Gastro-Kritik: So schmecken Asia-Burger im Wabi Sabi

„Nicht noch ein Burgerladen!“ oder „Was hat gegrilltes Rinderhack mit Kochen zu tun?“ – so oder ähnlich mag mancher Feinschmecker (vor-)urteilen, der sich von unserer Serie „Geschmackssache“ kritische Beleuchtung der gehobenen oder gut bürgerlichen Küche erwartet. Augsburgs Gastro-Szene ist aber zum Glück sehr vielfältig und so erschien es uns durchaus einen Test wert, wenn ein junger, erfolgreicher Gastronom wie Tony Chau (dessen Sushi-Restaurant Côcô sich großer Beliebtheit erfreut) mit einem ganz neuen Konzept im Wabi Sabi an den Start geht…

Ambiente ★ ★ ★ ★
Das ehemalige „Il Tartufo“ hat sich – wenn man so will – von einem alten Fiat Multipla in einen vollelektrischen Lexus verwandelt. Der Name „Wabi Sabi“ steht für das japanische Ästhetik-Konzept „Wahrnehmung der Schönheit“ – was mit gefällig dezenter Lichtführung, viel Holz und einer riesigen begrünten Mooswand als Eyecatcher ansprechend umgesetzt wurde. Auch im Außenbereich sitzt man am Hinteren Perlachberg angenehm beschattet in einer schönen Wohlfühl-Oase.

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Essen ★ ★ ★
Asian-Fusion und Burger – dieser ungewöhnliche Mix, macht natürlich neugierig, ob das Wabi Sabi da wirklich etwas Neues zu bieten hat. Der erste Blick auf die Karte verrät es bereits: Das könnte klappen! Aber der Reihe nach: Als Vorspeise bestellten wir den Mango Salat (€ 6,40), der mit Koriander, Erdnüssen und hausgemachter Vinaigrette ein fruchtig-ansprechendes Geschmackserlebnis bot. Die zweite vegetarische Kleinigkeit namens „King Mushroom“ (€ 5,90) setzte mit kleinen gegrillten Kräuterseitlingen an einer süßlichen Teriyaki Sauce auf Rucola- und Rote Beete-Blättern mit sehr intensiven Bitterstoffen auf einen Aromen-Kontrast, der uns irgendwie nicht ganz harmonisch erschien. Nun aber zu den Burgern: Zunächst einmal ist beachtlich, dass man konsequent auf Top-Fleischqualität von Fleckvieh, Limousine & Angus Beef aus dem Altmühltal setzt. Die smashed Patties werden dank kurzer Transportwege frisch und nicht als TK-Ware verarbeitet. Die von uns getestete Top-of-the-Line-Variante „Mr. Myagi“ (€ 18,90) mit frischem Trüffel, Manchego- und Cheddar-Käse, Tomaten, gegrillten Zwiebeln und Kräuterseitlingen sowie Trüffel-Mayo überzeugte uns jedenfalls auf ganzer Linie – und machte auch neugierig auf günstigere Burger mit „asian touch“ wie den „Korean Cheezy Smash“ (€ 12,90) u.a. mit Kimchi oder den Chili-Mango-Burger (€ 13,50). Angerichtet wird übrigens völlig schnörkellös und zu diesem Understatement passt auch, dass die hausgemachten Buns nicht überdimensioniert, sondern eher dezent ausfallen. Spannend ist die Tatsache, dass im Wabi Sabi stets kreativ weiter experimentiert wird und folglich jeden Monat neue Speisen und Burger auf der Karte stehen. Das zweite Gericht, die „Lost Monk“ Bowl (€ 13,90) mit fluffig-gebackenem Tofu mit Saisongemüse, Cashewkernen, Wildkräutern, cremiger Erdnuss-Sauce und Sesamreis war schmackhaft, aber bot bei weitem nicht den Wow-Effekt des Burgers. Zum Dessert verzichteten wir auf den landauf landab hinlänglich bekannten „Black Sticky Rice“, der – die Analogie möge erlaubt sein – so etwas wie die „Panna Cotta der Asia-Restaurant Desserts“ ist. Stattdessen bewies ein hausgemachtes Schokoladen-Soufflé (€ 7,90), dass auch bei den Desserts Wert auf Qualität gelegt wird.

Trinken ★ ★ ★
Eine umfangreiche Auswahl an hausgemachten Limonaden, alkoholischen und nicht alkoholischen Cocktails macht das Wabi Sabi auch für den Barbesuch spannend. Tipp: vorher lieber fragen, welche der Drinks nicht so süß sind! Die Weinauswahl ist etwas bescheiden; der einzig offen ausgeschenkte Weißwein, ein Grauburgunder vom Weingut Thörle (€ 6,80 / 0,2l) ist immerhin ein passabler Alltagstropfen.

Service ★ ★ ★ ★
Problemlose Online-Reservierung, ein gut gepflegter und übersichtlicher Internetauftritt – das passte alles. Der Service vor Ort war freundlich, flink und sehr professionell.

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