Heizungsbauer Albert Kohl, der viele Augsburger Kunden hat, gibt im BR Spartipps. Foto: Kohl Wasser+Wärme

Seit dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine wird das Erdgas immer teurer – und knapper. Die Bundesregierung hat zum Gassparen aufgerufen Doch knapp 50 Prozent der 160.000 Augsburger Haushalte heizen mit Erdgas und müssen weiter explodierende Kosten fürchten. Wir haben die besten Erdgas-Spartipps aufbereitet, wie Augsburger mit ihren Heizungen jetzt Geld sparen können.

Wer sich am besten mit Erdgas-Spartipps auskennt, sind Heizungsbauer wie Albert Kohl, Chef der Bobinger Firma Kohl Wasser+Wärme. Kohl hat sehr viele Kunden in Augsburg. Dem Portal BR24 hat Albert Kohl seine besten Energiespar-Tipps verraten., die wir hier dokumentieren. Zudem haben wir die Tipps der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur ausgewertet. 

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  1. Tipp: Heizkurve sparsamer einstellen

Bei jeder Gasheizung ist die Heizkurve über das Display-Menü steuerbar. Sie garantiert, dass abhängig von der Außentemperatur immer ausreichend Wärme bereitsteht. Ist diese Kurve zu hoch eingestellt, wird unnötig geheizt und damit Gas verbraucht. Von kryptischen Zahlen und unbekannten Parametern sollte man sich nicht abschrecken lassen.

Heizungsbauer Kohl rät, die Parameter einfach runterzufahren. „Man kann da im Prinzip nichts kaputt machen. Auch wenn man die Parameter nicht versteht: Man kann sie einfach mal absenken. Schritt für Schritt. Und dann schauen, ob einem die Temperatur ausreicht“, empfahl er im BR.

  1. Tipp: Automatische Abschaltung optimieren

In jedem Heizungs-Menü gibt es einen Punkt, der regelt, ab welchem Temperaturmittel die Heizung automatisch abschaltet. Kohl erklärt: „Nehmen wir einen Mittelwert von 20 Grad. Wenn sie einen solchen Mittelwert haben, bedeutet das, dass ihre Heizung auch bei 25 Grad Außentemperatur läuft.“

Der Grund: Der Mittelwert ergibt sich in der Regel aus Tag- und Nachttemperatur. Das bedeutet, dass niedrige Nacht-Temperaturen hohe Temperaturen am Tag im Schnitt ausgleichen.  Der Gaskessel heizt dann auch am Tag, wenn es draußen sommerlich warm ist. Dadurch wird unnötig Energie verplempert. Bei sich zu Hause hat Kohl laut BR24 die Abschalt-Temperatur auf acht Grad gestellt.

Bei gut gedämmten Neubauten mit großen Fensterfronten kann man oft die Einstellungen der Heizung deutlich absenken, da sich die Räume durch die Sonnenstrahlung erwärmen und wenig Wärme verloren geht.

  1. Tipp: Warmwasserzirkulation abschalten

Der Augsburger Heizungsbauer sagt: „In vielen Einfamilienhäusern zirkuliert das Warmwasser ständig, damit es sofort bereitsteht, wenn man den Wasserhahn aufdreht. Aber weil ich ja nicht die ganze Zeit Warmwasser brauche, geht auch dabei ständig Energie verloren, da das Wasser ja beständig warmgehalten wird.“ Kohl empfiehlt, diese Zirkulation abzuschalten. „Dann muss ich halt mal fünf Sekunden warten, bis Warmwasser fließt.“ Das sei auch deutlich umweltfreundlicher.

  1. Tipp: Reduzierung der Wassertemperatur

 Mit einer reduzierten Wassertemperatur kann man ebenfalls Gas sparen. Heizungsbauer sind jedoch mit diesem Tipp vorsichtig. Denn eigentlich sind 60 Gerad vorgeschrieben, um möglichen Legionellen-Erkrankungen vorzubeugen. Unter der Hand empfehlen Experten aber Energiesparwilligen, diese Temperatur auf 50 Grad abzusenken. Denn das Wasser steht ja wegen des regelmäßigen Durchflusses nicht in den Leitungen.

