Der Wintertransfermarkt ist bekanntlich nicht der einfachste. Dort Spieler zu bekommen, die direkt weiterhelfen und die Mannschaft stabilisieren, stellt Trainer und Sportdirektoren vor große Herausforderungen. Mit der Verpflichtung von Kristijan Jakic ist Marinko Jurendic aber genau das gelungen. Der Kroate entwickelte sich direkt zum Stammspieler und ist mittlerweile eine der tragenden Säulen der Mannschaft. Sportreporter Johannes Kaiser traf sich zum Interview mit dem Neuzugang.

Augsburg Journal: Wie waren die ersten Wochen seit Ihrem Wechsel zum FC Augsburg?

Kristijan Jakic: Um es mit einem Wort zu sagen: super! Es läuft bislang sehr gut für mich. Das Wichtigste ist, dass ich hier viel spiele und ein tolles Team um mich herum habe. Bislang habe ich nur Positives zu meiner Zeit hier zu sagen.

AJ: Hatten Sie, bevor Sie gekommen sind, eine andere Vorstellung vom Verein gehabt?

Jakic: Nein, ich verfolge die Bundesliga ja schon länger und wusste, was mich hier erwarten würde. Der Spielstil passt ideal zu meiner Spielweise. Es ist sehr intensiv, man muss viel rennen, um jeden Ball kämpfen, das gefällt mir gut.

„Augsburg ist eine wunderschöne Stadt“

AJ: Wie haben Sie sich in der Stadt eingelebt?

Jakic: Es ist eine wunderschöne Stadt. Sie ist sehr sauber und es gibt nicht ganz so viele Menschen wie in Frankfurt, das kommt mir entgegen. Ich mag es nicht, wenn so viel los ist überall. Außerdem sind die Menschen hier sehr freundlich.

AJ: Wer hat Ihnen die Eingewöhnungsphase besonders leicht gemacht?

Jakic: Ganz klar Dion Beljo. Er kommt wie ich aus Kroatien und hat mir sehr geholfen. Aber auch Demi (Ermedin Demirovic Anm. d. Red.) ist ein Ansprechpartner für mich. Allgemein ist es natürlich einfacher, sich mit den Spielern aus dem Balkangebiet zu unterhalten, weil sie die gleiche Sprache sprechen.

AJ: Wie würden Sie sportlich die Phase bewerten, in der sich der FCA aktuell befindet?

Jakic: Ich denke, wir könnten noch mehr Punkte haben. Klar hatten wie in den vergangenen Wochen einige schwere Spiele, aber wir müssen weiter nach vorne schauen. Die schlechten Leistungen müssen wir abhaken und uns weiter steigern.

AJ: Als Abräumer vor der Abwehr haben Sie seit Ihrer Ankunft fast jede Minute gespielt, was bedeutet Ihnen das Vertrauen des Trainers?

Jakic: Das bedeutet mir sehr viel. Denn wenn der Trainer an dich glaubt, gibt das Selbstvertrauen. Natürlich bin ich nach sechs Monaten, in denen ich kaum gespielt habe, noch nicht bei 100 Prozent. Das wird noch etwas Zeit brauchen, bislang bin ich aber sehr zufrieden mit meiner Leistung. Klar hat man auch mal ein schwächeres Spiel, aber ich bin wie die gesamte Mannschaft auf einem guten Weg.

AJ: Worin wollen Sie sich noch verbessern?

Jakic: Ich will definitiv noch fitter werden, da bin ich aktuell noch nicht komplett da, wo ich sein möchte. Aber auch im Spielaufbau kann ich mich noch steigern, dass ich so schnell wie möglich unsere Stürmer oder Flügelspieler bediene. Aber insgesamt bin ich mit meiner aktuellen Verfassung zufrieden.

AJ: Gegen Mainz war das erste Spiel, in dem der FCA unter Thorup seine Leistung nicht auf den Platz bringen konnte. Woran lag das?

