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Samstag, 04. April 2026

OB Florian Freund: Vom Stein auf dem Herzen zur Last auf den Schultern

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Ein klarer Sieg, aber kaum Zeit zum Durchatmen: Florian Freund (SPD) hat die OB-Stichwahl gegen Amtsinhaberin Eva Weber mit 56,58 Prozent gewonnen. Nun heißt es für ihn, die im Wahlkampf formulierten Versprechen einzulösen. Im Interview mit dem AUGSBURG JOURNAL spricht der neue Oberbürgermeister über erste Prioritäten, mögliche Bündnisse im Stadtrat und die Herausforderungen, die ab sofort auf seinem Schreibtisch liegen.

AUGSBURG JOURNAL: Wie geht es Ihnen nach diesem Wahlsieg? Ist die Last schon von den Schultern gefallen?

Florian Freund: Ja, ich habe es schon ein paar Mal gesagt: Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, als ich gestern gesehen habe, dass das Wahlergebnis so ist, wie es ist. Und ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass der Zuspruch auch so groß war – auch quer über alle Stadtteile hinweg. Aber gleichzeitig ist natürlich auch eine Last auf den Schultern gewachsen, nämlich die viele Arbeit und die Probleme, die wir im Wahlkampf sehr leidenschaftlich diskutiert haben. Die liegen jetzt da – und sie liegen jetzt ganz maßgeblich auf meinen Schultern.

AJ: Wenn Sie auf den ersten Tag im Amt blicken: Was wird politisch als Erstes angepackt?

Freund: Ich stehe bei den Augsburgerinnen und Augsburgern im Wort – mit drei Projekten, die ich nach der Wahl sehr schnell umsetzen möchte. Das erste ist der Fünf-Minuten-Takt, den ich bei den Stadtwerken wieder einführen möchte. Ich glaube, das müssen wir zügig hinbekommen. Das zweite ist, die Planungen für die Fuggerpromenade weiter voranzutreiben, sodass wir binnen der nächsten Jahre Ergebnisse sehen – jedenfalls bis zur Eröffnung des Staatstheaters. Und das Dritte ist die Sanierung der Schultoiletten. Und da meine ich tatsächlich das Herrichten von Schultoiletten, sodass sie wieder gut benutzbar sind.

OB Florian Freund: „Ich bin nicht nachtragend“

AJ: Der Wahlkampf war hart. Wie tief sind die Gräben – etwa zu den Grünen? Und wie gehen Sie jetzt mit den Angeboten anderer Parteien um?

Freund: Ich habe vor der Wahl gesagt – und ich gedenke das auch nach der Wahl so zu tun –, dass ich mit allen demokratischen Kräften im Stadtrat zusammenarbeiten möchte. Es gab einen 8. März, danach einen 9. März, einen 22. März und jetzt einen 23. März.
Ich glaube, wir sollten unabhängig vom Wahlkampf jetzt anhand der Ergebnisse sehen, dass wir konstruktiv zusammenarbeiten – über alle demokratischen Parteien und Fraktionen hinweg. Und da zähle ich die Grünen dazu.

Inwieweit die Grünen tatsächlich grundständige Kritik an meiner Person haben, kann ich sie ja noch einmal fragen. Wenn es erhebliche Gräben gäbe, müsste man sie ausräumen.

Aber von meiner Seite: Ich bin nicht nachtragend. Ich bin niemand, der jetzt mit Samthandschuhen angefasst werden muss. Aber wenn es um Charakterfragen geht, sollte man sich klar machen, dass es da kein Missverständnis gibt.

AJ: Gibt es bereits eine Wunschkonstellation für die Zusammenarbeit im Stadtrat – gerade mit Blick auf Referentenwahl und Haushalt?

Freund: Ich glaube, das muss der Stadtrat tatsächlich aushandeln. Heute tagen die Parteigremien, unsere werden heute Abend tagen, und im Laufe der Woche die anderen. Dann wird man sehen müssen, mit welchen Zielsetzungen die jeweiligen Fraktionen in die Verhandlungen gehen. Und dann wird man sehen müssen, ob es kompatibel ist oder nicht.

Die Tatsache, dass wir mit allen reden, heißt nicht, dass jeder Vorschlag immer mehrheitsfähig ist. Ich glaube, es wird sich eine Gemeinschaft bilden aus vernünftigen Fraktionen, die sagen: Diese Referentenwahl und die Haushalte – das versprechen wir uns in die Hand. Und bei den Großprojekten genauso.