  1. Tipp: Warmwasser sparen beim Duschen

Bundesklimaminister Robert Habeck hat in Interviews zwei Erdgas-Spartipps gegeben. Zunächst empfiehlt er den Austausch des Duschkopfes. Moderne Armaturen reduzieren den Wasserdurchfluss. Regenduschen sind Energiefresser, weil sie viel warmes Wasser fließen lassen. Habeck in einem Interview mit sarkastischem Unterton: „Das klingt immer so banal, der Energie- und Klimaminister Habeck sagt ‚Tauscht den Duschkopf aus, das spart 30 Prozent Energie. Hahaha, ein Duschkopf soll uns vor Putin retten.“ Wenn man aber die Summe sehe, komme viel zusammen. Denn in Deutschland gibt es insgesamt 40 Millionen Haushalte.

  1. Temperaturen absenken

Klaus Müller von der Bundesnetzagentur gibt ebenfalls Erdgas-Spartipps. Er empfiehlt, die Wohnraumtemperatur abzusenken, um Erdgas einzusparen. In vielen Haushalten ist die Temperatur auf 20 bis 22 Grad eingestellt. Gut erträglich sind auch 19 Grad. Müller im Interview mit RP Online: „Im Mietrecht gibt es Vorgaben, wonach der Vermieter die Heizungsanlage während der Heizperiode so einstellen muss, dass eine Mindesttemperatur zwischen 20 und 22 Grad Celsius erreicht wird. Der Staat könnte die Heiz-Vorgaben für Vermieter zeitweise senken. Darüber diskutieren wir mit der Politik.“ Nach Berechnung kann man mit der Reduzierung um ein Grad Celsius etwa fünf Prozent des Erdgasverbrauchs einsparen.

Die Heizung einfach mal runterdrehen.
  1. Gasheizungen richtig einstellen lassen

Laut Bundesminister Habeck kann man bis zu 15 Prozent des Erdgasverbrauchs einsparen, wenn etwa die Gasheizungen überprüft würden. Auch der Augsburger Heizungsbauer Albert Kohl empfiehlt Effizienz-Checks. Als Energie noch billig war, habe sich niemand wirklich um den Verbrauch gekümmert, sagt Kohl dem BR: „Die Ausweise über die Energieeffizienz, die wir bei den Kühlschränken schon lange haben, die sind bei den Heizungen erst in den letzten vier, fünf Jahren relevant geworden“, kritisiert Kohl. „Und das rächt sich jetzt.“

  1. Ersatz von Erdgasheizungen durch Wärmepumpen prüfen

Viele Kunden suchen inzwischen nach einer Alternative zur Gas-Heizung. Eine Alternative ist die Wärmepumpe. Sie nutzt die Restwärme aus der Außenluft und wird mit Strom – idealerweise mit grünem Strom aus Erneuerbaren Energien – betrieben. Auch Holzpellet-Heizungen sind eine Alternative. „Wir hatten seit Kriegsbeginn 700 Anfragen für eine Wärmepumpe oder eine Pellets-Heizung“, sagt Kohl.

  1. Energiesparen mit Haushaltsgeräten

Bei einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben 77 Prozent der Bürgerinnen und Bürger angegeben, in den vergangenen Monaten bereits bewusst versucht zu haben, Energie zu sparen. 56 Prozent senkten die Raumtemperatur ab, 45 Prozent duschten seltener oder kürzer, immerhin 13 Prozent montierten programmierbare Thermostate an ihre Heizkörper.

Beispiele: Laut Experten spart die Nutzung des Energiesparprogramms der Waschmaschine etwa 8 Euro pro Jahr. Wer beim Kochen immer den Deckel nutzt, spart jährlich 27 Euro. Den Internet-Router nachts auszuschalten, bringt 12 Euro. Für sich genommen ist das alles nicht unglaublich viel, aber es läppert sich bei 40 Millionen deutschen Haushalten – davon 160.000 in Augsburg.

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