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Depressionen & Spielsucht

Martin Hinteregger gibt Einblicke in einem Buch

Der skandalträchtige Wechsel von Ex-FCA-Spieler Martin Hinteregger zu Eintracht Frankfurt endete in einem großen Knall. Es schepperte richtig zwischen ihm und dem damaligen Trainer Manuel Baum, den er nach einer Niederlage im TV öffentlichkeitswirksam kritisierte: „Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen.“ Hinteregger wurde bestraft und anschließend freigestellt.
Doch der, viele behaupten, erzwungene Wechsel hinterließ auch bei ihm tiefe Spuren, wie er jetzt bei der Präsentation seines Buches „Innensicht“ verriet. „Als der Wechsel war, als viel auf mich eingeprasselt ist, als ich auch viel Mist gebaut habe selber, bin ich schon kurz in eine Depression gefallen“, so der 28-Jährige wörtlich auf der Pressekonferenz. Es sei wirklich alles dunkel gewesen um ihn, „selbst jeder Ton war zu viel, alle Geräusche“.
„Baum faltete mich vor der Mannschaft zusammen”, erinnert sich Hinteregger im Interview mit Sport 1: „Schimpfwörter flogen durch den Raum. Vielleicht hätten wir eine Nacht drüber schlafen müssen, dann wäre unsere beiden Reaktionen wahrscheinlich anders ausgefallen. Das müssen wir uns beide ankreiden”, gibt er weitere Details über die Eskalation preis.
Doch was hat Hinteregger bewogen, sich als Autor zu versuchen? Die Initialzündung beschreibt er so: „Das Thema Spielsucht, durch dieses Thema bin ich draufgekommen. Ich habe es beinahe selbst erlebt, wie ich da reingerutscht bin“.
Das Glücksspiel habe ihn regelrecht angezogen. Immer und immer mehr. „Der Zeitpunkt kam, an dem ich allein ins Casino ging. Drei Mal die Woche. Auch tagsüber”, wird Hinteregger zitiert. Indem er diese Geschichten erzähle, hoffe er, anderen Menschen zu helfen, Probleme besser zu meistern oder sie zu überwinden. Er wolle zeigen, dass es Fußballern auch nicht immer nur gut geht, dass sie auch Schattenseiten hätten. Sein Rat: „Fresst nicht alles herein, wie ich es getan habe, sondern sucht Hilfe.“
Ein weiteres denkwürdiges Kapitel nimmt seine Erfahrung als Kindertrainer beim TSV Haunstetten ein, bei dem er zwischenzeitlich die U9 betreut hatte: „Was ich da erlebt habe, wie viele Väter, wie viele Eltern, Kinder kaputt machen, die auf dem Weg zum Profi sind“, äußert er sich bei der Präsentation kopfschüttelnd. Der Druck, der bereits in jungen Jahren aufgebaut würde, sei deutlich zu hoch, eine Erfahrung, die er zum Glück beim eigenen Vater nie machen musste.
Auf die von ihm trainierte Kindermannschaft habe das zwar nicht zugetroffen, sichtbar schockiert zeigte er sich jedoch über die Verhältnisse in so mancher gegnerischen Mannschaft, die in dieser Klasse zum größten Teil aus der Region stammen. „In meiner eigenen Zeit in der Akademie war ich nie der beste Spieler, aber ich hab es immer mit Spaß gemacht, nie mit Druck“, so Hinteregger über Erfahrung als aufstrebender Profi.
Viele seiner jungen Mitspieler seien hingegen völlig fertig gewesen, weil ihre Eltern es mit dem Ehrgeiz komplett übertrieben hätten. Abschließend gibt Hinteregger zu Protokoll: „Ich habe auch Fehler gemacht, lernt aus meinen Fehlern.“ mk

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