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Dienstag, 07. April 2026

Von der Theorie zur Praxis: So plant Bald-OB Florian Freund den Machtwechsel

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Die Wahlplakate verschwinden aus dem Augsburger Stadtbild, doch für Florian Freund (SPD) fängt die Arbeit jetzt erst richtig an. Am 4. Mai steht die konstituierende Stadtratssitzung an und bis dahin hat sich der künftige Oberbürgermeister einen ambitionierten Zeitplan verordnet. Im Gespräch mit dem Augsburg Journal REPORTER zeigt sich Freund pragmatisch und aufgeräumt: „Ein paar Sachen sind in den letzten Wochen im Kopf tatsächlich schon angekommen.“

Hinter den Kulissen glühen derzeit die Drähte. Freund führt Gespräche mit allen Parteien und auch einzelnen Stadträten. Sein klares Ziel: Keine klassische, starre Koalition, die sich in einer politischen Wagenburg verschanzt, sondern eine pragmatische Startmehrheit. „Es wird eine Zukunftsgemeinschaft geben, bei der man sich auf Projekte verständigt, die man braucht“, erklärt Freund.

Auf nur wenigen Seiten sollen bis Anfang Mai die inhaltlichen Kernpunkte fixiert werden, um essenzielle Dinge wie künftige Haushalte verlässlich beschließen zu können. Das bisherige Feedback der potenziellen Partner sei durchweg positiv. „Ich bin wirklich sehr optimistisch, dass wir ein neues Miteinander im Stadtrat bekommen. Ich finde es gut, dass alle mitarbeiten wollen – das ist eine schöne Erfahrung.“ Wer künftig welche Referentenposten besetzt, ist dabei noch Verhandlungssache, da die Parteien eigene Vorstellungen mitbringen. Lediglich Baureferent Steffen Kercher sitzt fest im Sattel, sein Vertrag läuft bis 2029.

Erste Amtshandlungen: Rotstift und 5-Minuten-Takt

Die ersten weitreichenden Entscheidungen sind bereits gefallen. Als eine seiner allerersten Amtshandlungen hat Freund den prestigeträchtigen OB-Sommerempfang gestrichen. Eine Maßnahme, die der klammen Stadtkasse Ausgaben im sechsstelligen Bereich erspart.

Gleichzeitig macht er Tempo bei seinen zentralen Wahlversprechen: der Fuggerpromenade, der Sanierung der Schultoiletten und dem ÖPNV. Mit Stadtwerke-Chef Rainer Nauerz hat Freund bereits über die Rückkehr des 5-Minuten-Takts gesprochen. Der Swa-Chef habe die Anregungen mitgenommen, Details müssten nun erarbeitet werden. Doch bevor die ganz großen Räder gedreht werden, warten an den ersten Tagen im Rathaus ganz profane Verwaltungsaufgaben: Wer besetzt das Vorzimmer? Wer wird persönlicher Referent?

Vor dem enormen Arbeitspensum, das nun auf ihn zukommt, hat Freund keine Angst. Zuvor leistete er eine 45-Stunden-Woche bei der Regierung von Schwaben und zusätzlich 15 bis 20 Stunden als SPD-Fraktionsvorsitzender. Das künftige OB-Pensum werde ähnlich ausfallen. Seine Familie wisse zudem, dass Wahlkampfzeiten Ausnahmezeiten sind.

Besonders wichtig ist dem künftigen Rathauschef dabei die Bodenhaftung seiner drei Kinder: „Ich glaube, meine Kinder dürfen sich nicht für was Besonderes halten, nur weil ich ihr Papa bin.“ Gleichzeitig sei es ihm wichtig, sie für die Zukunft zu wappnen, sollten sie einmal mit öffentlicher Kritik an ihrem Vater konfrontiert werden.

Florian Freund, so wirkt es, ordnet gerade nicht nur das Augsburger Rathaus neu, sondern auch sein eigenes Leben für die kommenden sechs Jahre.

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