„Keiner gibt gerne zu, dass er einsam ist. Manche empfinden es als beschämend, andere erkennen es gar nicht“, erklärt Silke Behrens. Als Bankerin in der Kreditabteilung erhielt sie Einblicke in verschiedene Lebensgeschichten, geprägt von Kaufsucht, Überschuldung, Krankheit, daraus resultierender Einsamkeit und sogar Tod. Dort hatte sie ihre ersten intensiven Berührungspunkte mit dem Thema Einsamkeit.
„Als meine aktive und lebensfrohe Nachbarin krank wurde, habe ich gemerkt, wie ihr Freundes- und Bekanntenkreis zuerst immer kleiner wurde. Dann kam niemand mehr zu ihr, nicht einmal die eigene Familie“, erinnert sich Behrens. Sie kümmerte sich um die Frau und stellte fest, dass sich ihr Zustand rasch verschlechterte und sie bald starb.
„Da wird man wachgerüttelt“, sagt Behrens. „Man fragt sich, was hier in unserer Gesellschaft passiert. Instinktiv entsteht eine gewisse Angst, weil es jeden unverschuldet treffen kann.“
Aktuellen Studien zufolge fühlen sich immer mehr Menschen in der Bevölkerung einsam. Das betrifft nicht nur ältere Generationen, besonders erschreckend ist die Tendenz bei jungen Menschen. Soziale Medien und die digitale Welt täuschen Nähe in Form von Followern, Likes und Kommentaren vor, können aber keine echte Kommunikation ersetzen. Viele sind faktisch einsam, ohne es selbst zu realisieren. Einsame Menschen sind anfälliger für Krankheiten, die Selbstmordrate steigt deutlich. Bei Jugendlichen ist Einsamkeit besonders gefährlich, da sie das Interesse an Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenleben schwächt und Radikalisierung begünstigen kann.
Präventiv zu wirken und Menschen wieder zusammenzubringen.
Behrens begann zu recherchieren und nach Lösungen zu suchen. Ihr Ziel war es, präventiv zu wirken und Menschen wieder zusammenzubringen. Doch wie?
„Vereine sind ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Miteinanders, sie brauchen Helfer und dort kann man Freunde finden“, sagt sie. „In Stadtbergen gibt es für jeden etwas.“ Sie selbst ist aktives Mitglied im Veteranen- und Soldatenverein, im Partnerschaftsverein sowie in der Spielvereinigung, mit der sie regelmäßig wandert.
Beim Joggen fiel ihr auf, dass kaum noch jemand zurückgrüßt. Daraus entstand ihre erste Aktion „Sag Hallo“, inspiriert von „Säg hej“ aus Schweden. Es ist eine Einladung, andere Menschen bewusst wahrzunehmen, zu sehen und gesehen zu werden. Die Resonanz war groß, viele sprechen Behrens noch immer auf der Straße an und bedanken sich für die Initiative. Beim Joggen, sagt sie, kommen ihr bis heute viele neue Gedanken.
Ein nächstes Projekt hieß „Plauder-Bänkle“, nach dem Vorbild der „Happy to Chat Bench“ aus England. Mit Erlaubnis der Stadt ließ Behrens sechs Bänke in verschiedenen Stadtteilen von Stadtbergen mit Aufklebern kennzeichnen. Die Botschaft ist einfach: Wer hier sitzt, signalisiert Gesprächsbereitschaft.
Es folgte der digitale Adventskalender für Stadtbergen. Er sollte allen Bürgern Freude bereiten, lokales Gewerbe und Vereine sichtbarer machen und insbesondere Menschen, die sich in der Vorweihnachtszeit einsam fühlen, kleine Anlässe zur Teilnahme bieten.
„Frauenherzen schlagen anders“.
Am 6. Februar beteiligt sich Silke Behrens an der Kampagne „Frauenherzen schlagen anders“ des Healthcare Frauen e. V. zum Go Red Day. Mit einem Infostand an der Nikolaus-Apotheke in Stadtbergen möchte sie Frauen gezielt ansprechen und darauf aufmerksam machen, dass das Frauenherz besondere Aufmerksamkeit benötigt. Einsame Menschen sind nachweislich anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die die häufigste Todesursache bei Frauen darstellen.
Für das neue Jahr hat die Aktivistin bereits weitere Ideen. „Ich schaffe Anregungen und Impulse für Begegnungen und für ein Miteinander im Gespräch – von Herzen und weil es mir wichtig ist“, sagt sie. Zudem möchte sich Silke Behrens künftig auch auf kommunalpolitischer Ebene in Stadtbergen einbringen und stellt sich im März zur Wahl.
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