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Dienstag, 31. März 2026

Britta Speth: Wenn die Zahnärztin mit Büroklammern zaubert

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Gambia ist eine Republik in Westafrika, die zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Drei Viertel der ländlichen Bevölkerung leiden unter Armut und Hunger. Fast ein Fünftel der Kinder unter fünf Jahren ist unterernährt. Die Arbeitslosigkeit ist besonders unter Jugendlichen hoch. Die Augsburger Zahnärztin Britta Speth ist in den Wintermonaten dennoch dorthin gereist, um zu helfen. Über eine Patientin in ihrer Stadtberger Praxis lernte sie Yusupha Kuyateh kennen, einen in München und Gambia lebenden Musiker, der in seinem Heimatort Medina Kanuma mit seiner Partnerin Gudrun Mayer ein Zentrum für zahnärztliche und medizinische Versorgung aufbauen will.

„Unter Zentrum hatte ich mir freilich etwas anderes vorgestellt. Es handelt sich um einen kleinen Raum, in dem weder der Zahnarztstuhl noch die wenigen vorhandenen Geräte funktionieren. Auch gängigste Materialien sind Mangelware“, erinnert sich die 48-jährige Ärztin an ihren ersten Eindruck.

Britta Speth: Das Leben vor Ort ist mehr als einfach

Aber: Not macht erfinderisch! So bastelte sie kurzerhand aus einer Büroklammer ein Provisorium für einen ihrer Patienten. „Der konnte sein Glück nicht fassen. Die Menschen hier sind so dankbar, das macht wirklich Freude“, sagt Britta, die auf jeden Fall kommenden Winter wiederkommen will. Rund 20 kleine und große Patienten schenkten ihr das Vertrauen. Nicht selbstverständlich: „Natürlich sind viele skeptisch, haben Respekt und Angst vor einer weißen Frau, die ihre Zähne behandelt.“ Das Problem: Es ist nicht nur um die medizinische Versorgung im ganzen Land schlecht bestellt, sondern viele Bewohner haben schon im Kindesalter kaputte Zähne – aufgrund zuckerreicher Ernährung und mangelnder Zahn-Hygiene. „Mein einheimischer Helfer namens Modo hat irgendwann einmal so eine Art Praktikum bei einem Kollegen gemacht. Er zieht hier Zähne, wenn kein richtiger Zahnarzt da ist. Mehr kennen die Menschen hier nicht.“

Sie haben kaum etwas – außer viel Zucker

Wenn Britta Speth vom täglichen Leben erzählt, wundert es nicht, dass Zähneputzen nicht wie bei uns zur Normalität gehört. Das Leben vor Ort ist mehr als einfach. „Eselskarren gehören zum Straßenbild. Ziegen, Schafe und Hühner laufen frei herum. Kühlmöglichkeiten für Lebensmittel gibt es praktisch nicht; auch Fleisch und Fisch wird stattdessen in Essig und Salz eingelegt und so haltbar gemacht“. Trotz spartanischer Lebensumstände – die Küche beschränkt sich auf eine verbeulte Feuerstelle im Innenhof und sanitäre Einrichtungen wie Toilette oder Bad sind sehr seltener Luxus – hat Britta Speth ihre Wochen gesund überstanden. „Ich habe den Saft vom Baobab-Baum getrunken, Hibiskus, Nana-Minze und Blätter des Moringa-Baumes verwertet. Mir hat nichts gefehlt!“

Über Vertrauen und Dankbarkeit durfte sich die Augsburger Ärztin freuen – auch wenn sie – wie unten – das Provisorium aus einer Büroklammer zaubern musste.

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