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Dienstag, 23. Juni 2026

Georges Khoukaz: Was für ein Biest

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Glänzende Lederstiefel stampfen auf, breite Schultern stehen sich gegenüber, halbnackte Körper wie aus einer antiken Kampflegende glänzen vor Schweiß im Scheinwerferlicht. Haare fliegen, Fäuste fliegen, Herzen fliegen ihnen zu: den Wrestlern im Ring. Eine andere Rolle hat Georges Khoukaz derzeit im Martini Park inne: Der Wrestler entwickelte die Kampfchoreografien für die Oper „La Belle et la Bête“ („Die Schöne und das Biest“), die bereits am Staatstheater Premiere feiert und steht zugleich selbst als ein Part des Biests auf der Bühne. Und kämpft tatsächlich auch mit drei „Tieren“ auf der Bühne: Aus der Kampfsportschule Augsburg sind die drei Kampfsportler Florian Keim, Moritz Murdock und Claudiu Urzica dabei in der Rolle von Wildschwein, Hirsch und Stier. Mit dem AJ REPORTER sprach Khoukaz über Gemeinsamkeiten von Ringkampf und Musiktheater.

Der 33-Jährige bringt eine Biografie mit, die selbst wie Theaterstoff wirkt: „Ich wollte schon als Kind immer Wrestler werden, und im Nahen Osten gibt es kein Wrestling“, erzählt er. Später floh der Christ aus Syrien wegen des Islamischen Staats zu Fuß nach Deutschland. Dort startete er 2016 mit seinem Wrestling-Traum und der -karriere quer durch Europa und Auftritte in Film- und Serienproduktionen wie „4 Blocks“ oder „Gunpowder Milkshake“ durch. Auch in einer Waschmaschinenwerbung für otto.de war er schon zu sehen.

Nach drei Stunden in der Maske hat sich Georges Khoukaz in das Biest verwandelt – und lässt es auf der Bühne raus. Foto: Foto: Jan-Pieter Fuhr

Georges Khoukaz: völlig neu für die Oper denken

Kennengelernt hat Susanne Lietzow, die „La Belle“ in Augsburg inszeniert, ihn bei einer Wrestlingveranstaltung in Österreich. Sie hatte davor bereits mit Khoukaz‘ Trainer Michael Kovac als Kampfchoreograf für „Unruhe um einen Friedfertigen“ (2023) zusammengearbeitet. Als sie nach jemandem für „La Belle et la Bête“ suchte, kontaktierte sie den Wrestler mit Schauspielerfahrung. Khoukaz sagte zu – obwohl Oper und Theater für ihn Neuland waren. „Aber Wrestling ist wie Theater“, sagt er im Gespräch. „Letztendlich ist es eine Live-Aufführung. Ich würde aber sagen, das hier ist weniger gefährlich.“ Beides funktioniere über Präsenz, Timing und Reaktion des Publikums.

Gleichzeitig musste er für die Oper völlig neu denken. Während bei Filmproduktionen Kampfszenen zuerst gedreht und später passend mit Musik unterlegt würden – „So haben wir die volle Kontrolle über das Timing im Kampf“ – war die Musik bei „La Belle et la Bête“ bereits fertig komponiert. „Ich habe als Stuntkoordinator den Kampf entworfen. Es war genau umgekehrt. Ich muss den Kampf genau auf die Musik abstimmen, die bereits fertig ist.“ Gemeinsam haben Oper und Wrestling: „Es ist wie eine einzige Film-Einstellung. Da muss ich mir sagen: Du hast genug Erfahrung; selbst wenn etwas passiert, weißt du, wie man improvisiert.“ Dabei profitiert er von jahrelanger Erfahrung. Seit fast zehn Jahren wrestelt Khoukaz professionell in ganz Europa (oft als „the Syrian Giant“), absolvierte 2018 den WWE-Tryout und tourte zuletzt mehrfach durch Europa und Japan. Wrestling sei allerdings nicht „fake“: „Die Schwerkraft ist echt, auch wenn jemand hinfällt. Man kann es also nicht vortäuschen. Ich würde sagen, es ist eine Show. Es ist, als würde man einen Live-Action-Film anschauen. Eine einzige Einstellung.“ Und schon kleine Fehler können zu Verletzungen führen. Im Theater hat er nicht einmal Körperkontakt beim Kampf.

Georges Khoukaz mal nicht „oben ohne“, sondern ganz gentlemanlike im Anzug.

Khoukaz hat auch schon Verletzungen davongetragen

Khoukaz selbst hat auch schon Verletzungen davongetragen, etwa einen abgerissenen Bizeps. Auch Rückenprobleme bleiben. Eine OP steht im Sommer an. Dennoch bleibt Wrestling seine große Leidenschaft. Für die das Image stimmen muss: „Natürlich wollten sie im Kampf-Intro meinen eigentlichen Beruf nicht erwähnen, denn ich arbeite seit 20 Jahren als Damenfriseur“, sagt Khoukaz mit einem Lachen. Seit 2006 schneidet er in einem Salon nahe Aschaffenburg Haare. Das heißt: Dienstag bis Freitag Salon. Am Wochenende Wrestlingkämpfe (etwa am 5. and 6. Juni im Wiener Prater). Montags produziert er Wrestlingausrüstung für seine eigene Firma „Wrestling Gear EU“. Die Stiefel des Biests stammen etwa aus seinem Haus.

Für die Verwandlung in die märchenhafte Kreatur sitzt er lang in der Maske. „Drei Stunden, um es aufzutragen, eine Stunde, um es wieder abzunehmen“, lacht der 33-Jährige. Was genau das Publikum am Ende auf der Bühne erwartet, verrät Khoukaz allerdings nicht. „Dafür muss man ein Ticket kaufen“, sagt er. Und wirkt dabei gar nicht biestig.

Der Wrestler in Action – gegen Shigeno Shima (unten) bei einem Kampf in Fukuoka in Japan.

Vorstellungstermine unter staatstheater-augsburg.de/la_belle_et_la_bete_die_schoene_und_das_biest

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