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Augsburg
Montag, 02. März 2026

Zwischen 19 und 88

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Ab Mai dürfen 60 Augsburgerinnen und Augsburger in den neuen Augsburger Stadtrat einziehen, über elf Mal so viele bewerben sich für ein solches Mandat. Auf der Liste für die Stadtratswahl werden die Wählerinnen und Wähler am 8. März genau 690 Namen vorfinden, verteilt auf 14 Parteien und Wählergruppen. 399 Männern (57,8 Prozent) stehen 291 Frauen gegenüber (42,2 Prozent).

Die verhältnismäßig – und absolut – meisten Frauen hat die V3-Partei auf ihrer Liste, es sind deren 42 bei 18 Männern. Exakt pari, 30 : 30 ist das Verhältnis bei den Grünen, zehn zu zehn ist die Liste bei WSA (Wir sind Augsburg). 29 Frauen zu 31 Männern heißt es bei „Augsburg in Bürgerhand“ und bei „Die Linke“. Rechnerisch gesehen die größten „Männerparteien“ sind Volt mit 16 Herren gegenüber fünf Frauen und die AfD mit 23 Männern bei neun Frauen. Insgesamt die meisten Männer am Start hat Pro Augsburg /FDP mit 49 Bewerbern gegenüber 11 Frauen.

Jede Partei hat bis zu 60 Kandidaten auf ihre Liste

Entsprechend der Sitzzahl im Rathaus kann jede Partei bis zu 60 Kandidaten auf ihre Liste setzen. Deren neun von 14 haben dies in Augsburg getan, die übrigen reichen von 57 (ÖDP) bis 20 (WSA, Die Partei). Neben den jeweiligen Namen und Vornamen der Bewerber enthält die Auflistung in den amtlichen Bekanntmachungen zur Kommunalwahl eine Berufsangabe und den jeweiligen Geburtsjahrgang. 47,8 Jahre (also geboren im Spätsommer 1979) zählt laut Statistik der durchschnittliche Stadtratskandidat. Ältester Stadtratsbewerber ist übrigens der 1938 geborene Josef Jacob, der auf der gemeinsamen Liste von FDP und Pro Augsburg antritt. Auf dieser Liste ist auch einer der beiden jüngsten Kandidierenden – Jahrgang 2007 – verzeichnet, Yanick Savoi. Zweiter von ihnen ist Endri Hamidi auf der Liste der Freien Wähler. Statistisch die „jüngste“ Bewerberliste ist jene von „Die Linke“ mit 33 Jahren (bei 60 Bewerbern), deren zehn zählen „U 25“. Dahingegen bringen es die 60 Bewerberinnen und Bewerber von „Augsburg in Bürgerhand“ auf ein Durchschnittsalter von immerhin 59,6 Jahren. 33 von 60 Bewerbern sind dort Ü 60, deren 14 schon Ü 70.

Was haben Maler, Maurer oder Kfz-Mechaniker gemeinsam? Diese Begriffe fehlen auf der Liste der 690 Bewerber für den Augsburger Stadtrat. Zeichen für den strukturellen Wandel in unserer Gesellschaft oder dafür, dass selbige in ihrem Beruf zu viel zu tun haben, um noch ein Stadtratsmandat zu übernehmen?

Rentner vor Studenten

Musiker und Sänger können die Augsburger genauso wählen wie Ärzte und Krankenschwestern, Ideenmanager oder Detektive. Die Liste der Beschäftigungen der Stadtratskandidaten lässt ja kaum Lücken erkennen. Statistisch gesehen dominieren zwei Tätigkeitsfelder, die ganze Gesellschaftsgruppen vereinen. „Schüler/Azubi/Student/-in“ nennen mindestens 47 Bewerberinnen und Bewerber. Sie werden übertroffen von Rentnern, Ruheständlern oder Pensionisten, deren 63 es in den nächsten Stadtrat zieht. Mit 17 Studierenden oder Schülern ist „Die Linke“ hier die Hochburg, wohingegen man diese bei „Augsburg in Bürgerhand“ oder WSA gar nicht findet. Angesichts des hohen Altersdurchschnitts von „Augsburg in Bürgerhand“ verwundert es wenig, dass dort 20 von 60 Bewerberinnen und Bewerbern Rentner oder Ruheständler als Beruf angeben.

Auffallen könnte die 15-malige Nennung der Funktion „Stadtrat“ auf der Liste der CSU (darunter die parteilose Margarete Heinrich). Dahinter verbirgt sich, dass sechs Noch-CSU-Stadträte nicht mehr zur Wahl antreten. Alle 14 amtierenden Stadtratsmitglieder (inklusive zweiter Bürgermeisterin Martina Wild) stellen sich bei den Augsburger Grünen, der zweitgrößten aktuellen Fraktion, wieder zur Wahl. Bei der SPD sind von den zehn amtierenden Stadträtinnen und -räten deren acht erneut wählbar. Drei ihrer vier aktuellen Räte stellt die AfD wieder auf – auf den Plätzen 1, 2 und 3. Die Spitzenposition bei ihren Gruppierungen haben die jeweiligen Räte von ÖDP, Gen AUX, Bürgerhand, Die Partei und V3. Bei Pro Augsburg/FDP und bei WSA reichte es für die amtierenden Räte immerhin für vordere Plätze auf der Liste. Ohne aktuelle Stadträte treten „Die Linke“ und Volt für den neuen Stadtrat an.

