-1.4 C
Augsburg
Sonntag, 29. Januar 2023

Ramona Meinzer und Markus Krapf sind die Augsburger des Jahres

Must read

Die Augsburg Journal-Redaktion hat gewählt. Die Redakteure entschieden sich für zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten und ihre Verdienste 2022.

Die Entscheidung fiel unserer Redaktion nicht schwer. Als wir über besondere Leistungen im Augsburg-Jahr 2022 diskutierten, da fielen immer wieder zwei Namen, die uns so sehr beeindruckt haben, dass die Wahl des Augsburg Journals eindeutig ausging:

Ramona Meinzer ist die Augsburgerin des Jahres 2022. Markus „Maxe“ Krapf ist der Augsburger des Jahres 2022. Dabei haben die beiden Ausgewählten wenig miteinander zu tun.

Was die Augsburgerin Ramona Meinzer in ihrem Leben geschafft hat, das ist eine Geschichte, die guten Stoff für einen Hollywood-Film bietet. Oder man erzählt sie einfach jungen Migranten in einer Augsburger Schule. Denn mehr Vorbild für junge Zugezogene als Ramona Meinzer kann man nicht sein.

Ramona Meinzer (43) engagiert sich nicht nur für ihr Unternehmen – und bildet sich in Harvard weiter.


Mit vier Jahren kam das rumänische Mädchen Ramona Marinescu mit ihren Eltern in ein Flüchtlingslager nach Nürnberg. „Meine Eltern wollten uns Kindern eine neue Chance ermöglichen, wofür sie daheim alles zurückließen“, erinnerte sie sich später. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg ist Bildung. Sie durfte auf ein Gymnasium gehen, machte später einen Abschluss in den USA, studierte Wirtschaftsingenieurwesen und bekam vor zehn Jahren die große Chance, die ihr Leben erneut verändern sollte.

Nach dem überraschenden Tod von Michael Aumüller wurde sie geschäftsführende Gesellschafterin des Elektro-Maschinenbau-Unternehmens Aumüller Aumatic. Die Firma wurde Anfang der siebziger Jahre in Augsburg-Lechhausen gegründet und arbeitet heute in Thierhaupten im Landkreis Augsburg. Damals war die junge Chefin erst 33 Jahre alt. Ramona Meinzer: „Ich hatte bis zu seinem Tod ein freundschaftliches Verhältnis zu dem erfolgreichen Unternehmer. Michael wollte, dass Aumüller Aumatic auch nach seinem Tod eigenständig bleibt. Das war mein Auftrag.“

Ramona Meinzer, Unternehmerin, bedankt sich für die Wahl zur „Augsburgerin des Jahres“: „Es ist eine große Ehre und ein Ansporn, auch weiterhin alles für die gute Entwicklung von Stadt und Region zu tun!“


Der war nicht leicht zu erfüllen, denn die Firma war in Schieflage geraten. Doch Ramona Meinzer erfüllt die Mission bis heute gemeinsam mit ihrem Team. In diesem Jahr feierte Aumüller Aumatic 50-jähriges Firmenjubiläum mit etwa 200 Mitarbeitern und steht besser da, als je zuvor. Doch damit nicht genug. Seit Oktober diesen Jahres studiert Ramona Meinzer für drei Jahre – neben ihren „normalen“ Aufgaben als Unternehmenschefin und vielfach Verantwortliche – zusätzlich an der legendären amerikanischen „Harvard Business School“. „Mit fast 44 Jahren kann ich, das Einwandererkind aus Rumänien, damit einen ganz besonderen Punkt von meiner Bucket-List streichen“, so Ramona Meinzer. Persönlich ist die Macherin nach den ersten drei „Vor-Ort-Wochen“ im Harvard Business School-Programm sichtlich beeindruckt: „Ich durfte wahnsinnig spannende Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen; vom Mitglied des saudischen Herrschaftshauses über eine taiwanesische Top-Schmuckdesignerin bis zum Popstar, der als Musikproduzent dabei ist. Sie alle studieren mit mir im Jahrgang bei hochkarätigen Professoren mit Weltruf.“ Die dreijährige Fortbildung, für die sich insgesamt 170 Personen weltweit qualifiziert haben, findet großteils online statt. Eines hat Ramona Meinzer aber schon zu Beginn verstanden: „Europa spielt in der Welt praktisch keine Rolle mehr. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht komplett abgehängt werden“.


Nicht nur für „ihr Baby“ Aumüller Aumatic ist das neue Netzwerk Gold wert. „Indien, Südostasien, Südamerika – hier spielt die Musik und ich werde versuchen, neu gewonnene Kontakte für unsere Wirtschaft zu nutzen“, so die Powerfrau, die sich als Dank für ihre eigenen Bildungschancen in diesem Bereich stark engagiert. Als Partnerin von Günther Jonas, der sie als Geschäftsführer in zwei Tochterfirmen der Aumüller Aumatic GmbH unterstützt, und Mama eines Grundschul-Buben hat sie inzwischen sowohl den Aufsichtsratsvorsitz der Internationalen Schule in Augsburg (ISA) als auch seit diesem Jahr den Vorsitz des Hochschulrats des aufstrebenden Bildungstempels Hochschule Augsburg inne.
Daneben gehört Meinzer zum Vorstand der Regionalversammlung Augsburg-Land der IHK Schwaben und ist aktiv als ehrenamtliche Richterin am Sozial- und Arbeitsgericht Augsburg. Die Redaktion des AUGSBURG JOURNAL zieht ihren Hut vor der Augsburgerin des Jahres 2022: Ramona Meinzer.

