Tod an der Bushaltestelle

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Tod an der Bushaltestelle

Angeklagte gesteht die Messerattacke

Ein hitziges Wortgefecht, wildes Gerangel – und dann war „Dorschi“ tot – niedergestochen in den Abendstunden des 27. Novembers 2020 an einer Bushaltestelle in Pfersee. Er wurde nur 28.
„Ich wollte ihn nicht töten“, beteuert Fabienne K. jetzt vor Gericht und gesteht die Bluttat. 19 Jahre war die Angeklagte damals. Sie trägt einen „großen Rucksack mit Problemen“ in ihrem noch jungen Leben, so ihr Verteidiger Werner Ruisinger. Der Mordprozess vor der Jugendkammer des Landgerichts läuft unter Vorsitz von Richter Lenart Hoesch.
Fabienne K. ist schwarz-weiß gekleidet. Ihre langen, lila gefärbten Haare hat sie zu zwei Zöpfen gebunden. Sie spricht leise und monoton. Mehr Emotionen gibt es bei Zuhörer*innen. „Dorschi“ Freundin kommen die Tränen. Seine Mutter, noch immer fassungslos, will endlich wissen, warum ihr Sohn sterben musste.
Die Angeklagte schildert, wie sie an diesem Tag mit ihrem Freund und einem Kumpel an der Wertach saßen. Dabei machte eine Flasche Vodka die Runde und ein paar Joints wurden geraucht. Auf dem Rückweg sei man an der Haltestelle vorbeigekommen, wo sich Stefan D. mit Freunden aufhielt. Danach hat der Freund von Fabienne erzählt, das ihm das spätere Opfer an den Hintern gefasst habe.
Das wollte man sich nicht gefallen lassen und sei deshalb zurück zum Busstopp. Erst flogen dort Worte, dann Fäuste. Fabienne habe Panik bekommen, das Messer aus der Tasche genommen und zugestochen. Dann sei man davongerannt. Ein Messer habe sie immer dabei, da sie bereits zweimal vergewaltigt worden sei und Angst vor Männern habe. Aus der nahegelegenen Wohnung des Freundes der Angeklagten hatten sie gute Sicht auf die Haltestelle. Sie beobachteten, wie der Notarzt kam und die Polizei alles absperrte.
Nun wurde ihnen klar, dass der Mann dort unten auf der Straße wohl nicht mehr aufstehen werde. Hektisch wurde versucht, das Blut am Messer zu beseitigen. Dann ging es zu Fabiennes Wohnung in Hochzoll. Dort wurden sie später von einem Sondereinsatzkommando verhaftet. Das sei so krass gewesen, dass sie sich in die Hose gemacht habe, so die Angeklagte.
Nach Ansicht von Staatsanwalt Thomas Junggeburth ist der Angriff heimtückisch erfolgt und die Tat somit Mord. Das Urteil wird voraussichtlich Mitte August gesprochen. Es droht eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren.