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Sonntag, 25. Januar 2026

Armin Frauenschuh: Rosige Künstler-Heimat Salzburg

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Die Premierenbesucher im Landestheater Salzburg hielt es nicht mehr auf den Sitzen: Jubel und Standing Ovations prasselten wie ein warmer Sympathie-Regen über Armin Frauenschuh und seine Kollegen herein, die für diese außergewöhnliche Ballett-Premiere verantwortlich waren. Allen voran galt die Begeisterung natürlich der 16-köpfigen Ballett-Company, die der ehemalige Solotänzer und Augsburger Ballett-Macher seit letzter Spielzeit gemeinsam mit seinem Kollegen als Doppelspitze leitet.

„Ich bin wahnsinnig glücklich über diesen Erfolg – aber auch, dass alles so kam“, erzählt der leidenschaftliche ehemalige Solotänzer und Ballett-Manager beim Besuch des AUGSBURG JOURNAL in Österreichs pittoresker Festspielstadt.

Manchmal schreibt das Leben ja wirklich Geschichten, die kein Dramaturg besser hätte erfinden können. Bei Armin Frauenschuh war es so. Für den 52-Jährigen schloss sich mit der Rolle als neuer Ballett-Chef des Salzburger Landestheaters nach Jahrzehnten ein Kreis; einer, der auch wertvolle Jahre in Augsburg beinhaltet.

Wobei den gebürtigen Mondseer mit seinem neuen Arbeitsplatz freilich eine ganz besondere Geschichte verbindet. Es ist nämlich der Ort, an dem für Teenager Armin alles begann. „Ich kam mit 14 Jahren an die Ballettschule des Landestheaters Salzburg. Vier Jahre später zog’s mich bereits in die große Welt hinaus – an die Hamburgische Staatsoper zu John Neumeier.“ Später sollten – neben Augsburg – noch Stationen in Dresden, Chemnitz, Dessau, Frankfurt und Karlsruhe folgen. Gastspiele und Tourneen führten den Solisten und Manager durch ganz Europa.

Eine glückliche Fügung bewegte Armin Frauenschuh nach Salzburg zu ziehen

Im letzten Jahr geschah dann das Unglaubliche. Erst starb Frauenschuhs Großmutter Helena – mit fast 100 Jahren – und hinterließ ihm eine Wohnung mit Blick über den Mondsee. „Eigentlich könnten wir jetzt nach Mondsee ziehen“, sagte Frauenschuh zu seinem Partner, halb im Scherz. Dann klingelte wenig später das Telefon: Das Salzburger Landestheater suchte eine neue Leitung. „Der Intendant, den ich persönlich gar nicht kannte, rief an und sagte: Sie wurden mir empfohlen. Hätten Sie Lust, nach Salzburg zu kommen?“ Dass Salzburg die Stadt seiner Jugend und der Ausgangspunkt seiner Tanz-Karriere war, das wusste Intendant Carl Philip von Maldeghem freilich nicht. Und Frauenschuh seinerseits ahnte nicht, dass sein künftiger Chef ebenfalls eine wichtige „Augsburg-Geschichte“ hat: von Maldeghem wuchs nämlich nicht nur in Augsburg auf, sondern lernte hier auch die Welt des Theaters erstmals kennen – und lieben; als Statist auf der Freilichtbühne, auf der er sogar erste kleine Rollen übernehmen durfte.

Frauenschuh vor dem Landestheater Salzburg, wo er mit 14 startete.

Für Armin Frauenschuh war jedoch schon beim Anruf klar: „Die Wohnung meiner Oma, Lebensmittelpunkt meiner Jugend und Familie – natürlich komme ich.“

Was als glückliche Fügung begann, wurde bald von tiefer Trauer überschattet. „Gerade als alles perfekt war – meine Mutter nur fünf Minuten entfernt, wir als Familie wieder vereint – starb sie völlig unerwartet an einem Hirnschlag.“

Trotz des Schmerzes empfindet Frauenschuh heute Dankbarkeit. „Wir hatten noch Monate voller Nähe und guter Gespräche. Das war ein Geschenk. Ich glaube, es sollte so sein.“

