Wir haben nachgefragt: Wie geht es Unternehmen in Augsburg und Schwaben?

„Die Axt am Stamm des Wirtschaftsstandorts“

Marc Lucassen Hauptgeschäftsführer der IHK:

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„Die bayerisch-schwäbische Wirtschaft befindet sich aufgrund der Energiekrise in einer gefährlichen Lage“, warnt die Industrie und Handelskammer (IHK). Viele Unternehmen seien gar in ihrer Existenz bedroht, das würde eine aktuellen Umfrage der IHK Schwaben hervor. „Der stark industriell geprägte süddeutsche Raum verspielt gerade seine wirtschaftliche Führungsposition – sowohl innerhalb Deutschlands als auch im internationalen Vergleich“, sagt Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben.

Die Umfrage-Ergebnisse seien alarmierend: Demnach gibt mehr als ein Drittel der Unternehmen an (37 Prozent), von den Kostensteigerungen bei Strom stark oder sehr stark betroffen zu sein. Beim Energieträger Gas ist es ebenfalls mehr als ein Drittel (35 Prozent). Höhere Energiekosten schlagen bei nahezu allen Befragten (98 Prozent) durch.

„Wenn wir diese Krise nicht in den Griff bekommen, werden immer mehr Unternehmen in Schieflage geraten. Wir müssen verhindern, dass sich die Energiekrise zur Axt am Stamm des Wirtschaftsstandorts Bayerisch-Schwaben entwickelt“, erklärt Lucassen. 44 Prozent der Unternehmen berichten von Ausfällen in der Lieferkette, 25 Prozent der Befragten sehen das eigene Geschäftsmodell bedroht.

Aus Sicht der Wirtschaft ist jetzt entschlossenes Handeln der Politik gefragt: „Die politisch Handelnden müssen ihre parteitaktischen Überlegungen nun hinten anstellen und sich einzig und allein auf die Lösung dieser Jahrhundertkrise konzentrieren“, betont Lucassen. Angesichts der dramatischen Lage gehe es aber nicht um kleinteilige Eingriffe, sondern um den großen Wurf, der auch vor manchen Tabus nicht Halt macht.

„Wir kämpfen jeden Tag“

Ramona Meinzer Geschäftsführerin Aumüller Aumatic:

„Durch einen extrem erhöhten Mehraufwand haben wir es geschafft, unsere aktuelle Auftragslage stabil zu halten. Der Ausblick ist sehr eingetrübt, da wir nun auf allen Ebenen vor großen Herausforderungen stehen. Absatzmärkte brechen weg (Russland/Ukraine) oder sind schwer zugänglich (China), Materialkosten haben sich vervielfacht oder Material ist zum Teil gar nicht verfügbar.

Der Fachkräftemangel verschärft sich spürbar und die Energiekostenthematik ist hinreichend bekannt. Wir kämpfen bei Aumüller jeden Tag und werden auch diese Krise als Team überstehen, aber man merkt es den Menschen an, dass die Situation ihnen an die Substanz geht und dem Entgegenzuwirken ist gerade meine primäre Aufgabe als Unternehmer.“

„Ein kleines Schiffchen auf dem großen Ozean der Krise“

Leopold Schwarz Schwarzbräu:

„Der Mangel an Kohlensäure ist aktuell der größte kritische Faktor für die Lieferfähigkeit. Damit hätte bis vor einigen Wochen keiner gerechnet. Wir benötigen die Kohlensäure, um die Bierflaschen bei der Abfüllung sauerstoff-frei zu bekommen, das ist wichtig für eine qualitativ hochwertige Abfüllung. Aktuell haben wir ausreichend Kohlensäure im Vorrat.

Wir versuchen, so weit wie möglich, unsere Bestände zum Beispiel an Etiketten, Kronkorken und anderen Gütern zu erhöhen, um auf Dauer unsere Lieferfähigkeit zu gewährleisten. Die hohen Energiekosten führen auch bei uns zu höheren Kosten. Der Preis für Kronkorken steigt um 80 Prozent, Malz wurde im Vergleich von Frühjahr 2022 zu Sommer 2021 schon um 30 Prozent teurer. Heute, im Herbst 2022 ist der Preis noch einmal um über 100 Prozent im Vergleich zum März 2022 gestiegen. Die Hopfenernte ist leider auch von der Meng her mäßig.

Wir, als Familienbrauerei Schwarzbräu, sind wie viele andere auch nur ein kleines Schiffchen im großen Ozean dieser Krise. Wir können auch nicht vorhersagen, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden.“

„Wir beschäftigen uns mit alternativen Energiequellen“

Wilhelm-Peter Ihle Landbäckerei Ihle:

„Die gestiegenen Energiekosten treffen uns wie alle anderen Bäcker bzw. Branchen sehr, da eine enorme Steigerung im Vergleich zum Vorjahr zu tragen ist. Wir sind ein energieintensiver Betrieb – in der Produktion genauso wie in den Filialen. Backen benötigt Energie – egal ob in der Produktion oder vor Ort in der Filiale.

Wir haben aber uns schon in der Vergangenheit mit dem Thema Energie auseinandergesetzt – z.B. hat unsere Produktion eine Photovoltaik Anlage auf dem Dach, welche Energie einspeist und in den Filialen haben wie ein Energiemanagement installiert um herauszufinden wann welche Energie eingesetzt werden muss.

Selbstverständlich können diese Maßnahmen nur zu einem geringen Teil die Kosten kompensieren, deshalb beschäftigen wir uns weiterhin mit dem Thema alternativer Energiequellen.“

„Die derzeitige Entwicklung ist eine große Herausforderung“

Georg Schneider Vollwertbäcker

„Die derzeitige Entwicklung stellt uns Handwerksbäcker vor große Herausforderungen. Wir sind auf die Energie angewiesen, zum Backen müssen die Öfen heiß sein. Egal ob Gas, Öl, Pellets oder Strom, die Kosten sind bereits stark gestiegen und es ist noch nicht absehbar wie weit sie noch steigen. Ebenso wirkt sich dies auf die Kosten für unsere Rohstoffe aus. Ich bin mir sicher, dass wir Bäcker auch diese Krise mit guten Ideen und Tatkraft meistern werden, aber ohne Preisanpassungen bei unseren Broten wird es nicht gehen.“

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