Augsburg hatte die Wahl. Und hat davon deutlich Gebrauch gemacht. Die Niederlage der Amtsinhaberin Eva Weber gegen ihren Herausforderer Florian Freund ist nur zum Teil überraschend. Die nachhaltig grünen Beschlüsse der vom kleineren Koalitionspartner getriebenen CSU-Oberbürgermeisterin haben seit langem die schwarze Stammwählerschaft irritiert. Ganz abgesehen vom nervigen Schönreden Millionen-teurer städtischer Fehlentscheidungen.
Trotz großer Verluste ist die CSU immer noch größte Fraktion im Stadtrat – Grünen droht das Aus
Es dauerte 18 Jahre, bis die SPD den OB-Sessel zurückerobern konnte. Die Führung ist neu, doch die Aufgaben bleiben die alten. Und was für Aufgaben! Zum einen ist die CSU im Stadtrat trotz empfindlicher Stimmenverluste immer noch die größte Fraktion und wird voraussichtlich mitregieren und das Amt des zweiten Bürgermeisters bekommen (Favorit: Ordnungsreferent Frank Pintsch). Dass die SPD mit den Grünen koaliert, gilt als unwahrscheinlich, nachdem namhafte Mitglieder am Wahltag verdeckt und offen für Eva Weber geworben haben sollen. Bereits im Vorfeld war Grünen-Bürgermeisterin Martina Wild ins Kreuzfeuer geraten, die den WSA-Unterstützern der SPD fälschlich antisemitische Tendenzen unterstellte.
Es bedarf Ergänzungen des Wahlprogramms
Während Florian Freund im Wahlkampf als wichtigste Ziele den Fünf-Minuten-Tram-Takt, saubere Schultoiletten und einen blühenden Fugger-Boulevard genannt hatte, bedarf seine aktuelle Prioritätenliste wohl wesentlicher Ergänzungen.
Als da sind: Zum Beispiel eine Bauinitiative für Sozialwohnungen, Bürokratie-Abbau in der Verwaltung, Förderung der Wirtschaft, Kostenkontrolle bei der seit zehn Jahren Neverending-Theatersanierung, Bäder-Neubau, die Kongresshalle ohne Parkplatz und, was ganz wichtig ist, die dringende Klima-Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden Landkreis.
Viele Probleme gelten dabei als Chefsache. So sollte bei der Berufung neuer Stadtreferenten mehr Augenmerk auf die fachliche Qualifikation als aufs Parteibuch gelegt werden. Auch der Zuschnitt der Aufgabenbereiche ist ein Thema. Kultur und Sport in einem Referat, das passt nie und nimmer zusammen. Mit einem Kanu-Weltmeister als Sportreferent könnte man da beispielsweise überregional punkten.
Am 4. Mai werden Florian Freund und seine Regierungsriege vereidigt. Motto: „Wir wollen alles besser machen.“ Wahlversprechen oder Wahlversprecher? Warten wir’s ab. wks







