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Donnerstag, 21. Mai 2026

Familie von Saldern: Blaues Blut & blaue Flecken

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Wenn man auf eine über 900-jährige Familiengeschichte blickt, in der sich Ritter, Landwirte und standhafte preußische Generäle finden, scheint der Weg auf die Fechtbahn fast schon vorbestimmt. Doch bei der Familie von Saldern war es keine alte Adels-Tradition, die den Nachwuchs zum Degen greifen ließ, sondern ein profaner Zufall: Olympische Spiele im Fernsehen und der Rat eines Kardiologen an den heute 18-jährigen Niklas, mehr Sport zu treiben.

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Felix (16) landete er beim TV Augsburg. „Ein anderer Verein hatte auf die Mail unserer Mutter schlicht nicht geantwortet“, lacht Niklas. Inzwischen stehen die Brüder im siebten Jahr auf der Planche und haben sich dem Degenfechten verschrieben. Der Nischensport wird oft als „Schach mit Lichtgeschwindigkeit“ bezeichnet, eine hochintensive Intervallsportart, die neben körperlicher Explosivität extreme Nervenstärke verlangt.

Dr. Sven von Saldern: „Eine Schnittmenge gibt es, die Präzision“

Ihr Vater, Dr. Sven von Saldern, in Augsburg als Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie bekannt, beobachtet das Treiben mit analytischem Stolz. Obwohl er selbst nie aktiv focht, engagiert er sich heute als Sportkoordinator der TVA-Fechtabteilung. Gibt es Parallelen zwischen dem OP-Saal und der Fechtbahn? „Eine Schnittmenge gibt es“, schmunzelt Dr. von Saldern, „die Präzision.“ Während er beruflich Millimeterarbeit leistet, schätzt er am Fechtsport vor allem die große Kameradschaft und das überraschend geringe Verletzungsrisiko. Dennoch bewundert er die Zähigkeit seiner Söhne, die anfangs oft „grün und blau“ vom Training kamen, ohne je zu klagen. Wenn Niklas und Felix auf Turnieren antreten, sind die Rollen der Eltern ohnehin klar verteilt: Der Vater bleibt eher ruhig, die Mutter fiebert dafür hochgradig emotional mit.

Im April fand in Augsburg die bayerische Meisterschaft statt.

Wie packend dieser Sport ist, zeigte sich Mitte April eindrucksvoll in der Augsburger Erhard-Wunderlich-Halle. Bei den Bayerischen Meisterschaften im Degenfechten traf sich die landesweite Elite. Das Turnier bot starke sportliche Leistungen – wie das fulminante Doppel-Gold des heimischen TVA-Nachwuchstalents Lena Steuerer (U15 und U17) – und einen Hauch echten Olympia-Glanzes durch den Besuch der Florett-Olympiasiegerin von 1960, Heidi Grundmann-Schmid.

Auf der Fechtbahn zählen am Ende vor allem Leidenschaft, Köpfchen und ein präziser Treffer

Für Niklas von Saldern, der als 18-Jähriger bereits in der Erwachsenen-Altersklasse „Senioren“ antrat, stand neben der sportlichen Ambition vor allem die Freude im Mittelpunkt. Sein augenzwinkerndes Ziel für das Heimturnier: „In die Top 8 kommen, im Idealfall auf dem Podium stehen und dort wegen meiner Größe die anderen verdecken.“ Am Ende beweist die Augsburger Familie: Ob mit blauem Blut oder einfach nur blauen Flecken – auf der Fechtbahn zählen am Ende vor allem Leidenschaft, Köpfchen und ein präziser Treffer.

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