Start Stadt & Region Wie der Augsburger Andreas Haller mit Quantron die Welt erobert

Wie der Augsburger Andreas Haller mit Quantron die Welt erobert

Andreas Haller vor einem emissionsfreien Quantron-Lkw

Andreas Haller startet mit seinem Lkw-Bauer QUANTRON richtig durch. Seine Mission ist emissionsfreie Mobilität. Der Milliarden-Deal mit einem US-Partner ist erst der Anfang vom weltweiten Big Business.

Zum Geburtstag gab’s Lobster-Spaghetti, Weißwein – und auf dem Heimweg sogar noch einen Abstecher in den Club. „Aber nur, weil wir zufällig auf dem Weg zum Hotel daran vorbeikamen“, erzählt Tina Haller vom 44. Geburtstag ihres Gatten Andreas Haller in Miami/Florida. Zwanzig Jahre hat es gedauert, bis sie ihm jetzt endlich ihre „alte Heimat“ zeigen konnte, in der sie Anfang des Jahrtausends zwei Jahre lang lebte und arbeitete.

Zur gleichen Zeit übernahm Andreas Haller damals in fünfter Generation den Familienbetrieb Haller Nutzfahrzeuge in Gersthofen „mit vier Millionen Euro Schulden im Rucksack“, wie er sich erinnert. Inzwischen beschäftigt der gebürtige Gersthofer in den verschiedenen Unternehmen seiner Haller Group rund 500 Menschen, plant in den nächsten zehn Jahren weltweit 50 000 alternativ-angetriebene Trucks laufen zu haben – und hat gerade einen Eine-Milliarde-Euro-Auftrag in Amerika unterzeichnet. Ein weiterer Firmen-Standort befindet sich jetzt in Detroit/Michigan. Andreas Haller: „Deswegen war an Urlaub in den letzten Jahren nicht zu denken. Umso mehr genießen wir jetzt die Auszeit hier in den USA!“

Erst der Mega-Deal – dann der romantische Urlaub mit Ehefrau Tina

Kurz vor dem romantischen Urlaubstrip mit seiner Frau, die selbst im Energy-Bereich der MAN arbeitet, schloss der Augsburger Visionär den Mega-Deal mit dem US-amerikanischen Unternehmen TMP Logistics in Washington ab – am Rande eines Kongresses rund um das Thema Wasserstoff, das neben der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen das zweite große Thema von Andreas „Quantron“ Haller und seinem Team ist. Sogar Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger reiste samt Delegation mit, um den sensationellen Abschluss des bayerischen Vorzeige-Unternehmens live mitzuerleben. Andreas Haller: „Diese Unterschrift war schon ein sehr emotionaler Moment. Auch wenn das Geld nicht einfach so auf unser Konto fließt. Der Deal läuft über acht Jahre und wir haben auch Partner im Boot. Sicher ist jedoch: Die Arbeit geht erst richtig los!“

Der private US-Trip führt Tina und Andreas Haller weiter von Miami zu den Keys. Das Paar, das sich „seit wir 16 sind“ kennt und seit Juli 2019 verheiratet ist, hat sich ein Auto gemietet und fährt selbst. Bodenständig und normal, kein Stück abgehoben durch den Höhenflug. Andreas Haller: „Mein Ziel war es nie, einen Milliarden-Konzern aufzubauen. Ich hatte einzig die Passion, so schnell wie möglich unseren Familienbetrieb abzusichern, von Banken unabhängig zu sein und das Unternehmen in die nächste Generation zu führen.“

Andreas und Ehefrau Tina Haller im Florida-Urlaub

Andreas Haller freut sich natürlich über den Erfolg, kennt aber auch die andere Seite der Medaille. Jahrelang lief er mit seinen innovativen Ideen alternativer Antriebe gegen Wände, wurde belächelt und als Zerstörer des Familienbetriebs kritisiert. „Dabei wusste ich genau, was ich wollte. Und auch warum. Greta Thunberg wollte ich sicher keinen Gefallen tun, aber mir war klar: Diese Form der old economy, Diesel-betriebene Nutzfahrzeuge, die bricht irgendwann weg. Und niemand konnte mir beantworten, wie es dann weitergehen soll. Irgendwann dachte ich mir: Wenn es keiner machen will und kann – dann mache ich es eben selbst!“

