Sebastian Priller jr., Stephanie Schmid und Leopold Schwarz (von links)

Die Meldung hat viele aufgeschreckt: Die Brauerei Oettinger aus der nordschwäbischen Gemeinde Oettingen schließt ihren Standort im thüringischen Gotha und entlässt 200 Mitarbeiter. Eine Vorlage für heimische Brauereien, die in gleicher oder ähnlicher Form von der negativen Entwicklung des Absatzvolumens im Biermarkt betroffen sein könnten? Nein, sagen „unsere“ Brauereichefs Stephanie Schmid (Ustersbacher Bier), Sebastian Priller (Riegele) und Leopold Schwarz (Schwarzbräu Zusmarshausen).

Das sagt Ustersbacher-Chefin Schmid

Es sei exakt die richtige Entscheidung in der Firma gewesen, in den 70-er Jahren zusätzlich zu den verschiedenen Bieren auch alkoholfreie Erfrischungsgetränke ins Sortiment aufzunehmen. Inzwischen, so Stephanie Schmid, dürfe man bei Mineralwasser, Limonaden und Säften nicht mehr von Randsortiment sprechen, tragen diese Getränke doch erheblich zum geschäftlichen Erfolg des Unternehmens bei. Und dann seien da noch die „kundenattraktiven Preise“ ihrer Biere, wie es Schmid nennt – in einer Zeit, wo es für manchen entscheidend ist, ob eine Kiste Bier 18 Euro koste oder 14 Euro. Ein Bier müsse sich jeder jeden Tag leisten können, „Bier darf kein Luxusartikel werden“. Das zu gewährleisten, stelle sie und ihr Team täglich vor Herausforderungen. Preiserhöhungen bei Rohstoffen müsse sie quasi Eins zu Eins an die Kundschaft weiterreichen.

Anzeige

Riegele-Geschäftsführer Priller sieht sich auf gutem Weg

Als „gastronomielastige Brauerei“ mit 60 Prozent Gastro- und Exportanteil, wie es Sebastian Priller bezeichnet, „waren auch wir schwer davon (Corona, Red.) getroffen. Dennoch sind wir aktuell auf einem guten Weg, diese direkten Auswirkungen zu überwinden“, so der Riegele-Brauereichef. Schwieriger würde es mit den „sekundären Auswirkungen wie zusammenbrechende Lieferketten und Preisexplosionen“, die auch zu einem erheblichen Teil der Coronapolitik zuzuschreiben seien.

Auch bei Riegele ist es momentan das Sortiment um das Bier herum, das erfolgreich zu wirtschaften hilft. „Seit Jahren verfolgen wir keine Volumen- oder Mengenstrategie, sondern haben frühzeitig auf echte Qualität und Genuss gesetzt. Dementsprechend sind wir nicht im gleichen Umfang wie industrielle Massenproduzenten getroffen. Dennoch sehen wir natürlich den Trend und haben folgerichtig seit vielen Jahren alkoholfreie Getränke und alkoholfreie Biere im Sortiment, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen!“ Zudem gehe Riegele konsequent den Weg der Qualitäts-Nischenstrategie nach dem Motto: Weniger ist Mehr. „Unsere Kunden sind bereit, einen Mehrpreis zu zahlen für Bier, das lange gelagert ist, mit Mineralwasserqualität eingebraut wurde, mit Spelzentrennung und Hefezählen veredelt ist und dabei ständig kontrolliert und verkostet wird.“

Leopold Schwarz verspricht: „Schwarzbräu setzt strikt auf Qualität“

Ähnlich klingt, was Leopold Schwarz für sein Unternehmen schildert: „Wir können uns diesem Trend entziehen, weil wir seit Jahren strikt auf Qualität setzen. Es gibt einen großen Anteil Kunden, die bei Lebensmitteln regionale Produkte bevorzugen und  Wert auf ausgezeichneten Geschmack legen. Wir sind Deutschlands meist prämierte Brauerei.“

Corona sei für Schwarzbräu als kleinere, mittelständische Brauerei durchaus eine Herausforderung gewesen. Die geschlossenen Wirtshäuser und ausgefallenen Feste hinterließen eine große Umsatzlücke, die sich über zwei Jahre auf einen hohen Betrag summierten. Auch im heuer könne man die Absätze des Vorjahres im Segment Gastronomie noch nicht erreichen.

Nahezu identisch klingt, was Schmid, Priller und Schwarz bezüglich ihres Personals sagen: Mitarbeiter seien quasi Teil der Unternehmensfamilie und Kündigungen seien die komplette Ausnahme. Man versuche, alle Mitarbeiter zu halten. Nicht nur das: Aktuell suchen alle drei Brauereien im Bereich Bierfahrer und allgemein in der Logistik Verstärkung.

Einig sind sich alle drei auch beim Thema Einweg- oder Mehrwegverpackungen: „Wir sind Mehrwegfans, alleine der Umwelt zuliebe. Außerdem gehört für uns eine echte Glasflasche zum Teil des Genusserlebnisses“, betont Priller.  Auch in Ustersbach gebe es keine Planungen, von Glasflaschen wegzugehen, so „Mehrwegflaschen-Verfechterin“ Stefanie Schmid. „Ich habe die Überzeugung, dass Einweg viel zu viel Abfall erzeugt und deshalb wird die Politik auch in Zukunft dieses Segment weiter einschränken“, so die Überzeugung von Leopold Schwarz.

Anzeige