Auf einem Gruppenfoto im Augsburger Rathauskeller aus dem Jahr 2003 sitzen ihre Eltern bereits am selben Tisch – ohne zu ahnen, dass sich ihre Kinder einmal verlieben würden: Lucie (24) und Matthias Gentgen (31) haben sich über einen Feuerwehraustausch kennengelernt und vor kurzem geheiratet. Ihre Geschichte ist die wohl schönste, die der Austausch zwischen Augsburg und Bourges in seinem 45. Jubiläumsjahr erzählen kann.
Matthias arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in München. Die eigentlichen Austauschpartner sind die Eltern: Matthias‘ Vater Joachim engagiert sich seit rund 30 Jahren für den Austausch, Lucies Vater Sébastien ist von der Feuerwehr Bourges aus dabei.
Matthias war 2023 als Gast bei Lucies Familie untergebracht. Lucies Eltern sprachen weder Deutsch noch Englisch und holten ihre Tochter spontan zum Englisch-Übersetzen. Sie blieben in Kontakt, aus einer Freundschaft wurde eine Fernbeziehung, die Krankenschwester zog 2024 nach Deutschland und lernte Deutsch.
„Das hatten wir noch nie“, erinnert sich Matthias an die Reaktionen der Feuerwehrkameraden. Anfangs sei noch die Befürchtung da gewesen, dass die Freundschaft der Feuerwehren komisch wird, falls die Beziehung scheitert. „Mittlerweile ist das eigentlich alles cool. Und sie haben sich auch sehr gefreut, dass wir dann geheiratet haben.“ In zwei Jahren feiert das Paar noch mal groß in Frankreich – die beiden Feuerwehren sind natürlich eingeladen.
Feuerwehraustausch – seit 1982
Seit 1982 reisen die Feuerwehrleute regelmäßig zwischen Augsburg und Bourges (übrigens eine der Kulturhauptstädte Europas 2028) hin und her. Viele Teilnehmer kennen sich seit Jahrzehnten. Oft erleben sie die Städte abseits von Touristenhighlights, wie bei privaten Führungen auf einem Weinberg, schwärmt Matthias.
Am Jubiläumswochenende diesen Juni wurden die französischen Gäste im Rokokosaal der Regierung von Schwaben empfangen, berichtet Ulrich Litzel von der Freiwilligen Feuerwehr Göggingen. Eine Führung durch das UNESCO-Welterbe „Augsburger Wassermanagement-System“, ein gemeinsames Abendessen, ein Ausflug zum Walchenseekraftwerk in Kochel am See sowie Zeit in den Gastfamilien standen auf dem Programm.
„Es gab bis jetzt keine schlechte Zeit in Frankreich für mich“, sagt Matthias. Deshalb wirbt er auch für den Feuerwehraustausch: „Wir sind immer offen für neue Mitglieder.“
Sprachkenntnisse brauchen die nicht zwingend. „Man kann sich eigentlich verbal schwer verständigen, aber es klappt dann doch immer gut und ist immer lustig“, sagt er. Lucie ergänzt, beim Austausch gebe es für alle etwas Neues zu sehen oder zu essen. Nur mit einer deutschen Eigenheit kann sie sich nicht anfreunden: „Ich finde es immer lustig, wenn mein Mann Weinschorle macht. Warum mischen wir Wasser mit Wein, wenn Wein so gut schmeckt? Ein No-Go in Frankreich!“
1982 besuchte die erste Delegation aus Bourges Augsburg, mit dem leitenden Branddirektor Josef Korschinsky aus Augsburg (2. von rechts) und dem Bürgermeister von Bourges Pierre Ferdonnet (im hellen Anzug). Dieses Jahr verabschiedeten sich Gäste und Gastgeber im Hof der Feuerwache Königsbrunn. Gefördert wird das Projekt vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds.
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