Am heißen Wochenende Ende Juni häuften sich die Schocknachrichten: Am Starnberger See, am Chiemsee, am Lech bei Kissing, im Olchinger See verunglückten Menschen tödlich. Vergangene Woche ertrank ein Besucher aus Frankreich im Kochelsee. Schlaglichter, aber auch die Statistik zeigt einen Trend: Im Juni sind laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Deutschland mindestens 99 Menschen ertrunken. So viele wie seit 2003 nicht mehr. Die Wasserwacht Bayern zählt in der bisherigen Badesaison – Stand Anfang Juli – bereits mindestens 28 Badetote im Freistaat.
Der Landesvorsitzende Thomas Huber mahnt nachdrücklich: „Fast alle Badetoten sind Männer, mehr als die Hälfte davon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren – diese Gruppe scheint besonders risikofreudig und sorglos ins Wasser zu gehen. Wir appellieren: Überschätzen Sie die eigenen Kräfte nicht und vor allem: unterschätzen Sie Freigewässer nicht. Die meisten ertrinken in Seen und Flüssen. Wenn ich allein in einem See bin und untergehe, ist das ein tragisches Todesurteil, und wer sich überhitzt ins Wasser stürzt, nimmt Lebensgefahr in Kauf.“
Augsburg ist stolz auf seine vielen Flüsse und Seen. Gerade in den vergangenen Hitzewochen nutzten viele Bürger die Kanäle und Bäche der Stadt, um sich abzukühlen. Auch wenn das Thermometer für diese Woche gemäßigt warme Temperaturen zeigt, dürfte es viele zum Schuljahresendspurt ins kühle Nass ziehen. Was DLRG und Wasserwacht raten, damit der Badespaß zu einer ernsten Situation führt. In Schwaben ähneln die Zahlen denen in ganz Bayern: „In diesem Sommer (Erfassungszeitraum 1.5.26-13.7.26) sind in Schwaben sechs Personen ertrunken, alle von ihnen waren männlich“, teilt Huber für die Wasserwacht Bayern auf REPORTER-Anfrage mit. Drei der sechs Ertrunkenen waren zwischen 20 und 30 Jahre alt. Die anderen drei Personen waren deutlich älter (54, 76 und 85). Vier Personen ertranken in Seen, zwei in Flüssen.
Badetote in Augsburg: Lieber ab ins Schwimmbad!
Grund für Huber, seine Mahnung für ganz Bayern nochmal zu wiederholen, sich nicht selbst zu über- und die Gewässer nicht zu unterschätzen.
Die Devise lautet: Lieber ab ins Schwimmbad. „Die Wasserwacht Bayern rät davon ab, in Flüssen und Kanälen zu schwimmen, da dort starke Strömungen herrschen, die selbst für geübte Schwimmer Risiken darstellen“, betont sie auf Anfrage.
Falls man doch in einen See geht, rät sie dazu:
- Langsam ins Wasser zu gehen und den aufgeheizten Körper nicht schlagartig abkühlen.
- An bewachten Badeplätzen zu schwimmen.
- Nie allein schwimmen zu gehen und zusätzlich eine Schwimmboje mit sich zu führen. Eine solche Schwimmboje der Wasserwacht Bayern kann man zum Beispiel unter heldenshop.h-dg.de erwerben.
Die DLRG warnt
Lorenz Walther antwortet für die DLRG Augsburg/Aichach-Friedberg, die beide Landkreise und die Stadt einschließt. Die DLRG vor Ort musste erst kürzlich wieder warnen, nachdem ein 20-Jähriger im Weitmannsee in Kissing ertrunken war.
Sie verzeichnet von Jahresbeginn bis 10. Juli mindestens zehn tödliche Badeunfälle im Regierungsbezirk Schwaben. „Davon waren neun Opfer männlich, vier unter 30 Jahre alt, und vier Fälle entfielen auf den Bereich unseres Kreisverbands“, sagt Walther auf REPORTER-Anfrage. Er betont aber: „Es handelt sich um Mindestangaben, die wir aus Einsätzen und polizeilichen Meldungen zusammentragen – die tatsächliche Zahl kann höher liegen, da uns nicht alle Vorfälle gemeldet werden.“
Wie die Wasserwacht sieht die DLRG eine klare Risikogruppe bei den Ertrunkenen: „Männer verunfallen deutlich häufiger, weil sie ihre körperliche Verfassung und Schwimmfähigkeit oft überschätzen, Gefahren seltener erkennen, risikobereiter handeln und auch häufiger unter Alkoholeinfluss ins Wasser gehen. Das bestätigt auch die bundesweite Statistik, insbesondere wird der Punkt in der Sommerbilanz 2025 aufgeführt.“ Dort wird etwa deutlich: Mit einer Ausnahme waren die Opfer – und zwar deutschlandweit – männlich.
Heißt das: Das Baden draußen fällt aus Sicherheitsgründen ins Wasser? „Grundsätzlich möchten wir vom Baden in Seen und Flüssen nicht generell abraten, aber zu deutlich mehr Umsicht mahnen“, betont Walther.
Badetote in Augsburg – Die Tipps der DLRG:
- Nie allein baden gehen,
- möglichst bewachte Badestellen aufsuchen
- gerade als Schwimmanfänger große Vorsicht walten lassen, denn: „Flüsse und Kanäle sind durch Strömung, Sogwirkung und kalte Temperaturen besonders gefährlich – auch für geübte Schwimmer“, betonen die Lebensretter. „Eine sichere Alternative sind die Augsburger Freibäder: Für unter 18-Jährige ist der Eintritt während der Sommerferien (26.07.–09.09.) in Fribbe, Bärenkeller und Familienbad kostenlos. Im Fribbe- und Bärenkellerbad unterstützt die DLRG Augsburg an den Wochenenden das städtische Badepersonal mit eigenem Wachdienst.“
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