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Donnerstag, 05. Februar 2026

Magnetschwebebahn-Hersteller bestätigt Kontakt zur Stadt

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Größenwahn, Wolkenkuckucksheim, Zukunftstechnologie? Das Thema Magnetschwebebahn ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Besonders dann, wenn eine verhältnismäßig kleine Stadt wie Augsburg in Zusammenhang mit dieser Technologie gebracht wird. Seit Stadtwerkechef Rainer Nauerz die Diskussion über eine Magnetschwebebahn vom Augsburger Hauptbahnhof zum Uniklinikum nicht von vorne hinein vom Tisch wischte, wird das Thema kontrovers diskutiert.

Und Nauerz legte in einer Erklärung zum Augsburger „Lückenschuss“ nach. Dabei ging es zuvorderst um die Bekräftigung dessen, dass ab September 2027 die Straßenbahnlinie 6 den Tunnel am Hauptbahnhof durchfahren soll. Zur aktuellen Diskussion über den Bau einer Magnetschwebebahn statt einer Straßenbahnlinie ergänzt Nauerz: „Wir beobachten natürlich die technischen Entwicklungen im Bereich der öffentlichen Mobilität und prüfen, was für welche Anwendungen möglich und sinnvoll sein könnte – von autonomem Fahren bis zu Seilbahnen oder eben die Technologie der Magnetschwebebahn.“ In diesem Fall geht es um die Linie 5 zur Uniklinik.

„Wir haben uns mit den Stadtwerken Augsburg über den aktuellen Stand unserer Magnetschwebebahn TSB und die Erkenntnisse aus bisherigen Machbarkeitsstudien ausgetauscht“, bestätigt Theresa Pfeiffer, Leiterin Kundenmanagement und Kommunikation bei der Herstellerfirma Transports System Bögl (TSB). Es gebe in mehreren deutschen Städten Machbarkeitsstudien zum Einsatz von Magnetschwebebahnen im Nahverkehr. Zudem wurde für die Stadt Nürnberg eine Studie angefertigt, in der für die Verlängerung einer bestehenden Straßenbahnlinie die Magnetschwebebahn als Alternative geprüft wurde. Auch in Hamburg und in Baden-Württemberg werde die Magnetschwebebahn derzeit in Machbarkeitsstudien als Ergänzung im ÖPNV überprüft. In einer Studie des Bundesverkehrsministeriums wird der Magnetschwebetechnik durchaus ein Platz im Mix der verschiedenen Verkehrsträger beigemessen.

International gebe es mehrere Magnetschwebebahnen, die im Betrieb zuverlässig funktionieren. Beispiele seien hier in Changsha, Peking, Shanghai, Fenghuan, Guangdong in China oder auch Nagoya in Japan.

Die Magnetschwebebahn findet nicht bei allen Anklang

Mit Kopfschütteln reagierte der Augsburger SPD-Vorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dirk Wurm auf die jüngsten Überlegungen, in Augsburg eine Magnetschwebebahn umzusetzen. „Die Streckenführung der Linie 5 ist dafür vollkommen ungeeignet“, betont Wurm in einer Pressemitteilung. „Statt Luftschlösser zu bauen und Prestigeprojekte umsetzen zu wollen, braucht es eine praktikable und schnelle Lösung. Als vorübergehende Maßnahme wäre ein Expressbus vorstellbar, aber klar ist: Die Linie 5 als schienengebundene Anbindung des Klinikums an den Hauptbahnhof muss kommen! Die Straßenbahn ist das Rückgrat des Augsburger ÖPNV – heute und in Zukunft.“ Eine Magnetschwebebahn könne die Förderung für die gesamte Mobilitätsdrehscheibe ins Wanken bringen. Ohne die Linie 5 wäre die Förderfähigkeit nicht mehr gegeben – hier werde mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger auf unverantwortliche Weise gespielt.

Derzeit liegt für diese Verbindung eine Planung für zwei konventionelle Straßenbahnschienenstränge weitestgehend auf der Trasse der Bürgermeister-Ackermann-Straße auf dem Tisch. Das Projekt geriet zuletzt aber etwas auf ein Nebengleis. Die Baumaßnahme entpuppt sich als kompliziert, vor allem im Kreuzungsbereich mit der B 17 und jenem mit der Kriegshaberstraße. Auch die Kosten-Nutzen-Bewertung der Baumaßnahme passte nicht. Zuletzt wurde auch von einer Schnellbuslinie statt der Tram gesprochen.

Oder doch einer Magnetschwebebahn? War da nicht jener Transrapid, der gemäß des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber „in nur zehn Minuten“ hätte vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen im Erdinger Moos flitzen sollen? Im Grunde würde es sich um eine vergleichbare Technik handeln, die allerdings auf die Bedürfnisse des Nahverkehrs – mit vielen Stopps und weniger hohen Geschwindigkeiten – zugeschnitten würde.

Augsburg könnte Nürnberg beerben

Das TSB ist solch eine Magnetschwebebahn, die von der Firmengruppe Max Bögl seit dem Jahr 2010 entwickelt wird. Das System sei für den Nahverkehr konzipiert und transportiert nach Firmenangaben Personen und Güter auf seiner eigenen, unabhängigen und platzsparenden Infrastruktur. Das System wird in Sengenthal (bei Neumarkt/Oberpfalz) entwickelt, wo es auf einer 850 Meter messenden Teststrecke betrieben wird.

Es kursieren Vermutungen, dass das Magnetschwebe-Thema deswegen bei Augsburg landen könnte, weil es in Nürnberg damit nicht recht vorangeht. Bereits seit Jahren wird in Nürnberg der Bau einer Magnetschwebebahn geplant und diskutiert. Es geht dabei um eine rund vier Kilometer lange Strecke im Süden der Stadt zum Messegelände und weiter zum dortigen Klinikum Süd. Laut einer Studie, die der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg in Auftrag gegeben haben, sei der Bau technisch und finanziell möglich. Doch den Nutzen erachten Nahverkehrs-Experten geringer als bei einer Straßenbahn.

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