Es sind Tage, an denen die Stadtregierung offensiv versucht, die Debatte um die Theaterbaustelle mit Presseaktionen, neuen Stellen in der Öffentlichkeitsarbeit und Informationsveranstaltungen zu beruhigen. Doch die Konflikte rund um das Staatstheater spitzen sich weiter zu. Die überraschende Sperrung der Baustelle wegen möglicher Schadstoffe, die verschobene gerichtliche Auseinandersetzung mit dem früheren Architekturbüro, eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Theaterviertels, die im offenen Konflikt endete – und eine Presseführung, die mehr Fragen aufwarf, als sie beantwortete.
Vergangene Woche lud die Stadt zur „Theaterquartierkonferenz“. Man sei sehr gespannt gewesen, welche Vorschläge für die Entwicklung des Theaterviertels von den Verantwortlichen vorgestellt werden. Die Präsentation der Landschaftsarchitekten sei dann eher ernüchternd ausgefallen. „Ein paar Bäume, Fahrradständer, Spielgeräte – zur tatsächlichen Viertelentwicklung waren keine Impulse sichtbar“, ärgert sich der Vorsitzende des Vereins Theaterviertel Jetzt, Richard Goerlich noch immer. Die neue „Sparfassade“ am Betriebsgebäude lässt Goerlich kopfschüttelnd zurück. „Fast 500 Millionen Baukosten und am Schluss bekommen wir ein Betriebsgebäude, das aussieht wie ein Bürozweckgebäude im Gewerbepark von Gütersloh“, so Goerlich weiter. Dies sei das Gebäude, das in das ganze Viertel „hineinstrahle“, so etwas könne man keinem Menschen verkaufen. Der Abend endete mit hitzigen, teils emotionalen Debatten, in denen Goerlich immer wieder mit den Referenten Steffen Kercher (Bau) und Jürgen Enninger (Kultur) aneinandergeriet.
„Fachleute reiben sich die Augen“
Auch die Baustellenführung für Pressevertreter lief anders als geplant. Statt eines Blicks ins Innere und hinter die Kulissen, gab es dank möglicher Schadstoffe eine Outdoorveranstaltung. Zudem waren weder Baureferent Kercher noch Architekt Stefan Sinning zugegen. Und auch sonst gab es keine neuen Antworten auf die alten Fragen.
Allein der Schadstoff-Baustopp ruft SPD-Chef Florian Freund auf den Plan: „In den letzten Tagen tritt erneut zutage, woran es bei der Staatstheater-Baustelle fehlt: das Management ist schlecht. Dass jetzt auf der Baustelle Schadstoffe gefunden worden sein sollen, lässt aufhorchen. Der Baureferent hatte doch berichtet, dass das Gebäude quasi schon entkernt sei. Bei der Frage, wie zum jetzigen Zeitpunkt Schadstoffe gefunden werden können, die eine komplette Sperrung der Baustelle bedingen, reiben sich selbst Fachleute die Augen.
Oder handelt es sich um eine vorgeschobene Begründung, um die Öffentlichkeit auf neue Hiobsbotschaften vorzubereiten? (…) Bei der anberaumten Presseführung war der Theaterbau gesperrt. Weder OB und Baureferent noch Architekt waren vertreten, um aus erster Hand zu informieren. So kann das nichts werden.“
Stadtrat Raphael Brandmiller (Generation Aux) hat zwei Hauptkritikpunkte: „Zum Einen lässt die Stadt jede Transparenz vermissen. Das wurde nicht zuletzt in der letzten Stadtratssitzung deutlich. Die berechtigten Nachfragen von großen Teilen des Stadtrats wurden in einer Art und Weise beantwortet, die zu mehr Verwirrung und Undurchsichtigkeit, als Klarheit führten.
Im „Maßnahmenpaket Innenstadt“ wird das Theater nicht erwähnt
Auch bezüglich des anstehenden Gerichtsverfahrens, lässt die Stadt alle im Dunkeln tapsen. Nicht mal die Umstände der Terminverlegung von November auf März werden transparent kommuniziert. Da muss man sich schon wundern. (…) Zum Zweiten muss man sich fragen, wie sollen die Augsburgerinnen und Augsburger noch an dieses Projekt glauben, wenn es die Stadt selbst nicht tut. Auf diese Frage konnte die Stadt auch im Rahmen der „Theaterquartierskonferenz“ letzte Woche keine Antwort geben. Vielmehr verstärkte sich dort der Eindruck, dass die Stadtregierung selber vergessen hat, warum sie das Theater überhaupt baut. Wie ist es sonst zu erklären, dass die Stadt in diesem Jahr zwar auf über 20 Seiten ein „Maßnahmenpaket Innenstadt“ präsentiert, das Theater dort aber mit keiner Silbe erwähnt. Deutlicher kann man nicht unterstreichen, dass man selbst nicht mehr an das Projekt glaubt und vor allem dessen Bedeutung für die Stadtentwicklung nicht versteht.“
Eine Art Schonfrist scheint Pro Augsburg Stadträtin Beate Schabert-Zeidler zumindest den neuen Architekten einzuräumen: „Das neue Architekturbüro und die neue Projektsteuerung bekommen einen Vertrauensvorschuss, damit die Theaterbaustelle endlich in ruhiges Fahrwasser kommt (…). Zeit- oder Kostenprobleme dürfen nicht mehr überraschend präsentiert werden“, so das Mitglied des Bauausschusses.
Auch zu den Schadstoffen äußert sie sich: „Dass in einem Gebäude dieses Alters Schadstoffe auftreten können, überrascht uns nicht. Ähnliche Erfahrungen wurden bereits im Rathaus gemacht. (…) Sollte es nun auch am Theater zu Schadstofffunden kommen, erwarten wir ein sofortiges, professionelles Konzept für den sicheren und zügigen Fortgang der Arbeiten. Wir sind überzeugt, dass ein erfahrenes Architekturbüro in der Lage sein muss, auch diese Herausforderung kompetent zu bewältigen – ohne Verzögerungen schönzureden und ohne die Öffentlichkeit im Unklaren zu lassen. Den juristischen Prozess zur Frage der Rechtmäßigkeit der Kündigung des vorherigen Architekturbüros bewerten wir nicht negativ. Im Gegenteil: Er schafft endlich Klarheit über Verantwortung und mögliche Fehler der Vergangenheit. Im Interesse der Bürgerinnen und Bürger darf hier nicht länger im Nebel gestochert werden. Die Stadt muss jetzt beweisen, dass sie das Heft des Handelns tatsächlich wieder in der Hand hat.“
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