An der Börse geht es – stark vereinfacht – darum Aktien möglichst billig zu kaufen und möglichst teuer zu verkaufen. Im Kontext Fußball sind Aktien Talente, die man entweder in den eigenen Reihen hat oder billig hinzuholt, um diese dann gewinnbringend an andere Vereine zu verkaufen. Augsburgs heißeste Aktie ist derzeit Chrislain Matsima, dessen Marktwert trotz Gegentorflut eher gestiegen sein dürfte. Zumindest aus Sicht des FCA, der den Vertrag mit dem französischen U21-Nationalspieler bis 2030 verlängern konnte.
Während Sportdirektor Benjamin Weber die Vertragsverlängerung Matsimas als „starkes Signal“ einordnete, verwies Matsima selbst auf die „Möglichkeit, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln“ und darauf, dass beim Verein gerade etwas entstehe. Ob der Entstehungsprozess langfristig von Erfolg gekrönt ist, darf nach dem 0:3 aus Augsburger Sicht bei der TSG Hoffenheim am vergangenen Wochenende jedoch bezweifelt werden. Zu einfach machten es die Fuggerstädter der Mannschaft von Christian Ilzer, die innerhalb von 25 Minuten den FCA komplett überrollte und mit einer uneinholbar wirkenden 3:0-Führung in die Pause ging. Nach Mainz, Leipzig, Heidenheim und dem Pokal-Aus gegen Bochum zeigten die Augsburger die bereits fünfte indiskutable Leistung der Saison – und das im 14. Pflichtspiel. Die Gründe dafür lagen zwar auch in der Defensive, die mit Cedric Zesiger, Noahkai Banks und Matsima qualitativ eigentlich ordentlich besetzt war. Die Ausfälle des verletzten Kapitäns Jeffrey Gouweleeuw und des gelbgesperrten Keven Schlotterbecks waren dennoch spürbar. Deutlich schwerer wog jedoch die mangelhafte Unterstützung der Vorderleute, die es allesamt in der ersten Hälfte am nötigen Einsatz vermissen ließen.
Chrislain Matsima: „Ich habe keinen Grund, zu wechseln. Es ist alles gut hier in Augsburg“
Zurück zu Matsima. Mit 23 Jahren gelingt es dem schnellen wie wendigen Verteidiger noch nicht konstant genug, als Abwehrchef die Defensive zu stabilisieren und zu ordnen – auch weil er teilweise noch mit sich selbst beschäftigt ist. Bestes Beispiel: Beim 1:0 der Hoffenheimer konzentrierte sich Matsima alleine auf den Lauf von Tim Lemperle, drängte diesen auch erfolgreich ab, übersah aber Banzoumana Touré, der frei durchlaufen, sich den Ball schnappen und Finn Dahmen überwinden konnte. Solche Fehler sind in der Augsburger Talenteentwicklung jedoch bewusst eingepreist und dürften – vorausgesetzt, sie häufen sich nicht – zu keiner signifikanten Beeinträchtigung des Weiterverkaufswertes führen. Bereits im vergangenen Sommer wäre der FCA bei einem passenden Angebot für Matsima wohl verkaufsbereit gewesen, doch es trudelte nicht ein. Matsima hingegen hatte nie einen Hehl daraus gemacht, noch mindestens eine weitere Spielzeit in Augsburg verbringen zu wollen. „Ich habe keinen Grund, zu wechseln. Es ist alles gut hier in Augsburg“, sagte er im vergangenen April in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen.
Ob das auch für den kommenden Sommer gilt, ist fraglich. Von der reinen Vertragslaufzeit her könnte es sich der FCA allemal erlauben, den vielversprechenden Verteidiger noch ein paar Jahre im Kader zu halten. Geschäftsführer Michael Ströll betonte bei der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche jedoch, dass es nötig sei, immer mal wieder durch Transferabgänge hohe Ablösen zu generieren. Im vergangenen Sommer gab es keine lukrativen Verkäufe, weshalb der Club für das aktuelle Geschäftsjahr mit einem Minus plant.
Verkäufe wie der von Ermedin Demirovic, der im Vorsommer für über 20 Millionen Euro zum VfB Stuttgart wechselte, sind nicht mehr jedes Jahr nötig, dennoch nicht gänzlich unwichtig. Bevor Matsima im Sommer allerdings eventuell sogar zum Rekordverkauf der Augsburger werden könnte, geht es in der Liga allen voran um den (frühzeitigen) Klassenerhalt. Dafür braucht es dringend Punkte, angefangen beim Heimspiel am kommenden Samstag um 15:30 Uhr gegen Leverkusen.
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