Der Moritzsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als sich SPD-Herausforderer Florian Freund eine Woche vor der Stichwahl den Fragen der Augsburger stellte. Beim „Townhall Meeting zur Stichwahl“, organisiert vom Augsburg Journal, diskutierte der Kandidat knapp anderthalb Stunden mit Bürgerinnen und Bürgern über Verkehr, Wirtschaft, Wohnen und die Zukunft der Stadt. 

Eigentlich war der Abend anders geplant. Ursprünglich sollte es ein öffentliches Duell zwischen Amtsinhaberin Eva Weber (CSU) und ihrem Herausforderer Florian Freund (SPD) werden. Weber sagte ihre Teilnahme jedoch kurzfristig ab. Statt eines direkten Schlagabtauschs entwickelte sich so ein Abend, bei dem Freund allein Rede und Antwort stand – unterstützt von mehreren Parteien und Wählergruppen, die ihn im Stichwahlkampf unterstützen. 

Moderiert wurde die Veranstaltung von Anja Marks-Schilffarth und Marc Kampmann vom Augsburg Journal. Das Format war bewusst niedrigschwellig: Besucher konnten ihre Fragen auf Zetteln notieren, die anschließend zufällig gezogen wurden. Freund hatte jeweils zwei Minuten Zeit für seine Antworten. Zwischendurch kamen Vertreter der unterstützenden Parteien zu Wort – mit kurzen Statements oder spontanen Wortmeldungen per „Joker“. 

Gleich zu Beginn machte Freund deutlich, worum es aus seiner Sicht in der Stichwahl geht. „Wir geben jetzt in den nächsten Tagen wirklich alles, um dafür zu sorgen, dass es in Augsburg einen Wechsel im Amt des Oberbürgermeisters gibt – und einen Wechsel in der Politik.“ 

Florian Freund kritisiert politische „Wagenburg“ 

Im Verlauf des Abends übte der SPD-Kandidat immer wieder deutliche Kritik an der bisherigen Stadtpolitik. „Die Performance der letzten Jahre war nun wirklich nicht überragend.“ Besonders die politische Kultur im Stadtrat nahm Freund ins Visier. In Augsburg habe sich eine Art „Wagenburg-Mentalität“ entwickelt, bei der Vorschläge aus der Opposition kaum eine Chance hätten. „In den letzten Jahren war der Stadtrat oft nur noch eine Wagenburg. Vorschläge von außen wurden schlicht abgeblockt.“ Er selbst wolle künftig stärker über Fraktionsgrenzen hinweg arbeiten. „Ich arbeite mit allen demokratischen Fraktionen gerne zusammen. Politik darf auch hitzig sein – aber am Ende geht es darum, Lösungen für die Stadt zu finden.“ 

Auch Kritik an seiner Wortwahl im Wahlkampf wies Freund zurück. „Wenn man einmal das Wort ‚Gurkentruppe‘ verwendet und sich dann alle wie Mimosen zurückziehen, dann ist das nicht meine Vorstellung von politischem Diskurs.“ 

„Augsburg muss sich wieder daran gewöhnen, dass wir Projekte können.“ Inhaltlich ging es immer wieder um konkrete Vorhaben für die Stadt. Freund kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs schnell sichtbare Projekte anzustoßen. „In den ersten Tagen meiner Amtszeit würde ich dafür sorgen, dass der Fünf-Minuten-Takt bei der Straßenbahn wieder kommt, dass wir ein Schultoiletten-Sanierungsprogramm auflegen und dass wir die Fuggerstraße zur Fuggerpromenade umbauen.“ Grundsätzlich müsse Augsburg wieder handlungsfähiger werden. „Augsburg muss sich wieder daran gewöhnen, dass wir Projekte auch können.“ 

Wirtschaft und Arbeitsplätze im Fokus 

Breiten Raum nahm auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ein. Freund warnte vor den Folgen des Strukturwandels. „Wenn mehrere tausend gut bezahlte Industriearbeitsplätze wegfallen, verlieren wir nicht nur Jobs – wir verlieren auch hunderte Millionen Euro Kaufkraft für diese Stadt.“ 

Augsburg müsse wieder stärker um Unternehmen werben. „Wir haben in den letzten Jahren bei großen Unternehmensansiedlungen überhaupt keine Rolle gespielt.“ 

Streitpunkt Verkehr: Linie 5 als Schlüsselprojekt 

Beim Thema Verkehrspolitik bezeichnete Freund die geplante Straßenbahnlinie 5 als zentrales Infrastrukturprojekt. „Die Linie fünf ist ein Kernstück der Mobilitätsdrehscheibe und entscheidend für die Entwicklung des Augsburger Westens.“ Eine Verkehrspolitik, die sich nur auf Parkplätze konzentriere, kritisierte er. „Parkplätze einfach nur abzuschaffen oder teurer zu machen hat keinen Mehrwert. Das ist kein Konzept.“ 

Unterstützer aus mehreren politischen Lagern 

Zwischen den Fragerunden kamen auch Vertreter mehrerer Parteien und Wählergruppen zu Wort, die Freund im Stichwahlkampf unterstützen. Für die Wählervereinigung WSA – Wir sind Augsburg sprach Unternehmer Helmut Wiedemann, der bei der Stadtratswahl nur knapp gescheitert war. „Wir unterstützen Florian Freund, weil wir eine Veränderung wollen. Ein ‚Weiter so‘ kann es aus unserer Sicht nicht geben.“ Auch Iris Steiner von der Gruppierung FDP / Pro Augsburg kritisierte die Kommunikation der Stadt rund um das Großprojekt Staatstheater. „Beim Staatstheater sind viele Dinge bis heute unklar geblieben. Für mich war das einer der Gründe zu sagen: So kann es in Augsburg nicht weitergehen.“ Für Volt Augsburg sprach Thorsten Frank, der mehr strategische Stadtentwicklung forderte. „Ich erwarte mir von Florian Freund schlicht mehr Gestaltung für diese Stadt.“ Auch die ÖDP stellte sich hinter den SPD-Kandidaten. Stadtrat Christian Pettinger verwies auf die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. „Die Zusammenarbeit mit Florian Freund war in den letzten Jahren sehr vertrauensvoll.“ 

Und auch die junge Wählergruppe Generation Aux, die erstmals mit drei Mitgliedern in den Stadtrat eingezogen ist, sprach sich für einen politischen Wechsel aus. Raphael Brandmiller betonte den Wunsch vieler Bürger nach neuen Impulsen. „Viele Menschen in Augsburg wollen etwas Neues. Sie sehen das Potenzial dieser Stadt – und sie wollen, dass dieses Potenzial auch umgesetzt wird.“ 

Freund setzt auf Wechselstimmung 

Zum Abschluss wandte sich Freund direkt an die noch unentschlossenen Wählerinnen und Wähler. „Die entscheidende Frage dieser Wahl ist: Wollen wir ein Weiter so – oder wollen wir Veränderung für Augsburg?“ Sein Ziel sei es, der Stadt wieder mehr Dynamik zu geben. „Wir brauchen mehr Wohnungen, einen besseren Nahverkehr und wieder mehr Mut, Dinge umzusetzen.“ 

In der Stichwahl entscheidet sich nun, ob dieser Wechsel tatsächlich stattfindet.

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