Start Stadt & Region Augsburger Professor Wild schafft Langdistanz-Triathlon in Roth unter dramatischen Umständen

Augsburger Professor Wild schafft Langdistanz-Triathlon in Roth unter dramatischen Umständen

Viele Augsburger kennen den Orthopäden Professor Dr. Alexander Wild aus Steppach (Landkreis Augsburg) als Gelenk- und Wirbelsäulenexperten, der in Donauwörth mit anderen Top-Ärzten eine Spezialklinik aufgebaut hat. Seit dem Langdistanz-Triathlon in Roth Anfang Juli ist Alexander Wild auch als Sportler eine Größe in Bayern.

Das Ergebnis von Alexander Wild bei Langdistanz-Triathon Roth.

Der 57-Jährige schaffte beim Saison-Höhepunkt der deutschen Triathleten – der Challenge im fränkischen Roth mit über 3000 Athleten und einem internationalen Starterfeld besetzt mit der Elite des Welttriathlon – ein beachtliches Ergebnis. Wild erreichte das Ziel nach 13 Stunden, 49 Minuten und 31 Sekunden. In dieser Zeit schwamm er unglaubliche 3,86 Kilometer, raste 180,2 km auf dem Rennrad und lief einen Marathon (42,195 Kilometer). Und das unter dramatischen Umständen.

Denn Wild hatte sich nach dem Schwimmen beim Verlassen des Main-Donau Kanals eine Schnittwunde an der großen Zehe zugezogen, es aber zunächst nicht bemerkt. Nach 20 Kilometern auf dem Fahrrad sah er, dass aus seinem linken Fahrradschuh das Blut sickerte – und plötzlich spürte er den Schmerz. Doch „Professor Beinhart“ hielt durch. Beim Wechsel vom Fahrrad in die Laufschuhe wollten ihn Helfer ins Sanitätszelt schicken, doch Wild verweigerte die Kapitulation. Eine provisorische Versorgung durch den chirurgisch versierten Athleten selbst musste reichen.

Glücklich mit Trainer Johannes Friedrich.

Als der Marathon-Läufer aus Augsburg bei Kilometer vier über die Zeitmessmatte lief, bemerkte er das fehlende Signal. Bei der hektischen Wundversorgung hatte er den Zeitmesschip, welcher mittels Klettverschluss am linken Knöchel fixiert war, abgelegt. Eine Helferin hatte diesen zusammen mit seinen Radsachen, weggepackt. Das roch nach Disqualifizierung. Doch Wild hatte Glück.

Sein Trainer Johannes Friedrich, welcher seinen Athleten seit 4.00 Uhr früh begleitete, folgte ihm mit dem Mountainbike. Als er von dem Malheur erfuhr, raste er zurück zum Kampfgericht, klärte den Fall, erreichte seinen Schützling bei Kilometer 16 des Marathons und konnte ihm per Ersatzchip grünes Licht für die letzten 26 km geben. „Alex, du bleibst im Rennen“, war das Kommando für das Finale, das Alexander Wild noch einmal Flügel verlieh.

Im Ziel warteten Ehefrau Suse und Tochter Nina, Sohn Moritz mit Freundin Kathi mit dem Pappschild „Alex Turbo Wild“. Der freute sich: „Für mich hat sich ein Lebenstraum erfüllt. Neun Monate habe ich mich mit meinem Trainer Johannes Friedrich und meinem Physiotherapeuten Mario Hempel auf diesen Tag vorbereitet. Meine Familie und Freunde mussten oft auf mich verzichten. Jetzt bin ich glücklich und wieder zurück im normalen Leben.“ Zumindest vorerst.

Suse Wild mit Alexander und Kindern Nina, Moritz und dessen Freundin Kathi im Ziel.

Denn ehrgeizig wie der Mediziner ist, der seit 2009 den Triathlonsport ausübt und für den Augsburger Verein Triathlon Augsburg gestartet ist, möchte er 2023 eine weitere Triathlon-Langdistanz absolvieren. Wild: „Mein Ziel war es, unter 13 Stunden zu bleiben. Die Verletzung und der mentale Stress durch den vergessenen Chip haben mich gebremst. Daher möchte ich es noch einmal versuchen. Nach der Challenge Roth ist vor der Challenge Roth.“

Immerhin kam der Augsburger weiter als Seriensieger und Super-Triathlet Jan Frodeno. Der musste den Triathlon nach wenigen Kilometern der Laufstrecke mit Achillessehnenproblemen aufgeben.

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