Der Augsburger Pfarrer Thomas Schwartz ist Chef des Osteuropa-Hilfswerks „Renovabis“. Bei Projektpartnern in Slowenien passierten die sexuellen Übergriffe

Viele kennen ihn als „TV-Pfarrer“ aus dem ZDF („Lesch sieht Schwartz“), als umtriebigen Gemeindepriester (zuletzt in St. Michael in Mering) oder gefragten Buch-Autoren. Seit einigen Wochen kämpft der berühmte Augsburger Geistliche Prof. Dr. Thomas Schwartz als Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks „Renovabis“ der Katholischen Kirche an einer Front, die ihn tief erschüttert: „Ich versuche alles zu tun, um die Aufklärung der Vorwürfe schweren sexuellen Missbrauchs gegen einen früheren Projektpartner voranzutreiben!“
Es geht um den aus Slowenien stammenden Jesuiten-Pater Marko Ivan Rupnik (68). Nach innerkirchlich als „glaubwürdig“ festgestellten Ermittlungen soll der renommierte Mosaik-Künstler und in Rom zu den wichtigsten Beratern vatikanischer Behörden zählende geistliche Leiter der Loyola-Gemeinschaft Ljubljana jahrelang sexuell sowie psychisch bis zu 21 Nonnen missbraucht haben.


Den Stein ins Rollen brachte eine heute 58-jährige Ordensschwester in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Domani“. Die Nonne schilderte, von dem Jesuiten-Pater zu Küssen und sexuellen Handlungen gedrängt worden zu sein. Es habe Sex zu dritt gegeben und gemeinsames Anschauen von Pornofilmen. Die Begegnungen soll Rupnik spirituell „als Ritual nach dem Bild der Dreifaltigkeit frei von Besitzansprüchen“ verklärt haben.

Von Papst Franziskus als Künstler gewürdigt, jetzt wegen sexuellen Missbrauchs im Kreuzfeuer: Jesuitenpater Marko Ivan Rupnik (rechts). Beide sind übrigens Brüder der Ordensgemeinschaft der Jesuiten.

Nach den kurz vor Weihnachten veröffentlichten Medienberichten über die bis ins Jahr 1993 zurückliegenden Missbrauchsfälle reagierte der Jesuitenorden mit Details. So sei Rupnik 2019 kirchenrechtlich mit der Exkommunikation bestraft worden, die jedoch im Mai 2020 schnell wieder aufgehoben wurde. Zuständig für solche Entscheidungen ist der Papst. Ob es dabei vielleicht eine Rolle gespielt haben könnte, dass Papst Franziskus, der Rupniks künstlerisches Schaffen u.a. im Vatikan, in Lourdes und Fatima nach einer Privataudienz im Januar 2022 freundschaftlich würdigte, ebenfalls Ordensmitglied der Jesuiten ist?

Eine 2021 eingeleitete Untersuchung erklärte jedenfalls im vergangenen Herbst die Taten überraschend für verjährt, was sogar im Jesuitenorden zu Verwunderung geführt haben soll. Hier verweist man auf die Auflagen gegen Rupnik, dem sowohl die Abnahme der Beichte noch andere geistliche Übungen kirchenrechtlich untersagt worden seien. Weiterhin sichert man den Opfern offiziell „Einfühlungsvermögen und tatkräftige Hilfe“ zu.
Bei Renovabis ist die Enttäuschung besonders groß, weil es in seinen Anfangsjahren Rupnik als Kunst-Wissenschaftler mit Stipendien für junge Studierende aus Osteuropa am Institut Aletti nachhaltig gefördert hat. Als früherer Projektpartner der Communitas Loyola, deren Exerzitienhaus als Ort des mutmaßlichen Missbrauchs bezeichnet wird, war man beim Hilfswerk ahnungslos. Pfarrer Schwartz: „An einem offenen Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt führt kein Weg vorbei“. Weshalb er ein „Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt“ installierte, das auch die Partner in die Pflicht nimmt. „Wir versuchen mit Nachdruck dafür zu sorgen, dass die Stipendiaten zwischen 1993 und 1995 kontaktiert werden“, so Thomas Schwartz über die Aufklärungsarbeit. Auch könnten weitere Straftaten Rupniks ans Licht kommen.

Augsburg Journal: Wie der Augsburger Pfarrer Thomas Schwartz die Weltuntergangs-Hysterie bekämpft