Der Augsburger Thomas Schwartz (links) und Harald Lesch sprechen über die Aufgeregtheiten unserer Zeit. Foto: ZDF/Stefan Schneider

Der Augsburger Priester Thomas Schwartz hat in seiner ZDF-Debütsendung der vierteiligen Reihe „Lesch sieht Schwartz“ ein überraschendes Konzept gegen die Weltuntergangs-Hysterie präsentiert, die vor allem uns Deutsche immer wieder befällt. Titel der Sendung: „Hysterie ist auch keine Lösung“.

Mit seinem Gesprächspartner, dem beliebten Naturwissenschaftler Harald Lesch, analysiert er klug vor der Kulisse des Klosters Seeon im Chiemgau: „Die Leute werden hysterisch, von überall hagelt es Schlagzeilen. Krieg in der Ukraine, Corona-Pandemie und über allem thront die Klimakrise. Wie soll man damit klarkommen?“, fragt Lesch.

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Die Antwort gibt sich der Wissenschaftler selbst: „Ich lese nur eine Zeitung, höre einen Radiosender. Das sind die Quellen, die mich mit seriösen Informationen und Hintergründen versorgen.“

Der Augsburger Priester wundert sich, dass die Deutschen besonders hysterisch seien. Er meint: „Die deutschen Massenmedien unterstützen das.“ Nach einer Untersuchung der TU Dortmund publizierten deutsche Tageszeitungen viermal häufiger „Paniknachrichten“ als Medien in anderen europäischen Ländern.

Lesch kritisiert: „Da wird die Pforte aufgemacht zum Weltuntergang. Diese Maschinerie verunsichert die Leute mit diesem Übermaß und der Geschwindigkeit, mit der die vielen Informationen auf uns hereinbrettern.“

Der Sinnwissenschaftler Thomas Schwartz zitierte eine Umfrage, nach der sich während der Corona-Pandemie bei 32 Prozent der Deutschen der Glaube verstärkt habe. Und daraus leitet er sein überraschendes Konzept im Kampf gegen die Weltuntergangs-Hysterie ab:

Schwartz: „Glauben bedeutet auch, dass da einer ist, dem ich vertrauen kann, der sich um die Probleme kümmert. Gerade in angstvollen Situationen hoffen die Menschen auf einen, der sie hoffen lässt. Wer im Glauben einen Sinn sieht, kann nicht hysterisch werden.“

Und dann paddelt Lesch den Augsburger Sinnwissenschaftler mit dem Boot in den Sonnenuntergang von Seeon. Fast kitschig schön.

„Lesch sieht Schwartz“ – das sind 13 Minuten, in denen zwei kluge Menschen analysieren und Lösungen suchen. Lesch argumentiert als Naturwissenschaftler. Schwarz spricht als Mann des Glaubens. Das macht Spaß, ist kurzweilig und versprüht Optimismus.

Das Format passt vor allem zu Thomas Schwartz, dem Augsburger Paradiesvogel der katholischen Kirche. Er war Studentenpfarrer an der Uni Augsburg, Gemeindepfarrer in Mering, ist derzeit Hauptgeschäftsführer des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. Ganz nebenbei ist er noch Honorarprofessor, Autor und Fernsehmoderator.

Wir haben vor der Sendung mit dem Thomas Schwartz gesprochen.

Welches Verhältnis haben Sie zu dem Wissenschaftler Harald Lesch?

Schwartz: Lesch behauptet von mir, ich sei „ziemlich schlau“. Ich behaupte von ihm, er sei „ziemlich fromm“. In jedem Fall sind wir ziemlich gute Freunde, die voneinander wissen, dass jedes Treffen und jeder Gedankenaustausch eine intellektuelle Abenteuerreise ist.

Was zeichnet Ihre Gespräche mit Harald Lesch aus?

Schwartz: Der Kompass auf diesen Streifzügen durch unser gegenseitiges Wissen, Denken und Fragen ist das Vertrauen, dass der Freund dem Freunde die Wahrheit sagt, nicht um des lieben Friedens oder eines unbedingt notwendigen Kompromisses willen lügt, täuscht oder trickst, sondern mit dem Geist auch das Herz öffnet.

Ach so. Sie fordern sich gegenseitig heraus, ohne sich besiegen zu wollen..

Schwartz: Auf jeden Fall macht es Spaß und zeigt, dass ein Naturwissenschaftler und ein Sinnwissenschaftler wie ich miteinander sprechen können und das sogar mit Ergebnissen, die der andere akzeptieren kann. Man bleibt bei seinen Leisten, erklärt dem Freund aber durchaus, wie mit diesen Schuhen gelaufen werden kann – und wie man zuweilen gemeinsam einen Weg zu gehen vermag – manches Mal aber auch nicht.

Und das Ergebnis ist…

Schwartz: Der Glaube ist nicht zwangsläufig blind und weltfremd. Die Naturwissenschaft muss nicht notwendigerweise kalt und humorlos sein.

Der Augsburger Thomas Schwartz (re.) und Harald Lesch sprechen über die Aufgeregtheiten unserer Zeit. Foto: ZDF/Stefan Schneider

Die vierteilige Reihe „Lesch sieht Schwartz“ ist in der ZDF-Mediathek verfügbar. Drei weitere Folgen sendet das ZDF zu Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen und Dreikönig.

 

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