Ein Leben für den FC Augsburg: Markus Krapf ging den Weg vom Fan zum Präsidenten

Markus Krapf, FCA-Präsident, bedankt sich für die Wahl zum „Augsburger des Jahres“: „Ich finde es super! nach all den Jahren „In ist wer Drin ist“, ist es für mich eine große Ehre.“

Als Ramona Meinzer Mitte der achtziger Jahre aus Rumänien nach Bayern eingereist war, da lernte Markus Krapf schon mehr oder weniger fleißig in einer unteren Klasse des katholischen Gymnasiums St. Stephan im Augsburger Domviertel.

Doch seine Leidenschaft hieß Fußball. Später studierte er Deutsch und Sozialkunde für das Gymnasial-Lehramt, machte ein Volontariat als Fernsehjournalist. Am liebsten ging er aber ins Rosenau-Stadion und schaute mit Kumpels wie Walter Sianos und Thomas „Jacky“ Müller den FCA-Kickern in der Bayernliga oder der Regionalliga zu. War damals nicht viel los im Stadion. Leere Ränge. Dem Klub ging es 2001 so schlecht, dass er eine Solidaritätsparty im Musik-Club Kerosin veranstalten musste.

Der neue Präsident hieß 2001 Walther Seinsch. Der war natürlich auch auf der Solidaritäts-Party. Der Jung-Journalist Krapf und der millionenschwere Präsident lernten sich beim Bier kennen und wenige Monate später war Markus Krapf, den alle „Maxe“ nennen, plötzlich Geschäftsführer des FC Augsburg. Was folgte, das waren fünf erfolgreiche Jahre.

Denn mit den Investitionen von Walther Seinsch und viel kaufmännischem Geschick stabilisierte sich der Club und stieg schließlich 2007 in die Zweite Bundesliga auf. Augsburg schaffte nach über 20 Jahren im bedeutungslosen Fußball-Nirwana den Sprung zurück in den Profi-Fußball – mit „Maxe“ Krapf als Geschäftsführer.

Es gibt viele schräge Geschichten aus den fünf Jahren, die Krapf für den FCA arbeitete. Da war der gutverdienende Neuzugang, der sich von Krapf sogar die billigen Hustenbonbons zahlen lassen wollte oder die Freundschaft mit Trainer-Legende Ernst Middendorp. Am Ende war das Abenteuer FCA mit dem Aufstieg für ihn vorbei – eigentlich. Präsident Seinsch griff in der Zweiten Liga eine Etage höher ins Manager-Regal und verpflichtete einen erfahrenen Bundesliga-Profi: Andreas Rettig.

Krapf hätte zu anderen Amateur-Clubs als Geschäftsführer wechseln können. Er hatte sich einen guten Namen gemacht. Bayreuth war im Gespräch, auch Essen. Was dagegen sprach, das war der Drang nach Heimat, seine Frau Irene, die er als Vereinswirtin beim FCA kennengelernt hatte und der gemeinsame Sohn Max, der 2007 erst wenige Monate alt war. Dem Sportjournalisten Herbert Schmoll verriet Krapf damals: „Ich war noch nie länger als sechs Wochen aus dieser Stadt weg. Deshalb bleibe ich auch hier und werden in der Innenstadt eine Kneipe für Fußballkultur namens 11er eröffnen.“

In den nächsten Jahren entwickelte „Maxe“ das 11er zur angesagtesten Fußballkneipe in Augsburg, verfolgte jedes Spiel seines FCA, arbeitet bis heute auch wieder als stellvertretender Chefredakteur beim Monatsmagazin „Neue Szene“, das sein Freund Walter Sianos führt. So wäre es wohl weitergegangen, wenn Vorgänger Klaus Hofmann nicht überraschend zurückgetreten wäre. Nach monatelangen Überlegungen schlug dann plötzlich Freund und Aufsichtsratschef Thomas „Jacky“ Müller bei Krapf auf.

„Du musst es machen“, reichte „Jacky“ ihm die Hand. Krapf überlegte einige Tage, dann schlug er ein. Seit September 2022 hat der FC Augsburg nun erstmals einen Präsidenten aus derFankurve – nicht aus der Champagner-Etage. „Wirt wird Augsburg-Boss“, titelte die BILD-Zeitung. Doch das trifft es nicht.

Mit Markus Krapf hat der FC Augsburg einen Präsidenten, der die DNA des Clubs und der Stadt kennt und versteht. Vielleicht wie kaum ein anderer. „Maxe“ ist einer, den die Fans in der Nord-Kurve respektvoll knuffen und die VIP-Fans als Urgestein akzeptieren. Krapf steht für die Versöhnung der Ultra-Fans mit der Vereinsführung, für Kommunikation und für Wärme im kalten Profi-Geschäft. „Wir müssen miteinander, nicht übereinander sprechen“, ist sein Credo.
Die Redaktion des Augsburg Journals traut Markus Krapf zu, dass er den FC Augsburg wieder im Herzen der Augsburger platziert. Deswegen ist er unser „Augsburger des Jahres 2022“.

- Advertisement -spot_img

More articles

- Advertisement -spot_img

Latest article