In Mailand kamen bei 17 Grad und Sonnenschein bereits erste Frühlingsgefühle auf, während in Augsburg tristes Winterwetter herrschte. Dajana Eitberger wäre auf dem Heimweg am liebsten umgedreht, doch im Gepäck hatte die Wahl-Augsburgerin etwas, das über das schlechte Wetter hinweghalf: eine Gold- und eine Silbermedaille. Es ist der perfekte Abschluss einer 25-jährigen Leistungssportkarriere, der emotionaler kaum hätte ausfallen können.
„Ich hätte es mir nie schöner ausmalen können“, gesteht Dajana Eitberger im Gespräch mit dem Augsburg Journal Reporter. Gemeinsam mit ihrer 20-jährigen Partnerin Magdalena Matschina hielt sie dem immensen Druck bei der olympischen Premiere des Damen-Doppelsitzers stand. „Wir waren uns bewusst, dass wir mit einer Medaille nach Hause fahren müssen. Dass es dann letztendlich Gold und Silber wird, damit haben wir nicht gerechnet“, freut sich die 35-Jährige und erzählt weiter: „Wir haben brutale Nervenstärke bewiesen, weil es uns an den Renntagen von der Nervosität her nicht so gut ging.“ Für die routinierte Eitberger schließt sich damit der sportliche Kreis, für die junge Matschina ging im ersten Anlauf ein Kindheitstraum in Erfüllung.
Selbst eine kuriose Panne auf dem neuen Gelände um die Olympiabahn in Cortina konnte das Duo nicht stoppen. „Wir waren vor dem Staffellauf in der Umkleide eingesperrt, weil die Türklinke einfach abgefallen ist“, kann Eitberger den kurzen Anspannungsmoment mittlerweile mit einem Lachen erzählen. Ein Trainer musste sie schließlich befreien, danach brachten sie einen blitzsauberen Lauf ins Ziel. Nach dem ganzen Olympia-Trubel reisten die beiden noch für ein paar Tage nach Mailand, wo sie auf der Straße teilweise von Touristen erkannt und beglückwünscht wurden. „Die Leute hatten eine regelrechte Dankbarkeit im Blick und sind uns total positiv begegnet. Das lag nicht nur am sportlichen Erfolg. Magdalena wurde auf ihr Interview angesprochen, und dass wir so sympathisch rüberkommen, das fand ich sehr nett.“
Dajana Eitberger: Wohin mit dem Edelmetall?
Wieder daheim in Augsburg stellt sich nun die drängende Frage: Wohin mit dem Edelmetall? Aktuell hängen die rund 500 Gramm schweren Exemplare an der Kinderzimmertür von Sohn Levi. Eine Dauerlösung ist das nicht, zumal sie im Deutschen Haus noch penibel darauf geachtet hatten, mit den schweren, aber leicht auseinanderfallenden Medaillen um den Hals nicht zu wild zu springen, damit nichts reißt. Bis das geplante Eigenheim in Aindling fertig ist, hätte Eitberger prinzipiell auch nichts dagegen, sie einfach komplett zu verstecken: „Ich bin nicht diejenige, die das groß präsentieren muss, wahrscheinlich würde ich sie eher in meine Unterwäscheschublade stecken und nur zu besonderen Gelegenheiten herausholen.“ Auch einen gewaltigen Empfang mit Autokorso braucht die bodenständige Rodlerin in ihrer Heimatstadt nicht. „Ein Glas Sekt im Rathaus würde mir völlig reichen.“
Mit dem nahenden Saison- und damit auch Karriereende fällt bald eine große Last von ihren Schultern. Das allererste offizielle To-do im Leben danach? „Mich von der Anti-Doping-Agentur NADA abmelden“, sagt Eitberger. Ein Klassiker unter Athletinnen und Athleten. Keine ständigen Aufenthaltsberichte mehr, kein unfreiwilliges Training im April. Stattdessen freut sich Levi, dass „Mama nicht mehr die Tasche packen muss und mehr Zeit zu Hause verbringt.“
Für den nächsten Lebensabschnitt hat Eitberger selbst derweil eine überraschende Zukunftsvision: Die Wintersportlerin zieht es ins Wasser. Sie lässt sich über eine Schwimmschule in Friedberg zur Schwimmlehrerin ausbilden – eine Idee, die bereits vor drei Jahren bei einem VHS-Kraulkurs entstand. „Ich möchte den Kids in der Region etwas zurückgeben, und Schwimmen ist enorm wichtig“, erklärt sie. Nach einem Vierteljahrhundert auf dem Eis folgt nun also das Element Wasser. Ein Kontrastprogramm – und genau der richtige Weg für eine Frau, die im Eiskanal alles erreicht hat.
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