Er kam, sah und traf gegen die Bayern: Arthur Chaves ist einer der Winter-Neuzugänge des FC Augsburg. Der Brasilianer, der zuvor bei der TSG Hoffenheim spielte, spricht im AUGSBURG JOURNAL Interview über seinen Blitzstart, seine deutschen Wurzeln und warum er in seiner Freizeit lieber Schlösser besichtigt als auf der Couch zu liegen.
Augsburg Journal: Arthur, Hand aufs Herz: Wie läuft es mit dem Deutschlernen? In einem früheren Interview sagten Sie, Sie wollten nächste Saison das erste Interview auf Deutsch geben. Klappt das?
Arthur Chaves (lacht): Nein, nein, noch nicht ganz! Es ist nicht so einfach. Auf dem Platz verstehe ich fast alles – das ist das Wichtigste. Wenn der Trainer Videoanalysen macht oder Übungen erklärt, komme ich gut mit. Ich arbeite daran, auch außerhalb des Platzes Deutsch zu sprechen.
AJ: Sie sind jetzt seit ein paar Wochen in Augsburg. Wie waren die ersten Tage im Vergleich zu Ihrer Ankunft damals in Hoffenheim?
Chaves: Die ersten Wochen waren sehr gut, die Atmosphäre im Team stimmt. Wir stehen in der Tabelle etwas stabiler da als Hoffenheim damals bei meiner Ankunft, aber wir müssen hellwach bleiben. Die Bundesliga ist gnadenlos: Verlierst du zwei Spiele, steckst du unten drin. Aber ich bin sehr glücklich mit meinen Teamkollegen. Nur die Wohnungssuche ist noch ein Thema. Da ich einer der letzten Transfers im Winterfenster war, waren die besten Optionen auf dem Wohnungsmarkt leider schon weg. Aber ich werde schon noch etwas finden.
Arthur Chaves: „Das war ein verrückter Start“
AJ: Sportlich ging es schneller als auf dem Wohnungsmarkt. Nach nur zwei Trainingstagen standen Sie gegen den FC Bayern auf dem Platz und haben sogar getroffen.
Chaves: Das war ein verrückter Start. Was mir in dieser Situation am meisten geholfen hat, waren meine Mitspieler. Sie haben mir in den zwei Tagen vor dem Spiel extrem viel Vertrauen gegeben. In der Kabine und auf dem Rasen haben sie mir das Gefühl gegeben: „Spiel einfach dein Spiel, du musst hier nichts Besonderes machen, nur weil du neu bist.“ Das hat mir den Druck genommen.
AJ: Wer war denn bisher der schwierigste Gegenspieler in Ihrer Karriere?
Chaves: Das war tatsächlich Harry Kane. Für mich ist er einer der Besten überhaupt. Er ist unglaublich schlau. Er steht nicht nur vorne drin, sondern lässt sich oft tief fallen, fast ins Mittelfeld. Als Verteidiger musst du dich ständig entscheiden: Folge ich ihm weit raus und öffne die Lücke hinten, oder übergebe ich ihn? Er ist taktisch extrem schwer zu greifen, weil er viele Dinge beherrscht.
AJ: Sie gelten selbst als sehr zweikampfstark. Würden Sie das als Ihre größte Stärke bezeichnen?
Chaves: Definitiv. In der Bundesliga geben die Stürmer immer 100 Prozent, und du als Verteidiger musst das auch tun, um zu bestehen. Ich liebe diesen Stil. Die Intensität hier ist verrückt, es ist viel aggressiver als etwa in Brasilien. Dort ist es technischer, hier geht es mehr zur Sache, es gibt mehr Tacklings. Aber genau das liegt mir.
Arthur Chaves: „Der FCA hat mir dann einen klaren Plan aufgezeigt.“
AJ: Warum haben Sie sich eigentlich für den Wechsel zum FC Augsburg entschieden? In Hoffenheim lief es für das Team ja gut. Nur Sie selbst kamen nicht mehr wie erhofft zum Einsatz.
Chaves: Hoffenheim spielt eine starke Saison und hat eine gute Mentalität entwickelt. Es war eine reine Trainerentscheidung, dass ich nicht mehr so viel gespielt habe. Ich kann ihm aber nicht böse sein, denn wenn man sieht, wo Hoffenheim steht, hat er viele richtige Entscheidungen getroffen. Der FCA hat mir dann einen klaren Plan aufgezeigt. Hier gibt es klare Prozesse, was wir mit und was wir ohne Ball tun wollen. Das ist für uns Spieler extrem wichtig: Wenn man diese kennt, weißt du blind, wo dein Mitspieler steht. Das hat mich überzeugt.
AJ: Ein interessantes Detail ist Ihre Familiengeschichte. Sie haben deutsche Wurzeln?
Chaves: Ja, das stimmt! Ein Teil meiner Familie trägt den Nachnamen Zimmermann. Meine Großmutter spricht sogar noch ein wenig Deutsch. Sie war sehr glücklich, als ich damals in die Bundesliga gewechselt bin. Auch wenn die Entscheidung rein sportlich fiel – die Bundesliga ist für mich eine der Top-Ligen der Welt – ist es schön, diese familiäre Verbindung zu haben.
AJ: Sie haben mit der brasilianischen U23 Gold bei den Panamerikanischen Spielen geholt. Ist die große Seleção und die WM 2026 ein Ziel?
Chaves: Das ist der absolute Traum, ja. Brasilien hat unglaublich viele gute Innenverteidiger, die Konkurrenz ist riesig. Aber man braucht solche Ziele in der Karriere. Ich arbeite jeden Tag darauf hin, vielleicht wieder eine Chance im Nationaltrikot zu bekommen.
AJ: Zum Abschluss noch eine private Frage: Was macht ein Brasilianer in seiner Freizeit in Bayern?
Chaves: Ich bin, ehrlich gesagt, ein kleiner Geschichts-Fan. Ich mag es, Videospiele zu spielen, aber ich liebe es auch, mir historische Orte anzusehen. In Brasilien haben wir keine solchen Burgen und Schlösser wie hier. Ich war schon in Heidelberg beim Schloss und vor kurzem habe ich mir auch schon das Schloss Neuschwanstein angesehen. Ich habe gehört, dass es die Vorlage für das Disney-Schloss ist und musste es einfach gesehen haben.
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