Für weitere Themen werden wir uns Mehrheiten suchen. Ich glaube, das ist gut, weil die Fraktionen gezwungen sind, ihr Profil herauszuarbeiten. Am Ende wird es einen Kompromiss geben.

OB Florian Freund: Mehr Transparenz beim Theater

AJ: Das Staatstheater bleibt eines der großen Streitthemen. Wie wollen Sie dort mehr Transparenz schaffen?

Freund: Es steht ja noch einmal zur Disposition. Eine neue Kostenberechnung wurde veranlasst, die im Frühsommer vorliegen soll – zumindest ist das mein Kenntnisstand.

Wenn selbst Stadträtinnen und Stadträte sagen, sie wissen nicht genau, wie der Kostenstand ist, woher die Kosten kommen und was die Umplanung gekostet hat, dann zeigt das, dass es in der Vergangenheit sehr wenig Transparenz gab. Diese Transparenz herzustellen – wann immer möglich öffentlich, ansonsten nichtöffentlich – ist wichtig.

Wichtig ist aber auch zu sagen, dass wir am Staatstheater festhalten wollen. Jede Verzögerung macht das Ganze teurer. Wir sind gut beraten, die vorliegende Planung umzusetzen.

Denn wir können entweder ein 417-Millionen-Euro-Theater bauen – oder kein Theater für 300 Millionen Euro. Und ich glaube, da sollte klar sein, was die bessere Alternative für Augsburg ist.

AJ: Ein emotionales Thema im Wahlkampf war die Parkplatzpolitik. Wie wollen Sie hier künftig vorgehen?

Freund: Wir brauchen ein Stadtentwicklungsreferat, das sich strategisch mit solchen Fragen auseinandersetzt. Wir müssen überlegen, wie wir die Innenstadt stärken.

In den vergangenen Jahren hatte man oft den Eindruck, dass der Wegfall von Parkplätzen Selbstzweck ist. Wenn ich eine politische Entscheidung treffe – etwa für einen Radweg –, dann ist das eine Abwägung. Wenn ich Parkplätze einfach so streiche, ist das keine Abwägung.

Das gilt auch für Parkgebühren. Wenn ich sie verdreifache oder vervierfache – was habe ich damit erreicht? Ich habe damit nichts gewonnen.

AJ: Kommt die „Semmeltaste“ zurück?

Freund: Das ist ein Thema, bei dem meine Fraktion immer eine klare Haltung hatte. Wir waren nie große Fans davon. Zur Wahrheit gehört aber auch: Dieses Thema wurde von fast allen Geschäftsleuten angesprochen.

Am Ende wird das im Stadtrat entschieden. Und so, wie es abgestimmt wird, wird es dann umgesetzt. Ich möchte den Stadtrat in die Verantwortung nehmen. Ich gebe nicht vor, in welche Richtung entschieden wird. Das würde sonst zu faulen Kompromissen führen, die am Ende keiner wirklich will.

Es gab viele Glückwünsche und Gespräche…

AJ: Zum Schluss ein Blick auf Sie persönlich: Wie sehen die nächsten Wochen für Sie aus?

Freund: Ich habe heute bewusst Wert darauf gelegt, die Struktur beizubehalten. Routinen bringen Sicherheit – gerade in Umbruchsphasen. Deshalb bin ich heute ganz normal ins Büro gefahren und habe gearbeitet.

Natürlich gab es viele Glückwünsche und Gespräche. Aber die Tage brauchen Struktur.

Gleichzeitig wird es jetzt enger mit dem Zeitbudget, gerade wenn es in die Verhandlungen geht. Es geht stark darum, wie wir die Stadt verwaltungsseitig ausrichten. Da werde ich sehr gefordert sein.

Das wird auch dazu führen, dass ich Urlaub nehme und Überstunden abbauen werde. Mein Arbeitgeber und ich haben das bisher sehr gut geregelt, und ich gehe davon aus, dass das so bleibt.

Geplant war auch etwas Zeit mit der Familie. Wir fahren noch einmal für ein paar Tage ins Kleinwalsertal. In Riezlern gibt es ein nettes kleines Hotel und da werden wir uns drei Tage lang mal ein bisschen als Familie wieder zurechtruckeln.

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