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Samstag, 14. März 2026

Sepp Maier: „Früher hatten wir weniger Geld, aber mehr Freiheit“

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Er ist Weltmeister, Europameister und die „Katze von Anzing“: Sepp Maier spricht im Exklusiv-Interview über den historischen FCA-Sieg gegen Bayern, seine Erinnerungen an Helmut Haller und warum er froh ist, heute kein Profi mehr zu sein.

Augsburg Journal: Herr Maier, wir müssen direkt mit einem lokalen Aufreger starten: Der FC Augsburg hat den großen FC Bayern im Januar mit 2:1 geschlagen. Hat Ihnen da das Herz geblutet oder gönnen Sie dem Nachbarn den Sieg?

Sepp Maier: Wissen Sie, das sind immer diese besonderen Lokalkämpfe. Früher war das bei uns 1860 gegen Bayern, heute ist es eben Augsburg. Aber ich finde, da habt ihr in Augsburg auch ein bisschen Glück gehabt. Aber: Der FCA braucht die Punkte dringend für den Klassenerhalt. Dem Bayern tut diese Niederlage vorerst nicht weh – solange es am Ende für den Titel reicht.

AJ: Am 20. März kommen Sie mit Ihrer Bühnenshow in den Kolpingsaal nach Augsburg. Man hört, es wird sogar gesungen?

Maier: (lacht) Was heißt gesungen? Wir lassen eher die alten Zeiten aufleben. Früher haben wir Sportler ja alle gesungen – egal ob Fußballer, Boxer oder Leichtathleten. Denken Sie an „Fußball ist unser Leben“ zur WM 1974 oder die Lieder mit Udo Jürgens. Die Leute kennen die Texte und singen mit, das ist pure Nostalgie. Aber keine Sorge, es ist kein Konzert.

Sepp Maier: „Der Weg zur Nationalmannschaft ist weit und steinig“

AJ: Sondern?

Maier: Mein Leben war sehr umfangreich und erfolgreich, da gibt es viele Geschichten, die noch keiner weiß. Ich will die Leute für zwei Stunden mitnehmen in die Vergangenheit. Die Resonanz ist bisher großartig, es macht mir einfach Spaß. Ich bin jetzt fast 82, aber solange ich fit bin: Was soll ich denn den ganzen Tag zu Hause sitzen?

AJ: Wenn Sie in Augsburg sind, denken viele sofort an Helmut Haller. Sie haben in Ihrer Karriere auch mal zusammen gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Maier: Mit dem Helmut hatten wir sehr viel Spaß. Er war ein Typ, der den Schalk im Nacken hatte. Wir haben in der Nationalmannschaft bei der WM 1966 viel Spaß gehabt. Er hat vorne für die Tore gesorgt, während ich damals noch auf der Bank gesessen bin. Hans Tilkowski stand im Tor.

AJ: Kommen wir zur aktuellen Torhüter-Situation der Nationalmannschaft. Finn Dahmen ist beim FCA die Nummer eins und war oft im DFB-Kader, wartet aber noch auf sein Debüt. Was fehlt ihm noch?

Maier: Wissen Sie, ich bin da mittlerweile etwas weiter weg. Aber generell gilt: Der Weg zur Nationalmannschaft ist weit und steinig. Jeder will sein Bestes geben, aber man sollte als Außenstehender – und auch ich als Ex-Torwart – vorsichtig mit Ratschlägen sein. Wenn er es schafft: wunderbar. Aber die Konkurrenz in Deutschland schläft nicht.

Sepp Maier: „Als Torhüter muss man auch ein bisschen Glück haben“

AJ: Ein großes Thema ist die WM 2026. Marc-André ter Stegen hatte Verletzungspech. Wen würden Sie ins Tor stellen? Manuel Neuer wird immer wieder diskutiert.

Maier: Von meiner Seite aus hat es sich Oliver Baumann verdient, im Tor zu stehen. Er spielt seit vielen Jahren konstant gut für Hoffenheim, aktuell steht die Mannschaft in den Top 4 der Bundesliga, das ist kein Zufall. Wie es danach weitergeht, ist für mich völlig offen. Generell gilt aber: Als Torhüter muss man auch ein bisschen Glück haben.

AJ: Wie meinen Sie das?

Maier: Erinnern Sie sich an 2010. Da war René Adler die klare Nummer eins. Dann hat er sich verletzt – und das war der große Augenblick von Manuel Neuer. Hätte Adler sich nicht verletzt, wäre die Geschichte vielleicht ganz anders verlaufen. So ist das Geschäft: Du brauchst Talent, aber du musst auch im richtigen Moment fit sein, wenn die Tür aufgeht. Deswegen lege ich mich ungern fest, wer in zwei oder vier Jahren im Tor stehen könnte. Vielleicht kommt einer, den wir jetzt noch gar nicht auf dem Zettel haben.

AJ: Sie gelten als begeisterter Tennisspieler und Golfer. Greifen Sie noch zum Schläger?

Maier: Tennis habe ich fast aufgegeben. Wenn ich heute spiele, merke ich erst, wie alt ich bin. Früher bin ich gelaufen wie ein Blitz, heute sammeln wir eher die Bälle auf. Außerdem haben meine Tennispartner alle ihre Wehwehchen – der eine eine neue Hüfte, der andere ein neues Knie. Beim Golf ist das anders, das geht noch wunderbar. Vier Stunden in der Natur oder mehr, das hält fit.

AJ: Wenn Sie den modernen Fußball mit Videobeweis und Social Media sehen: Wären Sie heute noch gerne Profi?

Maier: Natürlich verdienen die Jungs heute unfassbar viel Geld. Aber dafür war es bei uns ruhiger. Wir konnten noch machen, was wir wollten – naja, fast (lacht). Wir sind in die Disco gegangen, haben unser Leben geführt. Wenn du am Wochenende deine Leistung gebracht hast, hat das Private keinen interessiert. Heute wird jeder Schritt überwacht, jeder Fehler landet sofort im Netz. Diese Freiheit von damals, die ist mit Geld nicht zu bezahlen.

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