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Sonntag, 22. März 2026

Roland Leyer: Spiele mit dem Tod

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Er verbrennt nicht. Er ertrinkt nicht. Er überlebt Sprünge von hohen Brücken, klettert aus einem Riesenrad und fliegt mit dem Auto über die Düsseldorfer Kö. Seit 30 Jahren spielt Roland Leyer mit dem Tod. Immer, wenn es gefährlich für Schauspieler wird, tritt er auf. Sein Können wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Taurus World Stunt Award, dem „Oscar der Stuntszene“. Man kennt ihn aus „Der Clown“, „Alarm für Cobra 11“, „Wilde Engel“ und aus Produktionen für Disney plus, Netflix und Amazon Prime.

Der 60-jährige sprüht vor Lebensenergie und Abenteuerdrang. Seine Arbeit wirkt gefährlich und spektakulär, doch dahinter steckt Präzision. Jeder Trick wird geplant, geprobt und berechnet. Für das Restrisiko hat Roland ein Bauchgefühl entwickelt, das ihm sagt, wie weit er und sein Team gehen können.

„Ich weiß, es ist oft ein schmaler Grat zwischen einer sensationsorientierten Darstellung und der Wahrheit“, sagt er. „Mir ist wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, ich sei ‚bekloppt‘, setze mich in einen Wagen, fahre einfach drauflos und überlebe nur mit Glück. Von meinen vielen hundert Stunts liefen nur sehr wenige nicht wie vorgesehen. Man kann solche Fälle an einer Hand abzählen.“

Erlebnissammler Roland Leyer

Absolute Begeisterung für Geschwindigkeit erbte Roland von seinem Vater. Schon als Kind lernte er das Autofahren. Die Familie plante für ihn eine sichere Zukunft als Stahlbetonbauer. Doch er wollte mehr und wechselte in die Vermögensberatung, verdiente gut und fuhr teure Autos. „Das war ein gutes Leben, aber auch nicht meins“, stellte er fest.

Leyer wollte mehr Abenteuer und gründete ein Unternehmen für Mountainbike-, Rafting- und Trekkingreisen. Er führte Gruppen nach Korsika, an den Atlantik nach Portugal, nach Frankreich und in den Bayerischen Wald. Das war eine völlig andere Zeit für ihn: Berge, Natur, Touren planen und selbst mitfahren.

„Bis dahin hatte ich nie daran gedacht, Stuntman zu werden“, sagt Roland. „Eine Werbung im Fernsehen lockte mich zum Stuntman-Seminar nach Düsseldorf und so landete ich in einer Stuntman-Schule.“ Zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhielt er anschließend einen Einsatz bei „Alarm für Cobra 11“. Von da an ging es mit der Karriere steil bergauf. Seine Frau arbeitet auch im Stuntbereich und bis heute stehen sie oft gemeinsam am Set. Ein Hubschrauber kreist, plötzlich fällt jemand heraus – Roland. Zwei Autos krachen zusammen und explodieren – drinnen sitzt Roland. Ein Motorrad springt auf einen Transporter, der Biker ist Roland.

Der Stuntman ist ein unermüdlicher Unternehmer. Momentan führt Roland gleich zwei Firmen: „final moment Productions“, die spektakuläre Dreharbeiten ausführt, und „Wall Wonderprint“, die direkt vor Ort großflächige Wunschmotive an Wände druckt.
An Ruhestand denkt er nicht. Fit, voller Ideen und Energie, will Roland weiter aktiv bleiben. Selbst mit 80 Jahren kann er sich noch vorstellen, einen Stunt im Auto zu wagen.

Roland Leyer: Später gefundene Heimat

Roland gibt zu, dass Augsburg ihm zu klein war. Er lebte jahrelang in Köln und Berlin. Dagegen wirken „800 Meter Maximilianstraße, wo alles stattfindet, halt einfach eng“, betont er.

Er war erfolgreich und komplett ausgebucht, konnte sich überhaupt nicht vorstellen zurückzukehren. Doch als Corona kam, hatte er plötzlich keine Arbeit mehr. Eines Tages stieg er ins Auto und fuhr zurück nach Hause. Er wohnte im Hotel eines Freundes und half dort in der Küche aus.

Nach der Pandemie erlebte seine Branche einen Boom und es waren seine besten Jahre mit großen Produktionen, wie „Sam – Ein Sachse“ für Disney plus, „Das Signal“ für Netflix und „Deutschland 89“ für Amazon. Doch Roland blieb in Augsburg.

„Augsburg ist meine Heimat, das habe ich unterschätzt. Wenn ich hier bin, fühlt es sich nicht einsam an, auch wenn keiner da ist. Das hätte ich nie gedacht. Ich bin hier aufgewachsen. Das sitzt tiefer, als man glaubt. Nach dem ganzen Rumgesause ist dieses Zurückkommen etwas völlig anderes.“

Er wohnt in ruhiger Lage, aber nur zwei Kreisverkehre von der Autobahn entfernt. Für ihn ist es momentan perfekt.

Man hört es krachen, man sieht es lodern – was man praktisch nie sieht, ist, wie Stuntmen vom Kaliber Roland Leyers – wie unten in den Unfallfahrzeugen – Kopf und Kragen riskieren, damit die Zuschauer „Action“ erleben.

Roland Leyer „brennt“ (oben) für den Kinofilm, mit seinen eigenen Firmen sorgt er auch sonst für viel Action und Spannung.

Fotos: B. Schulze / R.Leyer / privat / Agentur

Zu Lande, zu Wasser, freilich auch in der Luft ist Roland Leyer gefragt, wenn es für Schauspieler zu riskant wird.

Vor der Kamera ist Roland Leyer seit langem ein Experte, inzwischen ist er auch dahinter für seine Kunden tätig.

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