Armin Frauenschuh kann auch jetzt noch gelegentlich auf der Bühne bewundert werden

Im Vergleich zu den Augsburger Jahren startet Frauenschuh in Salzburg von vornherein als Führungskraft beim Landestheater-Ballett. Während er in Augsburg erst Ballettmeister und Assistent des Ballettdirektors war (2014/15), dann 2016 zum Stellvertretenden Ballettdirektor aufstieg und ab 2017 noch zwei Jahre als Ballett-Company-Manager am neubegründeten Staatstheater agierte, verantwortet er jetzt federführend Themen wie Organisation, Personal und Dramaturgie; sein Kollege Reginaldo Oliveira kümmert sich vorrangig um das künstlerische Profil. „Ich bin Netzwerker nach innen wie nach außen – Repräsentant, Planer, Dramaturg, manchmal auch Trainer im Saal“, so Frauenschuh – der aber gelegentlich auch noch auf der Bühne zu bewundern ist. Wie auch jetzt bei seiner ersten großen eigenen Ballett-Produktion, die kürzlich umjubelte Premiere in Salzburg feierte und die „ganz schön viel Augsburg“ in sich hat. Der dreiteilige Ballettabend beginnt nämlich mit einer Produktion, die 2017 bereits in Augsburg gefeiert wurde: „Carmen“. Frauenschuh: „Wir mussten mit unserer Carmen damals in Augsburg auf die Kongresshalle ausweichen, weil das große Haus plötzlich geschlossen wurde. Ich wollte dieses Werk auf jeden Fall noch einmal zeigen – diesmal mit einer neuen Energie.“

Ballettchef Frauenschuh mit den Choreografen Valentina Turcu, Yonggeol Kim und Intendant von Maldeghem.

Nicht nur die Choreografie von Valentina Turcu entspricht wieder haargenau der Augsburger Fassung, auch die Kostüme inklusive Rosenmeer auf der Bühne kommen aus Augsburg. „Warum sollen wir alles neu machen lassen? Wir haben es Augsburg abgekauft, schließlich sind wir am Theater auch möglichst nachhaltig.“

Der Salzburger Ballettabend vereint „unsere Augsburger Carmen“ mit der modernen Choreografie „Rosa“ von Reginaldo Oliveira zur Musik von Flamenco-Star Rosalía und einer „Boléro“-Uraufführung des koreanischen Choreografen Yonggeol Kim. Experiment geglückt – wie nicht nur die Zuschauer, sondern auch zahlreiche Kritiken beweisen.

Salzburg ist durch die Festspiele an Weltklasse gewöhnt

Keine Selbstverständlichkeit, denn: „Salzburg hat ein forderndes Publikum, das durch die Festspiele an Weltklasse gewöhnt ist. Wir können uns keine Mittelmäßigkeit leisten“, so der Ballett-Chef.

Gleichzeitig fühlt sich Frauenschuh künstlerisch „auf Rosen gebettet“: „Wir haben moderne Probenräume, ein komplett saniertes Haus – keine Improvisation wie damals in Augsburg, wo das große Haus noch immer eine Baustelle ist.“

Mit seiner Company, die naturgemäß aus Nationen der ganzen Welt zusammengewürfelt ist, versteht sich Ex-Tänzer Frauenschuh bestens. Auch wenn sich in der Tanzwelt vieles verändert hat – zum Guten. „Die jungen Tänzerinnen und Tänzer sind selbstbewusster. Sie wissen, was sie können und was sie wert sind. Früher herrschten patriarchale Strukturen – das ist vorbei. Heute braucht es Führung auf Augenhöhe.“ Die gibt er ihnen – und freut sich auf weitere spannende Produktionen. Denn „mein Beruf ist mein Hobby“, lacht der Österreicher verschmitzt, „weswegen mir Zwölf-Stunden-Tage vor Premieren gar nichts ausmachen. Doch ich glaube, dass ich irgendwann auch loslassen kann. Dann setze ich mich in den Gartenstuhl und schaue meinen Geranien beim Wachsen zu.“

Aber bis dahin wird vermutlich noch ganz schön viel Wasser die Salzach hinuntergeplätschert sein.

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