1.9 C
Augsburg
Dienstag, 03. Februar 2026

Riley Damiani: „Wir sind eine komplett andere Gruppe“

Must read

Die Augsburger Panther biegen auf die Zielgerade der Hauptrunde ein. Anders als in den vergangenen Jahren geht der Blick nicht bang nach unten, sondern angriffslustig nach oben in Richtung Pre-Playoffs. Einer, der maßgeblichen Anteil am Aufschwung hat, ist Riley Damiani. Mit über 25 Scorerpunkten zählt der Kanadier zu den Leistungsträgern im Team von Bill Peters. Vor der anstehenden Länderspielpause haben wir den Stürmer zum Gespräch getroffen – über verpasste Punkte, das Leben in Augsburg und seine Vorliebe für traurige Lieder.

Augsburg Journal: Herr Damiani, wir befinden uns in einer intensiven Phase der Saison, kurz vor der fast einmonatigen Pause. Wie fühlen Sie sich körperlich?

Riley Damiani: Gut, eigentlich sehr gut. Es ist natürlich eine intensive Zeit gerade, aber mein Körper ist fit. Die Zeit um Weihnachten und Neujahr war hart und sehr eng getaktet, aber jetzt ist es gut für den Kopf zu wissen, dass eine kleine Auszeit kommt.

Die Zeit um Neujahr war hart

AJ: Sportlich läuft es deutlich besser als in den Vorjahren: Zuletzt gab ein paar Siege, davor aber auch viele knappe Niederlagen in der Verlängerung. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage im Kampf um die Pre-Playoffs?

Damiani: Ich denke: So weit, so gut. Wir reihen viele gute Spiele aneinander. Lange Zeit haben wir nicht die Ergebnisse bekommen, die wir verdient hätten. Das hat sich zum Glück geändert. Davor haben wir gut gespielt, wurden aber nicht belohnt. Aber es ist eine harte Liga, jeder will gewinnen – da reicht „gut spielen“ allein nicht. Deshalb war es wichtig, jetzt endlich auch die Punkte einzufahren.

AJ: Sie sprechen die vielen Overtime-Niederlagen an. Nagt das am Selbstvertrauen?

Damiani: Das ist sicher ein Aspekt. Man verliert ein wenig das Selbstverständnis, wenn das ein paar Mal hintereinander passiert. Aber wir haben einen Plan, auch wenn er in der Verlängerung zuletzt nicht immer aufgegangen ist. Wir sind trotzdem selbstbewusst. Und man darf nicht vergessen: Es ist immer noch eine gute Sache, den Gegner überhaupt in die Overtime zu zwingen und zu punkten.

AJ: Wie geht Trainer Bill Peters damit um?

Damiani: Er hat großes Vertrauen in uns. Er haut nicht auf uns drauf oder stellt alles auf den Kopf, nur weil die Ergebnisse kurzzeitig gefehlt haben. Er weiß, dass der Prozess stimmt. Das ist als Spieler sehr ermutigend. Wir bleiben bei unserem Plan, und jetzt fangen wir an, die Ergebnisse aneinanderzureihen.

Riley Damiani: „Die Fans sind großartig, sie gehen mit uns durch alle Höhen und Tiefen“

AJ: Für die Fans ist es ein neues Gefühl: Kampf um die Playoffs statt Angst vor dem Abstieg. Spüren Sie diesen Unterschied auf dem Eis?

Damiani: Die Fans sind großartig, sie gehen mit uns durch alle Höhen und Tiefen. Natürlich haben sie das Recht, manchmal sauer zu sein – und das hatten sie in den letzten Jahren sicher oft. Aber ich denke, dieses Jahr sind wir eine komplett andere Gruppe. Wir haben viele Schritte in die richtige Richtung gemacht. Die Fans fordern uns und machen uns verantwortlich für Fehler, aber wir wissen, dass sie uns den Rücken stärken, wenn es darauf ankommt.

AJ: Sie persönlich spielen eine starke Saison, stehen bei 16 Toren. Haben Sie im Vergleich zum Vorjahr etwas verändert?

Damiani: Ich hatte im Sommer viel Reha-Training wegen der letzten Saison, mein Sommer sah also anders aus. Ich musste erst sicherstellen, dass mein Körper sich gut anfühlt, bevor ich Masse und Kraft aufbauen konnte. Aber an meinem Spielstil hat sich wenig geändert. Ich bin ein effektiver Spieler, der überall im Line-up einsetzbar ist – das ist etwas, worauf sich das Team verlässt. Und natürlich: Tore schießen macht am meisten Spaß. Besonders wenn sie helfen, Spiele zu gewinnen.