Es waren keine leichten Jahre des Aufbaus. Dann vor zehn Jahren noch ein gesundheitlicher Schock: Herzinfarkt – mit Anfang 30. „Da ändert sich auch der Blickwinkel. Zum Glück haben meine Frau, meine Familie und auch mein Team immer an mich geglaubt und mich unterstützt.“

Mercedes und MAN hatten an der Quantron-Vision von Haller kein Interesse

Keine vier Jahre ist es her, dass ihn die Großen der Branche – von Mercedes bis MAN – ausgelacht haben: „Wir sind und bleiben Diesel – war die Devise. Und alle wollten von meiner Vision nichts wissen. Und plötzlich geht alles ganz schnell und wir sind mit solchen Unternehmen auf dem Weltmarkt auf Augenhöhe!“

Und der gesamte Weltmarkt ist im Wandel – wie die neue Quantron-Spielwiese Amerika beweist. „Der Schwerlastverkehr ist in Nordamerika für sieben Prozent der Fahrzeuge auf den Straßen, aber für zwei Drittel der Emissionen verantwortlich. Das ist weder aus einem betriebswirtschaftlichen noch einem ethischen Standpunkt vertretbar“, erklärte Hallers neuer Partner TMP-Chef Raymond F. Staples beim Abschluss des Milliarden-Deals, bei dem es konkret um eine Bestellung von 500 schweren Brennstoffzellen-Lkw geht. „Die Big Player denken um – weil sie müssen. Egal ob Fast-Food-Kette oder Softdrink-Weltmarktführer – die nachwachsenden Generationen strafen Umweltsünder brutal ab.

Deal besiegelt! (v.li.): Quantron-CEO Michael Perschke, US-Partner Michael Watts (TMP), Sunita Satyapal (US-Regierung/Abteilung Wasserstoff-Wirtschaft), Quantron-Gründer Andreas Haller und

Dank Social Media geht das ganz schnell“, weiß Andreas Haller, dessen erster Großkunde im Mai 2021 Ikea war. Auch in Schleswig-Holstein, Hessen und sogar München kommen moderne Fahrzeuge der Haller Group im öffentlichen Nahverkehr zum Einsatz. Nur in der Heimat tut sich der Prophet schwer. Andreas Haller: „Das ist schon sehr schade, wir sprechen immer mal wieder. Aber das Interesse der Stadt Augsburg ist – vorsichtig formuliert – äußerst zurückhaltend.“

Die Stadt Augsburg hat offenbar kein Interesse an Quantron

Dabei passt ein innovativer Vorreiter wie Haller doch perfekt zum Porftfolio einer Stadt mit dem Schwerpunkt Umwelt. „Augsburg hätte mit uns die Chance, ein Technologiestandort für Wasserstoff zu werden“, sagt Haller, der unter anderem mit 25 Design-Studenten in Turin bei der Gestaltung neuer Fahrzeuge zusammenarbeitet.

Während Tina nach dem Urlaub zurückfliegt, um in Augsburg ihrem Job nachzugehen, bleibt Andreas geschäftlich in den Staaten. „Wir haben viel vor, müssen fleißig trainieren“, sagt er über das nächste „große Ding“ seiner Quantron AG: Ein für 2024/2025 geplanter Börsengang an der amerikanischen Börse Nasdaq. Eine Sache gibt es, die gelingt Andreas Haller momentan nicht: Sein Golf-Handicap zu verbessern. „In den letzten Jahren bin ich einfach nicht dazu gekommen, obwohl Tina und ich eigentlich sehr gern spielen“, bedauert der Shooting-Star. Aber zumindest hofft er auf ein gemeinsames Tänzchen Mitte November auf dem Presseball. „Allerdings bin ich nicht sicher, ob ich es rechtzeitig zurück nach Augsburg schaffe.“

Denn Anfang November musste er noch auf eine Messe nach Riad in Saudi-Arabien. So ist das halt, wenn man die Welt erobert.

Fünf Generationen: (v.l.) Gottfried (t1935), Peter (t1958), Gottfried (t1996), Peter und Andreas Haller.

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