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Augsburg hat keine Angst vor Kunst-Dieben

Wertvolle Objekte – wie auf unserm Archivbild in der Sonderschau „Zarensilber“ im Maximilianmuseum sind laut Museumschef Thomas Elsen für Ausstellungen im Original unverzichtbar, selbst wenn sie im Visier von Kunsträubern stehen könnten.

Das grüne Gewölbe in Dresden, die Goldmünze im Berliner Bode-Museum, zuletzt der Kelten-Goldschatz in Manching: Rücksichtslose Räuber versetzen die Kunstszene in Unruhe. Muss man sich auch in der Region Sorgen machen, vor jeder Kirche, jedem Museum eine Zugbrücke bauen?

Manchinger Kunstraub: Kirche und Museums-Chef bleiben gelassen


„Über die Sicherheit wird bei uns ständig nachgedacht und es wird technisch optimiert, unbenommen aktueller Anlässe wie dem Manchinger Raub. Einen aktuellen Stand fordern ja auch Leihgeber und Versicherungen von uns“, erklärt Thomas Elsen, stellvertretender Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Die unterschiedlichen räumlichen Situationen der einzelnen Häuser erforderten individuelle Maßnahmen, die permanent im Rahmen realistischer Möglichkeiten überprüft würden.
Zwiespältig steht Elsen der Idee gegenüber, bestimmte Kunstwerke öffentlich nur noch in Form von Kopien auszustellen, um die vor Dieben, aber auch Beschädigung zu schützen. „Kopien – die es ja im Einzelfall seit langem gibt – als Gesamtkonzept sind in unserer Museums-Praxis so wenig realistisch, wie es wäre, den eigenen Hausstand kopieren zu wollen, um ihn vor Diebstahl, Vandalismus oder Brand zu schützen“, so Elsen. „In welche Depots würden Sie denn vollständige originale Museumsbestände verlagern wollen und welche Produzenten sollten innerhalb welcher Zeitspannen derartiges vornehmen?“ Für originale Artefakte gebe es keinen Ersatz, gerade das mache ihre Einzigartigkeit aus. „Museen sind nicht Requisitenwerkstätten von Theatern, sondern Orte des Authentischen. Ihre Strahlkraft reicht von der Antike bis zur Gegenwart.“


Elsen weiter: „Es ist nicht so sehr die Frage, was man Museumsbesuchern bei der Präsentation von Kunst und ihren Kontexten zumuten kann, sondern was unsere Verantwortung ist. Würden wir zu reinen Schausammlungen mehr oder weniger gut gemachter Fakes, wären wir schnell in einer Ersatzwelt. Die existiert in vielen Bereichen unserer Gesellschaft ja schon, ist aber genau das Gegenteil von Museum.“
Relativ entspannt gesehen wird die Thematik bei der Kirche, wie Bistumssprecher Nicolas Schnall berichtet. „Die Zahl der Diebstähle an kirchlichem Kunstgut oder von Einbrüchen in Kirchen ist in unserem Bistum seit Jahren eher gering: Es gibt bistumsweit etwa 2.050 Kirchen, hinzu kommen noch über 2.100 Kapellen und Bildstöcke, die sich teilweise in Privatbesitz befinden. Pro Jahr sind es bezogen auf die große Anzahl unserer Kirchen nur einige wenige Fälle.“


Die Schadenssummen der Einbrüche habe in den vergangenen Jahren meist im niedrigen und mittleren dreistelligen Bereich gelegen. Höhere Schadenssummen – im mittleren vierstelligen Bereich – gab es nur sehr selten, sie betrafen vor allem die Beschädigung von Türen. Bei rund zwei Dritteln aller Einbrüche oder Diebstahlversuche handle es sich um Opferstockdiebstähle. Diese kamen auch schon vor Jahrhunderten vor. Die schlimmste Zeit der Kirchen-Kunstdiebstähle sei zwischen dem Ende der 1960er und den frühen 1980er Jahren gewesen. Seitdem sei die Nachfrage nach Heiligenfiguren und Ähnlichem auf dem Kunstmarkt stark zurückgegangen. Preise, wie sie um 1980 im Antiquitätenhandel zu erzielen waren, sind heute nicht mehr ansatzweise denkbar. Nur Werke sehr berühmter Künstler erzielten auf dem Kunstmarkt hohe Erlöse, aber auch nur bei stimmiger Provenienz. Das Risiko, dass gestohlene Werke zudem über die Kunstfahndung entdeckt würden, sei hoch.


„Ein Großteil der Kunstwerke unserer Kirchen ist inzwischen über Alarm- oder mechanische Sicherungen gut geschützt. Außerdem ist genügend legales Kunstgut auf dem Markt, sei es wegen des Generationenwechsels nach dem Tod von Sammlern, sei es aufgrund der Schließung von Klosterstandorten. Alarmtechnik hat sich somit als effektiver Schutz gegen Diebstähle bewährt.“ Zudem verfügten Pfarrkirchen und Pfarrbüros in der Regel über Tresore, in denen die wertvollsten Kelche und ähnliche Stücke gut verwahrt seien. „Auf den Punkt gebracht: Die Funktion von Kunstwerken als Glaubenszeugnisse und Objekte der Verkündigung ist ein so gewichtiges pastorales Anliegen, dass nicht alles aus übergroßer Sorge vor etwaigem Diebstahl im großen Stil weggesperrt werden darf“, so der Bistumssprecher.

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