Was Augsburger Geistliche zur neu entbrannten Diskussion sagen

Der Zölibat sorgt immer wieder für kontroverse Debatten. Was bedeutet er genau – und gibt es Ausnahmen? Mann kann – sogar als katholischer Priester – tatsächlich auch verheiratet sein.
Das Thema ist wieder aktuell – dank Kardinal Reinhard Marx. Er hat dieser Tage Lockerungen des Zölibats befürwortet: „Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet“, wird der Erzbischof von München und Freising zitiert. Marx, der auch Friedenspreisträger von Augsburg ist, hat damit die Debatte um dieses Reizthema wieder entfacht.

Kardinal Reinhard Marx

Doch was ist das Zölibat genau? Gilt es nur für die katholische Kirche? Gibt es Ausnahmen? Wie sehen und erleben es Priester, amtierende und ehemalige, katholische und evangelische?
In der evangelischen Kirche stellt sich die Zölibats-Frage auf den ersten Blick nicht; hier sind Pfarrer nicht selten verheiratet – wie etwa Stadtdekan Michael Thoma: „In der evangelischen Kirche ohne Zölibat entscheiden Pfarrerinnen und Pfarrer individuell über ihr Lebensmodell. Dabei ist Ehe ebenso eine Option wie Ehelosigkeit. Ich persönlich habe mich für die Ehe entscheiden und bin damit sehr glücklich, auch wenn es im Alltag nicht immer leicht ist, Dienst und Familie unter einen Hut zu bringen.“
Das frühere Erfolgsmodell „evangelisches Pfarrhaus“ funktioniert unter den heutigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, bei denen die Frau kaum mehr hauptberuflich Pfarrfrau sein kann, leider auch nicht mehr richtig. Scheidungen von Pfarrers-Ehen sind nicht selten. Trotzdem führte die Option, als Pfarrer verheiratet sein zu können, nicht selten zu Übertritten von katholischen Priestern zum evangelischen Glauben. Im Dekanat Augsburg weiß man allerdings von keinen Geistlichen, die wegen des Zölibats vom katholischen zum evangelischen Glauben gewechselt haben.

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