Achtung: Unbedingt mitrechnen

Für die Wählerinnen und Wähler gibt es bei der Augsburger Stadtratswahl einiges zu beachten. Nichts Neues, aber die Möglichkeit ist da, seinen Wahlzettel versehentlich ungültig zu machen. Entsprechend der Sitze im Stadtrat dürfen 60 Stimmen vergeben werden – auf keinen Fall mehr! Einfachste Variante: Man kreuzt oben links im Kreis neben dem Namen eine der 14 Listen an, diese erhält 60 Stimmen, die gleichmäßig auf alle Bewerber verteilt werden. Zweite Möglichkeit: „Kumulieren“. Man kann bestimmten Stadtratsbewerbern mehr Stimmen geben, indem man ihm oder ihr „einen Dreier“ oder „Zweier“ vor den Namen schreibt. Achtung: Unbedingt mitrechnen, wer mehr als 60 Stimmen vergibt, macht seinen Zettel ungültig. Man muss nicht genau alle 60 Stimmen vergeben. Manchmal hilft es den favorisierten Bewerbern, wenn außer ihnen niemand angekreuzt wird. Denn die einzelnen Kandidaten innerhalb der jeweiligen Listen sind – anders als etwa bei der Bundestagswahl – auf ihrem Listenplatz nicht unverrückbar. Sie können nach vorne oder nach hinten rutschen – und so in den Stadtrat einziehen – oder auch nicht.

Dritte Möglichkeit: „Panaschieren“. Wird so genannt, wenn jemand seine Stimmenhäufelung über mehrere Listen hinweg praktiziert. Also beispielsweise alle Lehrerinnen der CSU, SPD, FDP, Grüne…. mit einem „Dreier“ versieht – oder alle Kandidatinnen und Kandidaten aus seinem Stadtteil. Auch hier gilt: gründlich mitrechnen und spätestens bei 60 Stimmen aufhören. Wer beim Panaschieren oder Kumulieren keine Stimme verloren geben will, kann zusätzlich zu seinen ausgewählten Kandidaten oben eine Liste ankreuzen. Auf diese werden dann die übrig gebliebenen der 60 Stimmen vergeben.

Deutlich einfacher ist die Sache in Augsburg bei den Bürgermeistern

Deutlich einfacher ist die Sache in Augsburg bei den Bürgermeistern. Hier gibt es genau eine Stimme zu vergeben, wer etwas anderes macht, kann es auch gleich sein lassen. Fünf Frauen stehen fünf Männern gegenüber, darunter die beiden Amtsinhaberinnen Eva Weber, amtierende CSU-OB und Martina Wild (Grüne), Webers erste Stellvertreterin. Die beiden jüngsten OB-Kandidatinnen sind Frauen, Elisabeth Wiesholler („Die Linke“, Jahrgang 1997) und Lisa McQueen („Die Partei“, Jahrgang 1990). Komplettiert wird das Frauen-Quintett von Iris Steiner von FDP/Freie Wähler. Gäbe es nicht den 65-jährigen Roland Marcon („Augsburg in Bürgerhand“), wäre keiner der Bürgermeister-Kandidaten über 50. Florian Freund (SPD) und Roland Wegner (V3) kommen aus den 70ern, Hannes Aigner (Freie Wähler) und Andreas Jurca (AfD) sind „80er“.

Oberbürgermeister(in) ist die oder derjenige Kandidat mit der Mehrheit der rund 213.000 Stimmen. Sollte bei der Wahl am 8. März niemand 50 Prozent plus X Stimmen bekommen, ist am 22. März eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern, die die meisten Stimmen erhalten haben. Die Position des zweiten und dritten Bürgermeisters bestimmt der neugewählte Stadtrat.

FDP mit Frauenpower

Unter dem Titel „Die Kraft der bürgerlichen Mitte“ diskutierten drei bekannte FDP-Politikerinnen in Augsburg über aktuelle Herausforderungen der Kommunalpolitik. In Meikes Schmeckerei kamen Susanne Seehofer, Iris Steiner und Cornelia Böhm ins Gespräch. Seehofer ist stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Bayern und Beisitzerin im Präsidium der Bundespartei. Sie ist die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Iris Steiner tritt bei der Kommunalwahl als gemeinsame OB-Kandidatin von FDP und Pro Augsburg in der Fuggerstadt an. Cornelia Böhm kandidiert in Friedberg für das Amt der Bürgermeisterin. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Rolle der bürgerlichen Mitte sowie politische Gestaltungsspielräume auf kommunaler Ebene.

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