuft es aber gut, auch wenn es Tage gibt, an denen einem aufgrund der schieren Menge an Aufgaben fast die Decke auf den Kopf fällt. Dennoch macht es riesigen Spaß, weiterhin so nah am Team zu sein.
AJ: Als Teammanager sind Sie das Mädchen für alles. Wie darf man sich das vorstellen – sind Sie für die Spieler rund um die Uhr erreichbar?
Keller: Zu Beginn habe ich das Handy nachts tatsächlich noch auf laut gelassen, aber das habe ich mir schnell abgewöhnt. Es gab Situationen, in denen man um Mitternacht Nachrichten wegen völlig belangloser Dinge bekam – etwa wegen Ticketanfragen für Verwandte oder Schlägerbestellungen. Jetzt bin ich nachts nur noch in Notfällen erreichbar.
AJ: In Ihrer Position betreuen Sie auch die Neuzugänge, die oft aus Nordamerika kommen. Gab es in Ihrem ersten Jahr kuriose Vorfälle, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Keller: Da gibt es einiges! Vor der Saison hatten wir Spieler, die an der Grenzkontrolle festgehalten wurden. Sie hatten kein Visum und kein Rückflugticket innerhalb der ersten 90 Tage gebucht. Die Grenzbeamten wollten sie nicht einreisen lassen. Da sitzt man dann nachts am Telefon und versucht, den Beamten zu erklären, dass wir das Visum hier vor Ort beantragen.
Besonders amüsant war auch die Geschichte mit den Strafzetteln. Ein Spieler hatte in kürzester Zeit einige Knöllchen gesammelt, meist wegen Falschparkens, weil er das System mit den Parkscheiben nicht kannte. Er versicherte mir, er habe alles bezahlt. Als dann die Mahnungen kamen, schickte er mir einen Screenshot seiner Überweisung: Er hatte einfach die Gesamtsumme aller Strafzettel in einer einzigen Überweisung geschickt und als Verwendungszweck nur sein Kennzeichen angegeben. Das bei der Stadtverwaltung wieder aufzudröseln, war ein echtes Abenteuer.
Markus Keller: „Es war ein Schritt in die richtige Richtung“
AJ: Kommen wir zum Sportlichen. Die Panther haben die Saison auf Platz 11 beendet. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?
Keller: Es war definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Die Planungssicherheit, die wir im Vergleich zum Vorjahr hatten, war der entscheidende Faktor. Wir konnten bessere deutsche Spieler verpflichten und hatten wieder einen Trainer, der über die volle Distanz da war. Dennoch ist ein wenig Wehmut dabei: Mit der Qualität der Mannschaft wäre mehr drin gewesen als Platz 11. Wir hatten eine Phase, in der wir mit jedem Team der Liga mithalten konnten, aber am Ende fehlte uns die Konstanz. Wir haben auch zu viele Punkte in der Verlängerung liegen gelassen.
AJ: Ein schmerzhafter Abschied für die Fans ist das Karriereende von T.J. Trevelyan nach zwölf Jahren in Augsburg. Wie haben Sie seinen Abgang erlebt?
Keller: T.J. ist ein überragender Kerl. Wir haben elf Jahre zusammengespielt und waren lange Zeit Zimmerkollegen. Er ist jemand, der nie im Mittelpunkt stehen wollte, aber immer alles für das Team gegeben hat. Mit 42 Jahren ist das absolut beeindruckend, was er geleistet hat. Er wird dem Augsburger Eishockey in einer anderen Funktion erhalten bleiben. Solche Identifikationsfiguren brauchen wir.
AJ: Sie selbst standen in der Endphase der Saison plötzlich wieder im Kader, als dritter Torwart zur Absicherung. Hat es Sie da nicht noch einmal gereizt, selbst einzugreifen?
Keller: Wir hatten das intern abgesprochen, um den ganz jungen Torhütern den Druck zu nehmen, falls sich jemand verletzt. Außerdem wurde die beiden jungen Goalies auch in der U17 und U20 in der heißen Saisonphase gebraucht. Ich war dann bei einigen Spielen auf der Bank und im Training dabei. Aber ehrlich gesagt: Ich habe 25 Jahre Eishockey gespielt. Für mich war der Zeitpunkt zum Aufhören perfekt. Mir geht es körperlich gut und ich habe diesen Drang, unbedingt spielen zu müssen, nicht mehr.
Keller bleibt dem Eishockey auch in seiner Freizeit treu
AJ: Wie halten Sie sich heute fit? Man hört, Sie sind dem Eishockey zumindest auf Hobby-Ebene treu geblieben.
Keller: Absolut. Ich treibe immer noch fünfmal die Woche Sport. Einmal pro Woche spiele ich bei der Altherrenmannschaft der Woodstocks in Haun-stetten Hobby-Eishockey – allerdings als Feldspieler, nicht im Tor. Da geht es ohne Körperkontakt zur Sache, einfach nur zum Spaß. Auch Dennis Endras ist da dabei. Es ist ein schöner Ausgleich zum Büroalltag. Das Einzige, was ich wirklich vermisse, ist die Ehrenrunde nach einem Sieg mit meiner Tochter auf dem Eis. Das war immer ein sehr emotionaler Moment.
AJ: Abschließend ein Blick in die Zukunft: In Augsburg herrscht eine enorme Eishockey-Euphorie, das Stadion war fast jedes Mal ausverkauft. Was können die Fans für die kommende Spielzeit erwarten?
Keller: Der Support der Augsburger ist wahnsinnig, selbst in den schweren Jahren sind die Leute gekommen. Jetzt, wo es wieder bergauf geht, ist die Hütte eigentlich immer voll. Wir arbeiten hart daran, den Kader so zusammenzustellen, dass wir den nächsten Schritt machen. Die Planungssicherheit für die neue Saison ist so groß wie lange nicht mehr. Wir wollen wieder ein Team sein, das ernsthaft um die Playoffs mitspielt. Denn eines ist klar: Meine Tochter ist 2019 geboren und hat noch nie ein Playoff-Spiel der Panther gesehen. Es wird also langsam Zeit!
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