Eva Weber

Das kam überraschend. Die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber schaltet sich in die Boykott-Debatte um die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ein. Die OB postete aus dem Urlaub eine Instagram-Story mit einem Beitrag der Online-Ausgabe der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“. Überschrift: „Mehr als 15.000 Bauarbeiter:innen für die WM in Katar gestorben“.

Die Reaktion der Augsburger CSU-Politikerin: „Und das ist der Grund dafür, warum ich die Spiele der Fußball-WM in diesem Jahr nicht anschauen werde.“ Für Eva Weber ist das durchaus ein Verzicht. Sie mag Fußball, war zuletzt vor zwei Wochen mit ihrem Ehemann Florian beim ersten Saisonspiel des FC Augsburg gegen Freiburg (0:4) in der WWK Arena.

Die Debatte um einen Boykott der Weltmeisterschaft hat damit Augsburg erreicht. Seit längerem wird die WM-Vergabe der FIFA an das superreiche Golf-Emirat mit seinen drei Millionen Einwohnern kritisiert. Katar werden Menschenrechtsverletzungen und Todesfälle von Bauarbeitern, vor allem Gastarbeitern, beim Bau der acht WM-Stadien vorgeworfen. Laut Amnesty International sterben die Arbeiter, die vor allem aus den Billiglohnländern Bangladesch, Nepal oder Pakistan kommen, an Hitze, plötzlichem Herztod oder schlicht Überlastung. Brisant: Rund 70 Prozent der Todesfälle werden nicht aufgeklärt.

Zudem ist in Katar Homosexualität verboten. Bereits seit geraumer Zeit wird dem Golf-Emirat vorgeworfen, die radikal-islamistischen Taliban, die innerhalb kürzester Zeit die Macht in Afghanistan zurückerobert hatten, zu unterstützen.

In der Boykott-Debatte hatte sich die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) für eine Absage des Turniers ausgesprochen. Der ehemalige CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet positionierte sich auch gegen die WM. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sieht das anders: „Ich halte vom Boykott nichts, weil man die Verantwortung der Politik auf den Sport verlagert“, sagte sie.

Die Augsburger Oberbürgermeisterin wollte trotz Anfrage keine weitere Aussage zu ihrer persönlichen WM-Absage machen. Die städtische Pressestelle verwies darauf, dass die Politikerin im Urlaub ist.

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