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Dienstag, 21. April 2026

Sensemble Theater: Die Mischung macht‘s

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Ein neues Gesicht bereichert die Sensemble-Theaterfamilie: Hannah Hupfauer. Warum ihr Monolog im Stück „Prima Facie“ nicht immer leicht ist, und welche vielfältigen Stücke das Sensemble-Team um Sebastian Seidel, 54, noch auf dem Programm hat.

Hupfauer sagt, sie freue sich auf jeden Fall auf ihr Stück. Sie kommt aus einer „Theaterfamilie“ in Günzburg. Mama Vera Hupfauer leitet mit Dörte Trauzeddel das Neue Theater Burgau, mit dem das Sensemble viel zusammenarbeitet. „Sie hat mir die Liebe zum Theater mitgegeben“, sagt Hannah Hupfauer über ihre Mutter. Ihr Bruder Joshua ist auch Schauspieler, ihre Schwester Martha hat eigentlich Modedesign studiert. Aber schon etwa das Kostüm für mehrere Produktionen verantwortet.

Die 34-Jährige nimmt sich gleich zum Start eines schweren Themas an: Ihre Hauptfigur Tessa, die das Stück als Monolog trägt, ist eine erfolgreiche Anwältin, deren Königsdisziplin die Verteidigung von Angeklagten in Fällen sexueller Übergriffe ist. Ihre Aufgabe ist es, die Lücken in der Anklage zu finden. Denn im Kreuzverhör stehen meist die Frauen. Und Tessa geht es um die juristische Wahrheit: Sie muss nicht beweisen, ob das Opfer zugestimmt hat, sondern dass er nicht wusste, dass es kein Einvernehmen gab. Dann wird Tessa selbst vergewaltigt – und das von einem Kollegen.

Hannah Hupfauer ist bei der nächsten Premiere am 24. April im Sensemble zu sehen: In „Prima Facie“, dem weltweiten Erfolg der Australierin Suzie Miller.

Als sie Anzeige erstattet, ist ihr klar, dass die Prima-facie-Beweise nicht für sie sprechen. Aber es geht ihr nicht nur um persönliche Gerechtigkeit, sondern auch um die Abrechnung mit einem von Männern geschaffenen Justizsystem, an das sie ihr Leben lang geglaubt hat. Für Hupfauer „eines der wenigen Stücke, das sexuelle Gewalt an Frauen zum Kernthema macht“, und kein einfaches. Wie Anne Schuester, zuständig für Organisation und Öffentlichkeitsarbeit, erklärt, lebe Schauspielerei eigentlich vom Distanzieren. Für Hupfauer auch eine Herausforderung: „Auf eine Art muss man sich schon auf eine Distanz bringen, sonst bleibt man nicht arbeitsfähig. Das gelingt mal besser, mal schlechter, aber ich muss auch mal sagen: ‚Für heute reichts‘.“

Sensemble Theater: die kommende Monaten

Wie Seidel betont, ist auch das Publikum aktiv gefragt: „Man sitzt mit im Gerichtssaal und ist gezwungen, sich selbst zu überlegen, was man tun würde.“ Der sehr intime Rahmen auf der Studiobühne ziehe die Zuschauer in das Stück. Schuester, 51 betont: „Der Kontakt zum Publikum unterscheidet uns von großen Institutionen.“

Das Publikum, dass sie sich aufgebaut hätten, sei sehr treu und habe sich wie die Stücke mit ihnen weiterentwickelt, so Schuester und Seidel. Und schaue sich deswegen auch ganz unterschiedliche Stücke an. Wie in den kommenden Monaten: Die Komödie „Achtsam morden“ wird ab 3. Juli auf der Sensemble-Sommerwiese wieder aufgenommen. „Schuld und Schein“ im Theater sei Kapitalismuskritik, aber kein Drama. „Prima Facie“ und „Novecento“ punkten mit der intimen Atmosphäre der Studiobühne. Seidel: „Novecento läuft schon seit drei Jahren, die Zuschauer lieben es. Und Wolfgang Lackerschmid spielt live!“ Auch „All das Schöne“ geht bereits ins siebte Sensemble-Jahr. Für Fans des Impro-Theaters gibt es etwa wieder Auftritte von Linner & Trescher. Und zum 50. Todestag von Agatha Christie: den „Whodunit“-Krimi-Abend mit Impro&Lesung. Schuester fasst zusammen: „Generell wollen wir schwere Themen mit Humor präsentieren, außer bei Prima Facie.“

Da passt auch Hupfauer wunderbar ins Sensemble, wenn sie findet: „Der Spaß liegt in der Mischung.“

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