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Dienstag, 20. Januar 2026

Insolvenz, Erpressung, Betrug und ein Wirtschaftsanwalt – Alexander Zarzitzky

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Für die Firma Westpoint Motorräder konnte nach einer Insolvenz ebenso erfolgreich ein Käufer gefunden werden wie für das Glasbauunternehmen Roschmann aus Gersthofen oder den Spielstättenbetreiber Harlekin. Jetzt aber ist die Unternehmensberatung und Rechtsanwaltskanzlei Anchor mit 15 Niederlassungen, unter anderem in Augsburg, in ein deutlich schlagzeilenträchtigeres Verfahren eingebunden. Alexander Zarzitzky, Wirtschaftsjurist bei Anchor, ist vom zuständigen Münchner Amtsgericht zum Insolvenzverwalter der DS Motoren in Grünwald bei München bestellt worden. Dabei spielen Luxusautos von Marken wie Bugatti, Ferrari oder Koenigsegg eine Rolle – und der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Adrian Sutil, der gar verhaftet worden ist.

„Nach einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist es die Aufgabe des Insolvenzverwalters, die Vermögenswerte der Schuldnerin bestmöglich zu verwerten. Zunächst müssen aber die Eigentumsverhältnisse für jedes einzelne Fahrzeug nachvollzogen werden“, erklärte Zarzitzky allgemein zur Aufgabe des Insolvenzverwalters. „Zu meinen Aufgaben in den kommenden Monaten gehört es, die Eigentumsverhältnisse an den Fahrzeugen zu klären und die vertraglichen sowie finanziellen Strukturen belastbar aufzuarbeiten.“

Betrug, Betrug mit Luxusautos

Worum geht es überhaupt? Es geht um Betrug, Betrug mit Luxusautos. Die betreffenden Fahrzeuge sollen laut Staatsanwaltschaft Stuttgart als Sicherheiten bei Geschäften angegeben worden sein – und das mehrfach, was nicht erlaubt ist. Derartige Fahrzeuge seien vom Ex-Rennfahrer Sutil und von der Firma DS Motoren gehandelt worden. „Das Geschäftsmodell der DS Motoren GmbH basierte auf dem Handel mit extrem seltenen Fahrzeugen mit Einzelwerten in Millionenhöhe. Die Finanzierung erfolgte in der Regel über Banken und Leasinggesellschaften. Ziel war es, die Fahrzeuge nach einer gewissen Zeit mit Wertsteigerung weiterzuverkaufen“, erklärte Insolvenzverwalter Zarzitzky.

Das Höchst-Level-Segment mit Preisen in Millionenhöhe

Die Bezeichnung „Autohandel“ beschreibe laut Medienberichten das Geschäftsmodell der DS Motoren GmbH eher vage. Das Unternehmen investiere laut eigenem Geschäftsbericht „in mobile Sachwerte, bestehend aus Fahrzeugen im Luxussegment“. Es gehe um das Höchst-Level-Segment mit Preisen in Millionenhöhe – pro Fahrzeug. Die Nachfrage nach derlei Sammlerstücken sei hoch, das Angebot begrenzt. Offensichtlich im Zusammenhang mit dem aktuellen Verfahren hat DS Motoren zum Jahreswechsel einen Antrag auf Insolvenz gestellt, dem das zuständige Amtsgericht stattgegeben hat. Und es hat Zarzitzky als Verwalter bestellt. Adrian Sutil ist indes festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Adrian Sutil. Foto: Archiv

Dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer, 1983 als Sohn eines Konzertmusikers aus Uruguay und einer deutschen Pianistin in Starnberg geboren, wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart gemeinschaftlichen Betrug im besonders schweren Fall und gemeinschaftliche Unterschlagung vor. Eben deswegen, weil Luxusfahrzeuge aus Sutils Besitz möglicherweise mehrfach als Sicherheiten angegeben worden seien.

Dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer, 1983 als Sohn eines Konzertmusikers aus Uruguay und einer deutschen Pianistin in Starnberg geboren, wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart gemeinschaftlichen Betrug im besonders schweren Fall und gemeinschaftliche Unterschlagung vor. Eben deswegen, weil Luxusfahrzeuge aus Sutils Besitz möglicherweise mehrfach als Sicherheiten angegeben worden seien.

Wohnsitz in Monaco

Nach den Betrugsvorwürfen seien mehrere Objekte in der Schweiz, Monaco und in Sindelfingen durchsucht worden. Dabei habe die Stuttgarter Staatsanwaltschaft neben allerlei Geschäftsunterlagen rund 20 Autos beschlagnahmt. Adrian Sutil ist laut seines Rechtsanwalts Vorstand der Liechtensteiner AS Motoren AG und damit der Muttergesellschaft der insolventen DS Motoren GmbH. Allerdings bestreitet Sutils Rechtsanwalt die Betrugsvorwürfe. Sutil kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Es sei auch kein wirtschaftlicher Schaden gegenüber Dritten entstanden, wird argumentiert.

Die Untersuchungshaft sei laut Rechtsanwalt deswegen angeordnet worden, weil Sutil über keinen Wohnsitz in Deutschland, sondern nur in Monaco verfüge. Der Ex-Rennfahrer und sein Anwalt halten den Insolvenzantrag der DS Motoren GmbH laut Medienberichten für unnötig. Sie hätten es bevorzugt, mit den Gläubigern eine Art „Stillhalteabkommen“ hinzubekommen. Dann hätten die wertvollen Fahrzeuge nach und nach verkauft werden können und die Gesellschaft wäre ohne Verluste für die beteiligten Gläubiger abgewickelt worden. In einer Erklärung heißt es: „Adrian Sutil ist zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe im Zuge der weiteren Ermittlungen strafrechtlich als unbegründet erweisen und sein großer Name als Formel-1-Fahrer vollständig rehabilitiert wird.“

Mehrere der wertvollen Autos von Unbekannten abgeholt

Sutil sei vielmehr selbst „Opfer einer großen Vermögensstraftat im europäischen Umfeld“ geworden. Hinter dieser Aussage steckt die Behauptung, dass mehrere der wertvollen Autos von Unbekannten abgeholt worden seien. Momentan seien sie unauffindbar, würden europaweit gesucht. Sutil und seine Familie sollen einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge Opfer einer Erpressung geworden sein. Ein „Vladimir“ habe am Telefon erklärt, niemand könne ihn in Monaco aufhalten, wenn seine Leute die Fahrzeuge Sutils dort holen würden.

Vladimir habe nicht unerwähnt gelassen, zu der berüchtigten Söldnergruppe „Wagner“ zu gehören. Und tatsächlich seien kurz darauf mehrere Männer an der Garage in Monaco erschienen und hätten die Herausgabe der Autos gefordert. Die Familie sei massiv eingeschüchtert worden, die Autos in einem Gesamtwert von bis zu 17 Millionen Euro abtransportiert worden. Bei den Fahrzeugen soll es sich laut Auto Motor und Sport um einen Koenigsegg Regera, einen Rolls-Royce Phantom, einen Ferrari California, einen Lamborghini und mehrere Porsches gehandelt haben. Außerdem sei ein Mercedes-Benz 600, der sich einst im Besitz von Elvis Presley befand, entwendet worden, sowie einer von nur sieben produzierten Koenigsegg Agera. Allein der Wert dieses Hypercars wird auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. Die Familie erstattete daraufhin Strafanzeige.

Eine schriftliche Anfrage unserer Redaktion an die Anchor-Unternehmensberatung blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Ein Bugatti ist – nicht zuletzt aufgrund seines Preises – eine Seltenheit auf unseren Straßen. Aus der Garage von Adrian Sutil in Monaco soll dieser Tage einer verschwunden sein. Foto: Bugatti.

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