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Razzia in Jettingen: Warum 165 Gäste aus ganz Schwaben in den Landkreis Günzburg “pilgern”

Im Fefe ist Razzia!“, diese Nachricht verbreitete sich in Augsburgs Rave-Szene wie ein Lauffeuer. Das „Fefe“ ist eine Disko in Jettingen-Scheppach (Landkreis Günzburg), hauptsächlich werden hier Techno-Raves veranstaltet. Bei fahlem Licht tanzen schwarz bekleidete Menschen stundenlang zu scheppernden Bässen.

Die elektronischen Rhythmen sind allerdings nicht der Grund, warum die Drogenfahndung den Club seit Monaten ganz genau im Auge hat. „Hinweise zu regelmäßigen Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz“ veranlassten jetzt das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zu einem von langer Hand geplanten Großeinsatz. Alle 165 anwesenden Gäste wurden kontrolliert. Und das Ergebnis schockiert: Unter anderem fanden die Ermittler Marihuanamengen für circa 66 Joints, neun bereits fertig gedrehte Joints, rund 200 Ecstasy-Tabletten, etwas Haschisch, genug Mengen für grob 900 Lines Kokain und 516 Lines Amphetamine.

Drogen-Trip nach Günzburg

Aber wie wird ein Ort wie Jettingen-Scheppach zu einer der Drogenhochburgen Schwabens? In Massen pilgert unter anderem die Augsburger Rave-Community bald jedes Wochenende mit dem Zug in das beschauliche Örtchen mit gerade mal gut 6,5 Tausend Einwohnern. Über eine Stunde lang braucht der Zug vom Hauptbahnhof, Umsteigen inklusive. Damit aber noch nicht genug. In Jettingen-Scheppach angekommen heißt es noch zusätzlich drei Kilometer laufen. Die kalten Temperaturen, über die sich die Gäste während der Razzia in Jettingen beschwerten, schienen also bei der Anreise keine Probleme darzustellen. Auch nach der Kontrolle war das Kälteempfinden wohl deutlich gesunken, so seien laut Polizei einige der Gäste weiterhin vor Ort geblieben, um auf eine Fortführung der Veranstaltung zu warten.

Riesen-Drogen-Fund bei Razzia in Jettingen

Viele Menschen aus der Techno-Szene in Schwaben bezeichnen die Diskothek als „ihr Wohnzimmer“. Vielleicht ist es der lockere Umgang mit illegalen Betäubungsmitteln, der über Monate hinweg den Besuchern die Illusion gegeben haben muss, unentdeckt gewesen zu sein. Dass sie dabei die ganze Zeit über genau im Blick der Polizeiinspektion Burgau, der Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm und des Präsidiums waren, überraschte Clubbetreiber und Partygänger aus unerfindlichen Gründen dennoch sehr. Zumindest war das einem Instagram-Post der Diskothek kurz nach der Razzia zu entnehmen. Dort schreiben die Betreiber folgenden Text: „Die Gründe für eine solche Maßnahme sind abhängig von mehreren Faktoren. Die genauen Gründe wurden uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht genannt“. Den Ermittlern schien die Menge an illegalen Substanzen genug Grund für die Razzia in Jettingen gewesen zu sein. ahö

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