Mit der Silbermedaille im Frauen-Doppelsitzer schreiben Dajana Eitberger und Magdalena Matschina ein Stück Olympia-Geschichte. Bei der Premiere dieser Disziplin müssen sich die beiden deutschen Rennrodlerinnen nur knapp geschlagen geben: 0,12 Sekunden fehlen im Eiskanal von Cortina auf die siegreichen Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer.
Für Eitberger ist es bereits das zweite Olympia-Silber nach 2018 in Pyeongchang. Doch der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. In der Saison 2019/20 pausierte die 35-Jährige, im Februar 2020 kam ihr Sohn zur Welt. 2023 kehrte sie in den Leistungssport zurück und gewann auf Anhieb WM-Gold im Sprint. Dass sie nun im Doppelsitzer auf dem Podium stehen würde, war lange nicht absehbar.
Nach dem Rennen zeigte sich Eitberger überwältigt. „Es war heute gefühlt der schlimmste Tag. Ich habe seit heute Morgen um 7.00 Uhr im Zehn-Minuten-Takt nur geheult und meinen Sohn unfassbar vermisst. Ich habe ihn mehrfach angerufen, er hat mit Sicherheit geguckt und mit Oma und Opa fleißig die Daumen gedrückt“, sagte sie im Interview. Die vergangenen Jahre bezeichnete sie als „unglaublich. Wenn man diese Zeitreise im Kopf noch einmal durchgeht, ist das einfach irre, was ich da verarbeitet habe.“
Dajana Eitberger hatte es geahnt: „Ich glaube, da kommt etwas Großes“
Gegenüber der ARD blickte sie auf eine Entscheidung zurück, die sie 2022 getroffen hatte: „Ich wusste 2022, dass meine Reise definitiv bis 2026 weitergeht. Ich hatte ein Bauchgefühl und habe zu meinem Lebensgefährten gesagt: ‚Gibst du mir nochmal vier Jahre? Ich glaube, da kommt etwas Großes.‘ Ich sollte ein Stück weit recht behalten. Dass es im Doppelsitzer ist – daran hatte ich 2022 noch nicht gedacht.“
Auch sportlich stand das Duo unter Druck. „Wenn wir an letzten Winter denken, wie wir gekämpft haben, um uns gegen die starken Teams durchzuboxen. Wir standen massiv unter Druck, und hier ist die Erwartungshaltung extrem hoch – wir müssen einfach abliefern. Es ist unglaublich, was man aus einem Körper herausholen kann und wie viel Nervenstärke wir gezeigt haben“, sagte Eitberger.
Ein zentraler Faktor sei die Harmonie im Team. „Ich habe Magdalena so unfassbar lieb gewonnen. Sie wird einen riesengroßen Platz in meinem Herzen haben. Ich bin dankbar, eine Freundin an meiner Seite zu haben.“ Die 15 Jahre jüngere Matschina, 20 Jahre alt, erwiderte die Wertschätzung: „Ich bin einfach unfassbar dankbar, dass ich hier mit Dajana stehen darf und Silber gewonnen habe. Ich war saunervös oben am Start, muss ich ehrlich sagen. Im Endeffekt war es mir scheißegal, was rauskommt. Ich wollte einfach nur Spaß haben!“
Rodel Duo passt super zusammen
Die unterschiedliche Erfahrung scheint das Duo eher zu stärken als zu trennen. „Bei uns passt es so gut, weil wir beide so einfach gestrickte Menschen sind. Wir sind beide harmoniebedürftig, suchen keine Konflikte und akzeptieren die andere, wie sie ist. Wir sehen uns auf Augenhöhe, jeder hat seine Aufgabe und vertraut dem anderen blind. Das macht es so besonders“, erklärte Eitberger.
Nach dem sportlichen Kraftakt blieb schließlich auch Raum für Leichtigkeit: Im ARD-Interview stimmten beide spontan „Bella Napoli“ von Roy Bianco an – ein Moment, der die Anspannung des Tages sichtbar von ihnen abfallen ließ.
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