AJ: Sie gelten als sehr aggressiver Spieler mit viel Energie. Alex Grenier, der aktuell gesperrt fehlt, ist ein ähnlicher Typ. Wie sehr vermissen Sie ihn?

Damiani: Wie könnte man ihn nicht vermissen? Er ist ein extrem guter Spieler, offensiv wie defensiv. Alle reden über seinen Schuss, aber er arbeitet auch stark nach hinten. Zudem ist er Rechtsschütze am Bullypunkt – da bin ich aktuell der Einzige, der übrig ist, also muss ich in seiner Abwesenheit mehr Bullys nehmen. Insgesamt müssen wir das als Gruppe auffangen.

AJ: Dafür ist mit David Farrance ein neuer Verteidiger zum Team gestoßen. Der erste Eindruck?

Damiani: Er scheint ein guter Typ zu sein. Er ist ein technischer Verteidiger, guter Schlittschuhläufer, kann den Puck bewegen. Wenn ich als Neuer in dieses Team käme, würde ich mich auch wohlfühlen – wir sind eine sehr offene Truppe.

AJ: Sie sind jetzt im zweiten Jahr in Augsburg. Haben Sie sich eingelebt?

Damiani: Absolut. Ich habe mein Lieblingsrestaurant, „Michelangelo’s“. Ich bin oft dort und kenne Francesco Vienibene mittlerweile gut. Es fühlt sich inzwischen wie ein Zuhause an. Ich lebe schon länger allein, fern der Heimat, daher ist jeder Ort, an dem ich mich wohlfühle, mein Zuhause. Ich mag auch die deutsche Kultur.

AJ: Tatsächlich?

Damiani: Ja. Sie ist etwas… „aggressiver“ als bei uns daheim (lacht). Vielleicht nicht ganz so vordergründig freundlich, einfach anders. Aber ich komme damit gut klar. Man muss sich einfach darauf einlassen.

Riley Damiani: „Ich will die Welt sehen, wenn ich schon mal in Europa bin“

AJ: Sie haben jetzt zehn Tage frei. Geht es zurück nach Toronto?

Damiani: Nein, dafür ist die Zeit zu kurz. Ich will die Welt sehen, wenn ich schon mal in Europa bin. Ich fliege nach Dublin, dann London und Amsterdam. Mein Bruder kommt aus Kanada rüber und begleitet mich. In London besuche ich einen Freund aus Kindertagen, der dort in der zweiten Liga Eishockey spielt. Ich habe ihn noch nie als Profi spielen sehen, darauf freue ich mich sehr.

AJ: Abschließend eine Frage zu Ihrem Musikgeschmack. Als Junge aus Toronto: Drake oder Country?

Damiani: Eindeutig Country. Ich bin ein großer Fan von Zac Brown oder den Lumineers. Ich mag tatsächlich „traurige Musik“ am liebsten.

Riley Damiani: „die Nummer 13 – das ist unsere Familien-Glückszahl“

AJ: Passend dazu haben Sie ein „Domino“-Tattoo auf dem Unterarm…

Damiani: Ja, das ist eine Hommage an den Song „Domino“ von Van Morrison. Meine Mutter hat das Lied immer gespielt, als ich klein war, und es gibt Videos, wie ich dazu tanze. Wir haben uns beide dieses Tattoo stechen lassen. Und darauf die Nummer 13 – das ist unsere Familien-Glückszahl.

AJ: Die 13 gilt oft als Unglückszahl, dazu der schwarze Panther als Logo…

Damiani: (lacht) Wenn man das kombiniert, ist es wahrscheinlich sehr viel Pech, oder? Aber ich glaube nicht an so etwas. Ich bin mit drei schwarzen Katzen aufgewachsen. Wir kämpfen gegen den Aberglauben an – und hoffentlich erfolgreich um die Playoffs.

Lesen Sie auch: Pantherspieler Florian Elias im Interview: „Das wird ein gutes Jahr“

KEINE AUSGABE MEHR VERPASSEN

Erfahren Sie als Erster, wenn unser neues Magazin veröffentlicht wird – exklusiv vor allen Anderen!

- Advertisement -spot_img

More articles

- Advertisement -spot_img

Latest article