Er wird heuer 50 Jahre alt, ist waschechter Augsburger, und der kreative Kopf hinter dem wohl größten politischen Beben der Stadt seit Jahren: Michael Enders. Als Geschäftsführer der Werbeagentur creativdrei hat er den erfolgreichen Oberbürgermeister-Wahlkampf von Florian Freund 2026 maßgeblich gesteuert. Doch wer verbirgt sich hinter dem Strategen, und was war sein Erfolgsrezept auf dem Weg zum Wahlsieg?
Als die Reise vor über einem Jahr begann, stand das Team vor einer massiven Hürde: Florian Freund war in der breiten Augsburger Bevölkerung schlichtweg nicht bekannt. Ihn als ernsthaften Gegenkandidaten für die amtierende Oberbürgermeisterin Eva Weber aufzubauen, erforderte mehr als nur bunte Plakate.
Für Enders lag der Schlüssel in Freunds Persönlichkeit und der spürbaren Wechselstimmung in der Stadt. Er spürte den Verdruss der Augsburger über Dauerbaustellen. „Stichwort Staatstheater, Freilichtbühne oder Fuggerboulevard. Die Leute hatten das Gefühl, hier geht nichts mehr vorwärts, hier passiert nichts“, fasst Enders die Ausgangslage zusammen. Es galt, Florian Freund als fleißigen, akribischen Macher zu positionieren, dem die Bürger abnehmen, dass er sich authentisch mit Augsburg identifiziert. Er musste zur klaren und einzigen Alternative heranwachsen.
Um diese Alternative für ein breites Spektrum an Wählern schmackhaft zu machen, griff Enders zu einer unkonventionellen Maßnahme. Auf den Plakaten des Kandidaten fehlte das SPD-Logo komplett. Ein bewusstes Entkoppeln, das anfangs für ordentlich internen Gegenwind sorgte.
Michael Enders: Start mit einem unbekannten Kandidaten
„Natürlich gab es da gerade bei den Alteingesessenen die eine oder andere Stimme, die nicht so ganz happy war“, blickt Enders zurück. Doch die strategische Trennung von Kandidaten- und Listenwahlkampf war überlebenswichtig. Die SPD reite auf Bundes- und Landesebene aktuell nicht auf einer Erfolgswelle. Seine Botschaft lautete daher: „Natürlich sind wir SPD, aber wir sind vor allem die Augsburger SPD. Hier geht es um Personen, die kommunal etwas bewegen wollen.“
Während die politische Konkurrenz anfangs laut Enders mit bunten Pastellfarben und der Botschaft „Alles ist doch super, einfach weitermachen“ antrat – was ihn humorvoll an den hartnäckigen schwarzen Ritter aus Monty Python erinnerte –, setzte creativdrei auf eine durchgängige und glasklare Kommunikationsstrategie.
Der Moment, in dem der erfahrene Stratege endgültig an den Sieg glaubte, kam nach dem Neujahrsempfang. Plötzlich hörte Enders in seinem privaten und geschäftlichen Umfeld von klassischen Nicht-SPD-Wählern Sätze wie: „Ich finde den spitze, ich werde den wählen.“
Ein massiver Treiber war dabei Social Media. Organisch wuchs eine enorme Reichweite heran, getragen von unverfälschten Videos und einem Kandidaten, der sich mitten ins Getümmel stürzte. Überraschend für Enders: Der erwartete Hass im Netz blieb weitestgehend aus, dafür wuchs der Zuspruch von Tag zu Tag. Und auch nach der Wahl geht die Online-Präsenz weiter. „Gerade im Wahlkampf geht es nicht darum, etwas zu inszenieren, sondern Inhalte so aufzubereiten, dass sie für die Menschen nachvollziehbar und greifbar werden“. Florian Freund postet weiter, weil es eben keine Marketing-Masche war, sondern sein Naturell ist.
Wahlkampf ohne SPD-Logo sorgt für Gegenwind
Doch der Wahlkampf forderte auch emotionale Tribute. Besonders die Reaktionen der Grünen am Wahlabend haben Enders, der sich selbst eher dem links-grünen Spektrum zurechnet, persönlich enttäuscht. „Da steht man sich dann gedanklich vielleicht doch ein bisschen näher, und da hat mich das schon gewundert, dass da so eine Breitseite kam.“
Dass Enders genau den Nerv der Augsburger trifft, liegt an seinen eigenen Wurzeln. In Bobingen geboren und hier aufgewachsen, hat er die Region nie verlassen. Auch als er die Agentur creativdrei – die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert – mit Hauptsitz im Münchner Umland übernahm, merkte er schnell: Sobald bei Kontakten das Wort „München“ fiel, gingen die Rollläden runter. Also eröffnete er kurzerhand ein Büro in Augsburg und vernetzte sich tief in der Region.
Heute betreut die Agentur eine wachsende Zahl regionaler Kunden. So war creativdrei unter anderem auch maßgeblich an der Augsburger Erlebnismesse A\FAIR beteiligt und entwickelte das komplette Erscheinungsbild samt Namensgebung.
Die Verbindung zur SPD entstand übrigens aus familiären Gründen: Sein Bruder Julian Enders sitzt im Vorstand der Genossen am Lech. Was vor Jahren mit der Bitte um einen kleinen Flyer begann, gipfelte nun in einem gewonnen OB-Wahlkampf.
Lesen Sie auch: Schlusspunkt: Neu-OB Florian Freund muss schnell liefern


