Es war der größte Kampf ihrer bisherigen Karriere: In der vergangenen Nacht stand die Augsburgerin Cheyenne „Pepper“ Hanson im texanischen El Paso im Ring. Gegen die haushohe Favoritin und amtierende Weltmeisterin Amanda Serrano zeigte Hanson enormen Mut und lieferte einen harten Fight, bevor sie sich Ende der zweiten Runde geschlagen geben musste.

Cheyenne Hanson war nicht in die USA gereist, um vor Ehrfurcht zu erstarren. Dass die Augsburgerin bereit war, auf der ganz großen Bühne im ausverkauften El Paso County Coliseum alles in die Waagschale zu werfen, machte sie der 35-jährigen Box-Legende Amanda Serrano schon vor dem ersten Gong klar. Beim offiziellen „Face-off“ ließ Hanson selbstbewusst eine Kaugummi-Blase direkt vor dem Gesicht der Weltmeisterin platzen.

Ein frecher Move, der in den US-Medien sofort für Schlagzeilen sorgte. Serrano, die in ihrer Karriere in sieben verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeistertitel sammelte, reagierte auf X (ehemals Twitter) angriffslustig: „Ich bin nicht wütend auf sie, solange sie dieselbe Energie heute Abend mitbringt. Ich kämpfe für meine Fans und bin immer bereit für Blut! Ich liebe einen guten Kampf!“

Hanson hält dagegen und landet klare Treffer

Und den Krieg sollte Serrano, zumindest für kurze Zeit, auch bekommen. In dem Kampf um die WBA- und WBO-Titel im Federgewicht, der unter dem für Frauenboxen eher unüblichen Regelwerk von Drei-Minuten-Runden ausgetragen wurde, bewies Hanson echten Kampfgeist. Anstatt sich vor der drückenden Favoritin zu verstecken, suchte die Augsburgerin den offenen Schlagabtausch.

Während Serrano die erste Runde noch nutzte, um die Bewegungen der Deutschen zu studieren, hielt Hanson mutig dagegen und konnte immer wieder eigene, gefährliche Schläge landen. Die Herausforderin zeigte, dass sie zurecht in diesem Co-Main Event stand, und zwang die puerto-ricanische Titelverteidigerin dazu, ihr komplettes Können abzurufen.

Der Druck wird am Ende der zweiten Runde zu groß

Doch im zweiten Durchgang demonstrierte Amanda Serrano, warum sie als eine der besten Boxerinnen der Geschichte gilt. Die Weltmeisterin erhöhte die Schlagzahl drastisch, feuerte scharfe Jabs ab und kreierte sich so die Lücken für ihre gefährlichen Haken und Aufwärtshaken. Hanson versuchte tapfer, ihre Position in der Ringmitte zu behaupten und weiter gegenzuhalten, doch der präzisen und unerbittlichen Schlaghagel-Offensive der Favoritin war schwer beizukommen.

Gegen Ende der zweiten Runde wurde Hanson schließlich in die Seile gedrängt. Dem nun schier übermächtigen Druck und der pausenlosen Kombination aus Kopf- und Körpertreffern konnte die Augsburgerin letztlich nicht mehr standhalten. Ringrichter Robert Hoyle sah sich gezwungen, den Kampf nach 2 Minuten und 25 Sekunden in der zweiten Runde abzubrechen (TKO).

Ein historischer Abend – auch für die Augsburgerin

Für Amanda Serrano war es ein historischer Sieg: Mit ihrem 32. Knockout stellte sie den Allzeit-Rekord der Frauenbox-Pionierin Christy Martin ein.

Für Cheyenne Hanson endet das US-Abenteuer zwar mit einer Niederlage, aber auch mit der Gewissheit, auf der größten Bühne des Boxsports vor einem Millionenpublikum Herz bewiesen zu haben. Gegen eine absolute Legende des Sports hat die Augsburgerin gezeigt, dass sie sich vor großen Namen nicht versteckt.

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