Jakic: Ich glaube, wir haben in den Wochen davor starke Leistungen gezeigt, unter anderem mit großem Kampf einen Punkt gegen Leipzig geholt. Uns hat in Mainz etwas die Energie gefehlt. Da hatten wir zu viele leichte Ballverluste in den ersten Minuten und haben die Kontrolle abgegeben. Natürlich waren die Mainzer unter dem neuen Coach besonders motiviert, trotzdem gibt es nicht den einen Grund für mich, warum wir unsere Leistung nicht auf den Platz bekommen haben. Im Vorfeld haben wir noch darüber gesprochen, dass eine Standardsituation alles entscheiden kann. Das ist passiert, sie haben ihre Chance genutzt und wir hatten auch etwas Pech mit zwei Schiedsrichterentscheidungen, wo der VAR nicht eingreift. Aber am Ende des Tages war es nur ein Spiel und das sollte unserer gesamten Entwicklung nicht zu sehr schaden.

Kristijan Jakic: Man darf nicht sauer sein, wenn man mal nicht spielt

AJ: Beim FCA herrscht im Mittelfeld ein großer Konkurrenzkampf, auch Niklas Dorsch, Arne Maier und Tim Breithaupt sind Kandidaten für Ihre Position, wie erleben Sie diesen?

Jakic: Dorschi (Niklas Dorsch d. Red.) war, als ich gekommen bin noch leicht verletzt, konnte nicht spielen, deshalb durfte ich seit meiner Ankunft direkt spielen. Am Ende liegt es an uns beiden und vor allem am Trainer, wer spielt. Da darf man nicht sauer sein, wenn man mal nicht spielt, sondern muss im Training alles geben und sich seinen Platz in der Startelf verdienen. Wenn der Coach einem dann vor dem Spiel mitteilt, man darf doch nicht von Beginn an spielen, muss man das akzeptieren.

AJ: Welche Ziele haben Sie noch in Ihrer Karriere?

Jakic: Ich bin Eintracht Frankfurt dankbar, dass sie mich im Winter hierher ausgeliehen haben, wo ich mehr Chancen auf Spielzeit habe. Denn mein großer Wunsch ist es, im Sommer bei der EM mit Kroatien dabei zu sein. Deshalb hoffe ich, dass ich eine gute Rückrunde spiele und mir die Nominierung verdienen kann.

AJ: Sie sind aktuell von Frankfurt ausgeliehen an den FCA, es gibt aber eine Kaufoption, würden Sie sich wünschen länger hierzubleiben?

Jakic: Länger zu bleiben, kann ich mir gut vorstellen. Wie gesagt, mir gefällt die Stadt, die Leute innerhalb des Vereins und das Team. Mein erster Monat hier war super, doch am Ende werden die Gespräche mit den Clubs entscheiden, wie es mit mir weitergehen wird. Wir werden sehen.

AJ: Was kann man sich beim FCA von Frankfurt ein wenig abschauen, um eine ähnliche Entwicklung zu nehmen?

Jakic: Bevor ich mich für den Wechsel entschied, habe ich in den Gesprächen mit dem Trainer und dem Sportdirektor gesagt, dass ich nicht herkomme, um 12. oder 13. zu werden. Ich möchte am liebsten um die europäischen Plätze kämpfen. Egal welcher das ist, ob Europa League oder Conference League. Wir brauchen Ziele in dieser Saison, allein in der Liga zu bleiben, ist nicht genug. Klar war die Erwartungshaltung in Frankfurt mit dem Europa-League-Sieg 2022 und der guten Champions-League-Saison noch einmal etwas höher. Dafür ist der Druck dort auch höher. Hier möchten wir einfach bis zum Ende der Saison so viele Punkte wie möglich holen und dann schauen wir mal, wo wir stehen.

AJ: Was sind Sie für ein Typ abseits des Fußballplatzes?

Jakic: Ich gehe sehr gern ins Café und mag es einfach in der Sonne zu sitzen und einen Kaffee zu trinken. Außerdem gehe ich sehr gern spazieren, vor allem am Fluss.

AJ: Wenn Sie sich in vier Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Jakic: Schüchtern, ruhig, total anders auf dem Rasen und aufrichtig.

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